Dabei ist Sexualität etwas Natürliches und letztendlich machen es fast alle Menschen. Nur darüber zu sprechen, bleibt ein Tabu. Fernab von Pornos und Artikeln in Magazinen, die uns erzählen wollen, wie wir den besten Sex unseres Lebens bekommen oder mit welchen Verrenkungen wir uns am besten zum Höhepunkt bringen können, sollten wir doch wieder anfangen uns mehr mit UNS zu beschäftigen. 

Das Thema Masturbation wird gerade bei Frauen sehr unter den Tisch gekehrt. Warum eigentlich? Es ist das Natürlichste der Welt, sich mit seinem Körper und seinen Vorlieben auseinanderzusetzen. Egal, ob Mann oder Frau, Selbstbefriedigung hilft in vielen Hinsichten, ausgeglichener zu sein.

Durch Medien und soziale Netzwerke bekommen wir täglich viele Eindrücke um die Ohren geworfen und man muss sich irgendwann entscheiden, welchen Weg man gehen möchte. Gerade in einer Zeit des Erwachsenwerdens ist es gar nicht so einfach, den eigenen Weg zu finden. Zwischen den ganzen Eindrücken, die Tag für Tag auf uns einwirken, vergessen wir achtsam mit uns und insbesondere mit unserer Sexualität umzugehen.

Warum spricht keiner gernüber Selbstbefriedigung?

Es fängt schon im Kleinkindalter an, die Jungs spielen an ihrem Penis herum. Alles völlig normal, wenn Mädchen sich aber an irgendwas reiben, dann wird es gleich „verboten“ und man spricht nicht gern darüber. Kleinkinder denken dabei nicht an Sex, es geht einzig allein um das schöne Gefühl, was man damit erzeugt. Im Jungendalter bekommt es dann einen sexuellen Bezug und man befriedigt sich selbst – ob man dabei an jemanden denkt oder nicht, ist bei jedem unterschiedlich.

Auch wenn es fast jeder macht, ist die eigene Befriedigung immer noch etwas, was bei vielen Menschen als schmutzig angesehen wird. Gerade, wenn man einen Partner hat, fragen sich viele, warum man sich dann noch selbst befriedigen soll? Ich weiß von vielen Personen, dass ihnen auch damals gesagt wurde, dass es was Schmutziges sei und man es einfach nicht macht.

Mittlerweile gibt es viele Bücher und Artikel, die zu diesem Thema aufklären und aufzeigen wollen, wie wichtig Selbstbefriedigung ist …

Was macht es mit unserem Körper und warum tut es uns gut?

Erster und wichtigster Punkt: durch Selbstbefriedigung kommt ihr euch und eurem Körper näher und ihr setzt euch mit ihm auseinander. Ihr könnt dadurch lernen, euch zu lieben und anzunehmen. Außerdem merkt ihr mit der Zeit, was euch guttut und was ihr gerne mögt, ihr könnt euch ausprobieren, merkt welches Tempo ihr mögt und wie ihr gern berührt werden möchtet.

Auch wenn ich nicht sagen möchte, dass es bei Männern einfacher ist, zum Orgasmus zu kommen, muss ich zugeben, dass das ganze Verfahren bei einer Frau doch schwieriger ist. Die wenigsten der Frauen hatten in ihrem Leben einen vaginalen Orgasmus, das meint den Orgasmus der kommt, wenn etwas in die Vagina eingeführt wird. Bekannter ist da der klitorale Orgasmus. Der wird erreicht, wenn man die Klitoris stimuliert. Wenn man sich selbst befriedigt, kann man da ziemlich viel ausprobieren und wenn man mag, sogar seinen Partner miteinbeziehen, was beim vaginalen Orgasmus auch Vorteile bringen kann.

Es gibt aber auch noch die gesundheitlichen Aspekte, die für die Selbstbefriedigung sprechen. Zum Beispiel kann es Stress bekämpfen – dafür sorgen die Glückshormone namens „Endorphine“, die bei einem Orgasmus freigesetzt werden. Die versorgen euch mit einem Glücksgefühl und ihr fühlt euch gleich viel entspannter. Zum anderen könnt ihr Schmerzen und Verspannungen lindern. Ich empfehle es immer, Selbstbefriedigung anzuwenden, wenn man an Krämpfen während der Periode leidet. Und zu guter Letzt: Selbstbefriedigung stärkt das Immunsystem. Denn wer regelmäßig zum Orgasmus kommt, ist allgemein entspannter, neigt weniger zu Stress, wird seltener krank und ist im Leben ausgeglichener.

Sind das nicht genug gute Gründe, um gleich damit anzufangen?

