Ich habe lange nicht verstanden, wer ich bin und wie mein Körper tickt. In dem Alter von 16–18 Jahren war ich ziemlich unglücklich mit meinem Körper. Ich schaute ständig in den Spiegel und fühlte mich nicht gut genug. Auf Zeitschriften waren dünne Models abgedruckt, meine Freundinnen waren sehr schlank und ich dachte, dies wäre das Nonplusultra: Nur so (dünn) könnte ich mich wohlfühlen und Klamotten tragen, die toll an mir aussehen.

Dazu muss man wissen, ich war zu diesem Zeitpunkt nicht übergewichtig, ich hatte nur schon immer etwas mehr Hüfte und Hintern als die anderen um mich herum.

Die ersten Schritte

Ich entschloss mich also endlich dazu, mich in einem Fitnessstudio anzumelden. Ich probierte die Kurse aus, die dort angeboten wurden, zum Beispiel Zumba. Das war die reinste Vollkatastrophe mit mir. Während die anderen alle fleißig im Takt waren, bin ich kaum hinterhergekommen. So landete ich letztendlich im Freihantelbereich und fand dort große Freude an dem Ganzen. Ich merkte, wie mein Körper sich nach kurzer Zeit veränderte, und passte irgendwann auch meine Ernährung entsprechend an.

So startete mein Weg zur Bodybuilderin und späterhin Wettkampfathletin in der Figurklasse der Frauen. Durch diesen Sport merkte ich auch, dass es nicht nur Schwarz-Weiß gibt bei den Körpertypen, sondern, dass es die unterschiedlichsten Körperformen auf dieser Welt gibt und dass dies gut so ist!

Der Perfektionismus

Ende 2017, Anfang 2018 realisierte ich endlich, dass ich mich verrannt hatte. War ich wirklich glücklich in und mit meinem Körper, wie er jetzt war? Nein! Leider nicht.

Wir alle möchten gut funktionieren, da spielt natürlich eine ausgewogene und gesunde Ernährung eine große Rolle!

Ich ging 5–7 Mal die Woche zum Training, kochte mein Essen vor und wog jedes einzelne Gramm, das ich aß, ab. Ich war in einen Teufelskreis geraten, wo sich alles 24/7 um das Aussehen und das „perfekte“ Essen drehte. An einigen Tagen wollte ich aus diesen Teufelskreis ausbrechen und endlich das essen, worauf ich längere Zeit schon Lust gehabt, es mir selbst aber untersagt hatte, da es nicht in meinen Trainings- oder Ernährungsplan passte.

Schokolade, Eis, Nudelauflauf, Cookies uvm. Dies stopfte ich dann an einem Tag hemmungslos in mich herein – soviel, dass ich Bauchweh bekam oder mich sogar übergeben musste. Dies ging eine längere Zeit so, bis ich realisierte, dass ich auch das so nicht mehr wollte. Ich wollte mich nicht ständig selbst unter Druck setzen und mich schlecht fühlen, tagein und tagaus. Ich musste etwas verändern und das tat ich also Ende 2017, Anfang 2018.

Die Akzeptanz

Mein Körper fing an, sich zu verändern. Ich nahm hier und da wieder etwas zu, mein Körper wurde immer weiblicher und bekam seine Kurven (zurück). Nicht nur körperlich veränderte sich einiges, sondern ebenso mental. Anfangs war es nicht leicht, loszulassen. Je mehr Abstand ich aber zu dem Ganzen bekam, umso besser ging es mir. Ich musste mich nicht mehr zu irgendwas zwingen und hatte auch nicht ständig den Drang, auf die Waage zu gehen, 5–7 Mal wie eine Irre zum Sport zu rennen, und musste mein Essen auch nicht mehr abwiegen und aufschreiben, wie viele Kalorien es enthielt.

Ich fing an, meinen Körper zu verstehen und zu akzeptieren. Wir arbeiteten ab jetzt Hand in Hand. Nach einiger Zeit kam dann auch meine Menstruation wieder, die für anderthalb Jahre ausgesetzt hatte aufgrunddessen, was ich meinem Körper in diesem Zeitraum angetan habe.

Du kannst dein ganz eigenes Schönheitsideal sein!

Durch diese Erfahrungen, die ich gemacht habe, weiß ich meinen Körper, so wie er ist, zu schätzen! Ich weiß, was ich für „etwas weniger hier und da“ oder „etwas mehr Muskeln“ aufgeben und wie sehr ich mich selbst unter Druck setzen müsste und das möchte ich nicht mehr.

Mein Körper ist wirklich toll so, wie er von der Natur vorgesehen ist, und das durfte ich jetzt endlich verstehen lernen! Ich möchte jedem anderen da draußen dies nur mit an die Hand geben: Versuche nicht, einem Schönheitsideal hinterherzueifern, was du so gar nicht erfüllen kannst. Du kannst dein ganz eigenes Schönheitsideal sein!

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