Woran erkennt man Nesselsucht im Unterschied zu anderen Hautkrankheiten?

Die Nesselsucht besteht aus flüchtigen Quaddeln, die an solche erinnern, die man auch von Brennnesseln bekommt. Diese Quaddeln treten ganz spontan mit wahnsinnig starkem Juckreiz auf, sind aber nur kurz auf der Haut. Nach ein paar Minuten oder mehreren Stunden verschwinden sie und die Haut kann wieder völlig unversehrt sein. Möglicherweise erscheinen die Quaddeln dann später an anderer Körperstelle erneut.

Gibt es verschiedene Formen dieser Hautkrankheit?

Ja. Ein akuter Nesselausschlag hält weniger als sechs Wochen an und kommt sehr häufig vor. Jeder vierte Mensch hat einmal so einen Ausschlag als Reaktion auf einen Infekt, ein Medikament oder einen anderen Auslöser. Das aktivierte Immunsystem reagiert sozusagen über.

Länger bleibt die chronische Urtikaria. Sie betrifft nur ein Prozent der Bevölkerung und kann entweder spontan auftreten, also ohne erkennbaren Auslöser, oder ganz verschiedene Ursachen haben, wie Kälte, Wärme, Druck, Stress u.a. Diese induzierbaren Varianten haben also einen eindeutigen Auslöser.

Wie geht man mit so einer Krankheit um?

Aufgrund ihrer Unvorhersehbarkeit ist die Urtikaria eine der belastendsten Hauterkrankungen überhaupt. Auch ist es häufig schwierig, beim Arztbesuch akute Symptome aufzuweisen. Es können Quaddeln, aber auch sogenannten Angio-Ödeme, also tiefe Schwellungen unter der Haut irgendwo am Körper, auftreten. Betroffene sollten deshalb ihre Schübe unbedingt fotografieren, um dem Arzt deren Ausmaß und Zeitpunkt mitteilen zu können. Die Krankheit an sich ist aber harmlos und weder lebensbedrohlich oder ansteckend.

Also ist diese Krankheit eine Allergie?

Nein, die Ursache der Nesselsucht ist sehr komplex. Die meisten Urtikaria-Fälle im Kindes- und Jugendalter sind eine Überreaktion des Immunsystems auf einen vorhergegangenen Infekt. Manchmal wird aber auch irgendein Eiweißmolekül vom Immunssystem als bedrohlich erkannt und bekämpft, wodurch die Urtikaria als eine Art Autoimmunerkrankung entsteht. Allergien können sich manchmal als Nesselausschlag äußern – einem Nesselausschlag liegt aber umgekehrt fast nie eine Allergie zugrunde.

Was kann man gegen den Juckreiz und das entstellende Aussehen tun?

Man nimmt ein Antihistamin ein, das diesen entzündlichen Botenstoff (Histamin), der bei einem Nesselausschlag ausgeschüttet wird, blockiert. Das größte Problem der Urtikaria ist ja deren Unvorhersehbarkeit. Häufig treten Quaddeln und Schwellungen überraschend nachts während des Schlafes auf. Außerdem kann die Krankheit sehr entstellend sein, wenn es völlig unmittelbar zu Schwellungen beispielsweise von Lippen oder Augen kommt.

Deshalb sollte die Urtikaria nicht erst nach einem Schub, sondern besser täglich behandelt und regelmäßig ein Antihistamin eingenommen werden, um den nächsten Schub zu blockieren. Sollte die Antihistamingabe nicht zur Linderung gereichen, gibt es seit 2014 auch ein Mittel zum Spritzen, das einmal im Monat verabreicht wird und diese ganze Entzündungskaskade komplett blockiert. Dieses Medikament ist auch für Jugendliche zugelassen und hilft in der Regel sehr gut.

Gibt es eine Aussicht auf Symptomfreiheit oder Heilung?

Die Dauerbehandlung macht im Idealfall Symptomfreiheit, aber sie heilt die Erkrankung nicht, sie unterdrückt sie nur. Jedoch bleibt die Urtikaria nie ein Leben lang – sie kommt ganz spontan und genauso spontan geht sie auch wieder. Nur ihre Dauer ist sehr variabel: in ihrer akuten Form weniger als sechs Wochen, in der chronischen selten länger als fünf Jahre.