Feminist* sagt Mann* nicht

Vor Kurzem veröffentlichte Hanna Herbst ihr Buch Feministin sagt man nicht, in dem sie sich mit unterschiedlichen feministischen Themen beschäftigt und schlussendlich zu dem Ergebnis kommt: „Feministin sagt man doch!“. Damit bricht sie in aller Klarheit ein gesellschaftliches Tabu. Denn nach wie vor wird Feminismus skeptisch beäugt.

Ich kenne viele Menschen, die zwar die Gleichstellung der Geschlechter befürworten und sich teilweise auch aktiv dafür einsetzen, sich aber dennoch nicht als Feminist*in bezeichnen möchten. Besonders stark äußert sich diese Ablehnung dem Feminismus gegenüber innerhalb der Gruppe der Männer*. Gleichstellung, ja bitte.

Feminismus, lieber nicht. Dabei geht das eine nicht ohne das andere. Wer sich für die Gleichstellung und Gleichwertigkeit der Geschlechter ausspricht und echte Chancengleichheit für alle einfordert, ist faktisch auch Feminist*in.

T-Shirts machen uns nicht zu Feminist*innen

Bei all der gesellschaftlichen Tabuisierung zeigt sich in letzter Zeit paradoxerweise auch ein fast schon inflationärer Gebrauch der Begriffe Feminist*in oder Feminismus. T-Shirts mit dem Aufdruck This is what a feminist looks like sind beliebt wie nie zuvor und Feminismus wird als trendiger Lifestyle gefeiert – auch unter den Männern*.

So schön die breite Resonanz auch ist, ein jeder Trend birgt auch die Gefahr zur reinen Instrumentalisierung zu verkommen und dadurch an Inhalt zu verlieren. Daher ist beim derzeitigen Hype auch Vorsicht geboten, denn: T-Shirts machen uns nicht zu Feminist*innen. Feminismus ist mehr als ein schickes Label, Feminismus ist eine ehrliche Haltung.

Feminismus steht für gelebte Gleichstellung, Gleichwertigkeit und Chancengleichheit. Feminismus steht für Menschlichkeit, und Menschlichkeit darf kein Tabu sein. Feminismus darf kein Tabu sein. Ganz im Gegenteil, es braucht mehr Menschlichkeit, es braucht mehr Feminist*innen. Oder wie es die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie ausdrückt: We should all be feminists.