Wie haben Sie sich kennen- und liebengelernt?

M: Wir sind uns im beruflichen Umfeld begegnet, haben uns danach virtuell und privat weiter kennengelernt und leben nun schon seit mittlerweile drei Jahren zusammen.

Seit wann besteht ein Kinderwunsch?

M: Seit ca. 1,5 Jahren ist uns klar, dass wir uns ein Kind wünschen. Nathalie hegte den Wunsch schon lange, aber in unserer Partnerschaft wurde es erst aktuell, als wir uns zu unserer gemeinsamen Perspektive unterhalten haben. Wir wollen uns eine Familie sein und werden deshalb auch heiraten bzw. eine eheähnliche Lebensgemeinschaft eintragen lassen, damit wir alle denselben Namen tragen.

Was bedeutet Familie für Sie?

N: Zusammenhalt, Wärme, Zuneigung, Nähe, sich gegenseitig zu helfen und stützen, Liebe und Halt.
M: Und dazu gehören eben auch Kinder. Wir haben soviel Liebe übrig und möchten eine kleine, eigene Familie werden.

Haben Sie dafür auch an Adoption gedacht?

N: Zu Beginn war Adoption auf jeden Fall ein Thema. Da aber auf ein Kind unglaublich viele Bewerber kommen, ist die Konkurrenz sehr stark und heterosexuelle Paare werden zudem immer bevorzugt.

Stand Ihr Kinderwunsch jemals in Konflikt mit Ihrer Homosexualität?

N: Natürlich. Mein Coming out war sehr viel früher als mein Gedanke an Kinder. Trotzdem stieg dann auch dieses warme, sehnsüchtige Gefühl, Mutter sein zu wollen, in mir auf.

Marietta ist mehrfache Tante und wir lieben den Umgang mit Kindern. So haben wir das Zutrauen, auch mit unserer Homosexualität eigene Kinder haben zu können. Wir wurden von unserem Umfeld allerdings sehr deutlich gewarnt. Es brauchte eine lange Zeit des Abwägens, der Gespräche und der Recherche, bis wir einen Weg sahen, uns den Wunsch nach einem Kind zu verwirklichen.

Welche von Ihnen wird die Schwangerschaft erleben und auf welche Weise soll sie entstehen?

N: Ich würde gern so eine kleine Nathalie durch die Welt flitzen sehen und möchte die Veränderungen des Körpers durch eine Schwangerschaft spüren. Bei Marietta ist dieses Bedürfnis nicht so groß, deswegen werde ich das Kind austragen. Wir haben uns für den natürlichsten Weg entschieden, die Empfängnis nachzuahmen: die Insemination. Dabei bleibt der Samenspender für uns anonym, damit wir dem Kind nicht einen Vater verheimlichen müssen. Es gibt nur ein Kinderfoto und einige Eckdaten von ihm.
M: Wir wollen vermeiden, dass das Kind dann irgendwann seinen Vater aufsucht und Verletzung oder Enttäuschung erlebt; man versucht doch, sein Kind bestmöglich zu schützen.

Wo können Sie den Eingriff vornehmen lassen?

M: Da künstliche Befruchtung für ein homosexuelles Paar bis vor Kurzem in Österreich noch nicht erlaubt war, haben wir uns im Ausland informiert, waren z.B. mit Kinderwunschkliniken in  Barcelona und München ganz positiv in Kontakt. Das Risiko ist dabei aber der Stressfaktor durch das Reisen, der eine Empfängnis beeinträchtigen kann. Dieser Vorgang ist aus ökonomischen und gesundheitlichen Gründen ja nicht beliebig oft wiederholbar.

Ein neues Gesetz legitimiert Samenspenden für lesbische Paare nun auch in Österreich, zudem dürfen Embryonen hiernach vor der Implantation untersucht werden - was halten Sie davon?

N: Ja, zum Glück gibt es diese Gesetzesänderung. Wir haben auch gleich in der Kinderwunschklinik Bregenz vorgesprochen, das liegt in unserer Nähe. Aber bis die Neuregelung in die Praxis umgesetzt wird, dauert es noch mindestens bis April. Präimplantationsuntersuchungen würde ich allerdings ablehnen, weil ich dem natürlichen Verlauf einer Schwangerschaft so wenig wie möglich im Weg stehen will.

Aber ich respektiere, wenn es andere anders handhaben, sie haben dafür Gründe. Ich möchte als Homosexuelle toleriert werden, deswegen toleriere ich auch die Entscheidung und Meinung von Anderen.



Der Verein "Famos" ist eine Anlaufstelle für Regenbogenfamilien & gleichgeschlechtlich empfindende Menschen.
https://www.regenbogenfamilien.at