Dr. Georg Ludvik
Facharzt für Urologie und Andrologie, Vize-Präsident Berufsverband der Österreichischen Urologen

Welche Fragen stellen kinderlose Paare in Ihrer Praxis am häufigsten? Was sind Motivationen für den Kinderwunsch kinderloser Paare? 

Meistens kommen Paare zu mir, wenn längere Zeit keine Schwangerschaft bei ungeschütztem Verkehr eintritt. Oft sind es ältere Paare, die ihre Fertilität untersuchen lassen wollen. Begonnen wird damit beim Mann, weil die Überprüfung der Samenqualität natürlich wesentlich einfacher ist als die aufwendigen Untersuchungen bei der Frau.

Die häufigsten Fragen, die kinderlose Paare stellen, betreffen die Erfolgsaussichten einer in-vitro-Fertilisation. Wer zu mir kommt, hat einen Kinderwunsch, aber ganz offenbar Schwierigkeiten, diesen zu erfüllen. Wir beschränken uns nicht nur auf reine Laboranalysen und Untersuchungen, sondern analysieren auch gemeinsam mit dem Paar Beziehung und Lebensumstände.

 

Ab wann spricht man von Unfruchtbarkeit? 

Ist innerhalb eines Jahres trotz unverhüteten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten, spricht man von Infertilität. Paare mit Kinderwunsch sorgen sich aber häufig schon sehr viel eher und müssen wissen:

Wenn mit der Pille oder hormonellen Mitteln verhütet wird, sollte man sich prinzipiell ein Jahr Zeit geben, bis sich eine Schwangerschaft einstellen kann, denn es dauert einige Monate, bis das hormonelle Gleichgewicht der Frau wiederhergestellt ist. Selbst nach der Verwendung von Präservativen oder ähnlichen mechanischen Verhütungsmitteln kann es drei bis sechs Monate dauern.

 

Was sind noch weitere Ursachen für eine geringe Fertilität bei Männern?

Zum einen können angeborene genetische Defekte, wie das Klinefelter-Syndrom, wo ein zusätzliches X-Chromosom existiert, eine Befruchtung verhindern. Entzündungen wie Mumps, die nicht selten zu Hodenentzündungen und damit einer Einstellung der Samenproduktion führen, können zu Infertilität führen. Unter anderem deswegen ist das Impfen gegen Kinderkrankheiten so wichtig.

Auch Krampfadern am Hoden, sogenannte Varikozelen, können zu einer Überwärmung des Hodens führen und dadurch die Spermienbildung verhindern. Samenleitermissbildungen, unbehandelte Entzündungen von Hoden und Prostata und natürlich auch unbehandelte Geschlechtskrankheiten können die Zeugungsfähigkeit des Mannes massiv schädigen. Außerdem reduziert Nikotin die Samenqualität um bis zu 20 Prozent. Alkoholismus und hormonelle Beeinflussung durch Medikamente wie Anabolika stören ebenfalls empfindlich die Samenproduktion.

 

Was könnten psychologische oder Umweltfaktoren sein? 

An allererster Stelle der Stress, weil ein gestresster Mensch nicht nur weniger Sex, sondern auch weniger guten Sex hat. Man kann ein Kind nicht im Vorbeigehen zeugen. Die Frau sollte einen Höhepunkt haben, das Ganze sollte harmonisch sein. Ein Kind will ja in einem guten Haus wohnen und in eine Atmosphäre hineingeboren werden, das durch Ausgeglichenheit und entsprechende mentale Einstellung bestimmt wird.

Es kommen immer wieder Paare zu mir, die organisch-biologisch gesund sind und sich durch Druck die Freude am Sex, die Freude aneinander nehmen und dadurch auch der Kinderwunsch keine Erfüllung findet. Kinderwunsch darf nicht zum zentralen Objekt des Geschlechtsverkehrs werden, die Qualität des Sexes ist mitentscheidend. Druck aufzubauen, beispielsweise während der fruchtbaren Tage zum Sex zu drängen, ist meistens dem Erfolg einer Befruchtung abträglich. 

 

Gibt es angesichts künstlicher Befruchtung überhaupt noch Unfruchtbarkeit? 

Ja natürlich, es gibt Unfruchtbarkeit beispielsweise bei Männern, die durch angeborene Störungen, Entzündungen oder auch aus unerkenntlichen Gründen einfach keine Spermien produzieren. Sobald man aber ein Spermium hat, kann das dann auch in eine Eizelle eingebracht werden.