Jedes achte Paar benötigt mittlerweile ärztliche Hilfe am Weg zum Wunschkind. Das immer reifere Alter der Frau bzw. die zunehmend eingeschränkte Samenqualität bei Männern  sind die Hauptgründe. Durch modernste Methoden der In-vitro-Fertilisation kann jedoch den meisten betroffenen Paaren geholfen werden.  Die Gesetzeslage für künstliche Befruchtung in Österreich ist im Wandel und wird daher in Kürze an die modernen Ansprüche unserer Gesellschaft angepasst.

Seit Jahresbeginn dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare in Österreich im Rahmen einer künstlichen Befruchtung behandelt werden. Weiters wird die Eizellspende sowie die künstliche Befruchtung mit Spendersamen erlaubt. Wie denken Sie darüber?

Ich bin sehr zufrieden mit dieser Entwicklung. Vor allem die Öffnung der Eizellspende und die Erlaubnis, Embryonen vor dem Einsetzen untersuchen zu dürfen, sind Meilensteine  in der Medizin in unserem Land. Ich bin sehr froh, dass  über die politischen Parteien hinweg ein Konsens zu Stande gekommen ist  und  nicht, wie  es früher üblich war, ultrakonservative Kräfte unserem ganzen Land  ihren Willen und ihre Wertvorstellungen aufzwingen konnten.

Bisher konnten wir in Österreich  Frauen, welche das 40. Lebensjahr überschritten hatten, nur sehr  begrenzt helfen. Die Paare sind danach ins Ausland gegangen, um ihren Kinderwunsch mit gespendeten Eizellen zu erfüllen. Wir  konnten nicht sicher sein, mit welchen Methoden und unter welchen medizinischen Standards im Ausland gearbeitet wurde. Nun können wir in unseren Kliniken diese Behandlungsform anbieten – auf medizinisch höchstem Niveau und ohne nennenswerte Wartezeit für unsere Patienten.

Gibt es Unterschiede bei der Behandlung lesbischer gegenüber heterosexueller Frauen?

Als Arzt bin ich dem Leben verpflichtet. Wenn mich ein lesbisches Pärchen bittet, ihnen am Weg zum gemeinsamen Kind zu helfen, dann mache  ich das mit großer Begeisterung.  Es ist nicht meine Aufgabe, über Neigungen anderer Menschen zu urteilen.

Künftig ist die Befruchtung von Eizellen mit Spendersamen möglich. Welche Vorteile bringt das?

Bisher konnte man Spendersamen nur in Form der Insemination in die Gebärmutter der Patientin einbringen. Das hatte eine sehr niedrige Schwangerschaftsrate zur Folge. Endlich dürfen wir im Labor befruchten, die Erfolgsrate verfünffacht sich dadurch.

Die Präimplantationsdiagnostik (Anm.: PID = genetische Untersuchung des Embryos) sorgt für heiße Diskussionen. Wie sehen Sie das?

Die PID erspart vielen Risikopatientinnen die „Schwangerschaft auf Probe“. Derzeit darf die Mutter bei Vorliegen einer Krankheit oder Behinderung des ungeborenen Babys die Schwangerschaft bis kurz vor der Geburt abbrechen. Mittels PID kann bereits am  Embryo,  in der Petrischale, eine Erkrankung erkannt werden. Schwerkranke Embryonen werden wir  nicht transferieren.

Wird sich die breite Masse diese Behandlungsmethoden leisten können?

Die Kosten für die gut wirksamen Medikamente, wie z.B. Menopur, werden in den meisten Fällen zu 70 Prozent vom IVF-Fonds übernommen. Sinn  des Fonds  ist es, die künstliche Befruchtung  nicht in eine Zwei-Klassen-Medizin münden zu lassen, in welcher sich nur die besserverdienenden Personen es sich leisten können,  Kinder zu bekommen. Auch lesbische Paare werden bereits jetzt vom Staat  finanziell unterstützt. Bei Eizellspende und IVF mit Spendersamen wird ab April/Mai 2015 mit einer Zuzahlung gerechnet. Alles in allem eine höchst erfreuliche Entwicklung in Österreich.