Wie schaffe ich es, meinen Kopf frei zu bekommen, während ich mich mit mir selbst beschäftige?

Ich bekomme oft Nachrichten, in denen mir Frauen schreiben, die nicht wissen, wie sie es sich am besten selbst machen können. Meine erste Antwort darauf: „Macht ein Date mit euch selbst aus!“ Gönnt euch vorher vielleicht ein entspannendes Bad, cremt euch danach von Kopf bis Fuß ein und tastet euch schon mal langsam an euren Körper ran.

Nicht jeder Frau fällt es leicht, sich mit ihren Körper auseinanderzusetzen und es braucht manchmal viel Zeit, sich selbst positiv wahrnehmen zu können. Stresst euch nicht! Wenn ihr mögt, könnt ihr euch natürlich auch schöne Unterwäsche anziehen. Macht euch Kerzen an und die Deckenleuchte aus. Wenn es euch schwer fällt, abzuschalten, könnt ihr auch ein wenig Musik laufen lassen. Das lenkt manchmal ein wenig von den Gedanken im Kopf ab (außer, ihr müsst wild mitsingen, dann solltet ihr vielleicht die Musikrichtung ändern).

Tastet euch langsam an eure erogenen Zonen ran. Erst die Brust und dann immer weiter runter, so wie du es am liebsten magst. Wenn man sich ran traut, gibt es auch ganz wunderbare Sextoys, die man einsetzen kann, um sich noch mehr auszuprobieren und manchmal sogar helfen, zum Höhepunkt zu gelangen. Traut euch!

Slow Sex – was ist das überhaupt?

Hört sich vielleicht erstmal ziemlich langweilig an, ist aber gar nicht so einfach. Es beschreibt die Intimität zwischen zwei Menschen, auf eine ganz innige und vertraute Ebene, ohne dabei zum Höhepunkt gelangen zu müssen. Man nimmt sich Zeit füreinander. Lernt, den anderen wahrzunehmen und sich voll und ganz fallen zu lassen.

Warum ist das besser als der Sex, den wir in pornografischen Videos sehen?

In Pornos werden uns Praktiken und Vorgehensweisen gezeigt, die mit der Realität meistens wenig zu tun haben. Die Männer und Frauen haben Sex, weil es ihr Job ist. Das ist Sex ohne Gefühl, ohne romantisches Vorspiel und ohne Fantasie. Sex nach Drehbuch. Viele Jugendliche und auch Erwachsene schauen sich diese Filme an und suchen nach Inspiration. Leider funktioniert das meistens in unseren Betten nicht so, wie wir es dort sehen. Du willst ein Beispiel? In vielen Filmchen sieht man die Frau squirten (bedeutet: sie spritzt bei ihrem Orgasmus ab), dass jedoch funktioniert bei den wenigstens Frauen. Die Darstellerinnen haben viel Übung darin und machen es wahrscheinlich auch ziemlich häufig.

Aber wir funktioniert Slow Sex?

Die Praxis an sich ist gar nicht schwierig. Denkt an romantische Zeit – Kerzen, eine schummrige Atmosphäre und einen Menschen, mit dem ihr diesen Moment teilen wollt. Hierbei sollt ihr nicht von 0 auf 100 beschleunigen, es geht viel mehr um's „Langsam-herantasten“. Oft steht beim Sex der Orgasmus im Vordergrund, alles wird getan um den, beim jeweils anderen, erreichen zu können.

Beim Slow Sex geht es aber vielmehr um die Intimität zwischen den Sexualpartnern, um das Besser-Kennenlernen und darum, neue Lustpunkte zu entdecken.

Fangen wir mit leichten und sinnlichen Berührungen und Blicken an, ihr schaut euren Partner an und erkundet seinen Körper mit euren Händen, ganz langsam und bewusst. Massiert oder streichelt euch, haltet Augenkontakt und sagt euch, was gefällt. Das ist am Anfang gar nicht einfach, aber es wird immer einfacher.

Nach einer Zeit könnt ihr anfangen, euch zu küssen und den Körper des anderen mit den Lippen zu erkunden. Nehmt euch Zeit dafür, bis ihr irgendwann zum eigentlichen Akt kommen könnt. Habt einfach Sex, ohne darüber nachzudenken, den anderen zum Orgasmus zu bringen. Lasst euch fallen und genießt den Moment.

Nach dem Akt solltet ihr nicht gleich schlagartig das Bett (oder wo auch immer ihr gerade Sex hattet) verlassen. Nehmt euch noch einen ein wenig Zeit füreinander. Kuschelt, redet über die Dinge, die euch gefallen haben und was ihr euch vielleicht für das nächste Mal wünscht. Das bringt Nähe und Vertrauen. Glaubt mir!

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