Die „medizinisch unterstützte Fortpflanzung“ umfasst alle jene Methoden und Therapien, die eine Schwangerschaft ohne Geschlechtsverkehr herbeiführen können. In Anspruch genommen werden können die Verfahren von allen Paaren, die in einer Ehe, eingetragenen Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft leben. Das beinhaltet auch lesbische Paare. Singles können, anders als etwa in Dänemark, die Behandlungen nicht erhalten.

Keine Schwangerschaft in Sicht

Fruchtbarkeitsstörungen betreffen etwa zu gleichen Teilen Männer und Frauen, in selteneren Fällen treten diese bei Partner und Partnerin gleichzeitig auf. Bei Männern überwiegen Störungen der Spermienreifung und des Spermientransports. Bei Frauen sorgen vor allem hormonelle Störungen und verengte Eileiter für Probleme.

Eine Kinderwunschbehandlung beginnt mit der Diagnostik im Sinne der Beobachtung des Zyklus und einer endokrinologischen Abklärung. Ein Hauptaugenmerk der Behandlung liegt in einer Adjustierung und Unterstützung des Zyklus mittel Hormontherapie.

Der Natur auf die Sprünge helfen

Ist eine Befruchtung auf herkömmlichen Wege dann noch immer nicht möglich, kann diese auch im Reagenzglas erfolgen: Daher der Name: In-Vitro-Fertilisation (IVF). Sind Eizellen prinzipiell fortpflanzungsfähig, werden diese mittels hormoneller Stimulation herangereift und aus den Eierstöcken entnommen.

Finden sich im Ejakulat des Mannes keine Spermien, können diese aus Hoden und Nebenhoden entnommen werden. Im Reagenzglas werden sie mit dem Samen des Partners vermischt. Die Samen können auch direkt in die Eizelle eingebracht werden, um die Befruchtung zu unterstützen. Befruchtete, entwicklungsfähige Zellen werden dann in die Gebärmutter eingesetzt.

Rechtliche Regelungen

Nach Möglichkeit werden bei fortpflanzungsmedizinischen Maßnahmen Samen- und Eizellen des in Behandlung befindlichen Paares verwendet. Ist der Samen des Partners nicht fortpflanzungsfähig, ist es gesetzlich erlaubt auf Spendersamen zurückzugreifen.

Das gilt auch für lesbische Paare. Ähnlich verhält es sich bei einer Eizellspende: Diese ist nur dann gestattet, wenn die Eizellen der Frau, die das Kind austragen wird, nicht zur Fortpflanzung geeignet sind. Sie darf dafür nicht älter als 45 Jahre sein.

Gewissenhafte Expertise

Nur speziell ausgebildete ÄrztInnen dürfen eine künstliche Befruchtung in dafür zugelassenen Krankenanstalten durchführen. Um einen Kostenersatz beantragen zu können, muss das behandelnde Institut überdies einen Vertrag mit dem IVF-Fond geschlossen haben.

Dieser unterstützt Paare mit Kinderwunsch durch die Übernahme von 70 Prozent der Behandlungskosten, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Der verbleibende Selbstbehalt beträgt im Regelfall etwa 900 Euro. Mittlerweile gibt es viele auf Fortpflanzungsmedizin spezialisierte Institute.

Paare profitieren dabei nicht nur vom Know-how und oft jahrelanger Erfahrung, sondern der lokalen und zeitlichen Bündelung von Diagnose- und Therapieangeboten, die in vielen Fällen eine rasche Umsetzung des Kinderwunsches erlauben.