Ich werde die Bezeichnungen Frauen* und Männer* jeweils mit einem Sternchen versehen. Dies soll Trans - Queere und nicht binär lebende Personen sichtbar machen und mit einschließen. Mir ist bewusst, dass ich als weisse Person mit österreichischem Pass aus einer priviligierten Position heraus schreibe.

Ich bin eine fette, homosexuelle Frau.

Das ist meine Selbstbezeichnung, mein Weg empowernd und sichtbar mit meiner Lebensrealität umzugehen. 

Sobald ich mich ausserhalb meiner Wohnung oder anderen safe spaces bewege, spüre ich Diskriminierung. Sie ist in Blicken, in Worten, in der Attitüde wie mit mir umgegangen wird. Was bis eben noch meine Normalität war, ist jetzt lebende Kritik an den Normen der  Mehrheitsgesellschaft.

Ich bin, wie alle Frauen*, jeden Tag der sexistischen und lookistischen Wertung von heterosexuellen Cismännern ausgesetzt. Das Patriarchat sorgt für eine klar eingegrentzte heteronormative Vorgabe was Geschlecht bedeutet, wieviele es gibt, und wer aufgrund seines Geschlechtes wieviel Wert hat. In dieses Weltbild passt keine Frau, die mit einer Frau verheiratet und selbstbewusst fett ist. Eher kommen Ideen, wie Frauen* zu leben und auszusehen haben; dass sich ihr Look immer (oder überhaupt) an den Blick der Männer* richtet, dass Begehren heterosexuell zu sein hat, Frauen* schlank, schweigend und schön eher nur dabei stehen sollen, als fett, selbstbewusst und laut wichtige Positionen zu besetzen.

In solchen Strukturen dient eine Diskussion um das Körpergewicht von Frauen* ebenfalls dazu, Macht auszuüben und zu erhalten. Oft werden Körperlichkeiten, die bei Frauen* noch negativ konnotiert waren, bei Männern* positiv bewertet. Männer sind stattlich, nicht fett, haben ordentlich gearbeitet, nicht sich nur zu wenig geschminkt, sind selbstbewusst laut, nicht hysterisch, die ersten drei Hemdknöpfe sind offen, weil er leger ist, nicht weil er nur mit Reizen überzeugen kann, da die Inhalte fehlen.

In nahezu jedem Magazin, insbesondere in jenen, die vermeintlich für Frauen* gedacht sind, finden sich immer neue Diäten, dazu Bilder von Frauen*, die es geschafft haben, nun schön und schlank und damit auch erfolgreich und gesund zu sein. Jetzt geht alles spielend leicht, was sie sich schon immer gewünscht haben. Daneben Bilder von anderen Frauen, gerne auch Stars, die suggerieren sollen: so willst du nicht aussehn. So siehst du aus, wenn du gescheitert bist. Dellen, Cellulite, eine hängende Brust, ein vorstehender (Ansatz eines) Bauches, Pickel, etc. 

Es sind nackte Frauen*, mit denen geworben wird, Frauen*, die sexualisierte Gewalt erleben, Frauen*, die kaum an Spitzenpositionen zu finden sind, und Frauen*, die (oft trotz hoher Positionen in der Lohnarbeit) den Haushalt und Kindererziehung managen - und Männer* sind die Profiteure. Ich weise an der Stelle darauf hin, dass ich auf struktureller Ebene schreibe, nicht auf individueller. Wenn ein Mann* einkaufen geht, sich um Kinder kümmert, den Haushalt macht oder als Sekretär für eine Frau* arbeitet, verändert das nichts an der Norm. Wer fragt schon einen männlichen* Politiker, wie er Kind und und Job unter einen Hut bekommt?

Männer*, die hier aufschreien, haben zu recht Angst ihre Macht und damit Privilegien, auf die alles gestützt ist, abzugeben. Das würde auf lange Sicht Gleichberechtigung bedeuten und das ist nicht der Plan.

Feminismus heisst für mich auch Solidarität unter Frauen*. Alteingesessene erzpatriarchale Strukturen könn(t)en aufgebrochen, Frauen* empowert, und heteronormativ geprägte Wertesysteme hinterfragt, Privilegien neu verteilt werden.

Nur so würde Gleichberechtigung funktionieren.