Aus welchen Gründen können Paare keine Kinder bekommen?

Im Vordergrund stehen hier Faktoren, die die Eileiter betreffen, das Krankheitsbild der Endometriose, Hormonstörungen der Frau und die männliche Infertilität.

Also sind es immer physische Ursachen?

Nein, auch psychische Gründe können als zusätzlicher oder alleiniger Faktor eine große Rolle spielen. Findet man im Rahmen der Abklärung keine kausalen organischen oder funktionellen Parameter (sog. idiopathische Sterilität) ist oftmals (z.B. bei partnerschaftlichen  Problemen) eine professionelle psychologische Begleitung hilfreich.

Gibt's bestimmte Risikogruppen für einen unerfüllten Kinderwunsch?

In den letzten Jahren wenden sich Frauen erst im reiferen Alter dem Thema Kinderwunsch zu. Die Gründe hierfür sind vielschichtig (Karriere, „richtiger“ Partner, Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit mit kontrazeptiven Maßnahmen selbst zu steuern, finanzielle Sicherheit). Das Durchschnittsalter der erstgebärenden Frauen liegt mittlerweile bei knapp dreißig Jahren.

Hierbei muss bedacht werden, dass, etwa ab dem 35. Lebensjahr, die Fruchtbarkeit der Frau deutlich abnimmt. Bei Frauen über 40 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Schwangerschaft weniger als 5 Prozent! Dies ist auf eine „genetische Vulnerabilität“ überalterter Eizellen zurückzuführen, da alle in den Eierstöcken verfügbaren Eizellen schon von Geburt an vorhanden sind.

Dieser Umstand erklärt die ab diesem Alter sinkenden  Schwangerschaftsraten, eine ansteigende Fehlgeburtenquote und eine höhere Zahl an chromosomalen Fehlbildungen des Fetus.

Welche Möglichkeiten bietet heute eigentlich die Reproduktionsmedizin?

Unerlässlich ist eine umfassende Abklärung mit gynäkologischem Befund, Ultraschall des Beckens, bakteriologischem Abstrich aus der Scheide, Hormonstatus (inklusive Funktion der Schilddrüse), die Kontrolle des Samenbefundes sowie die Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit. Liegen alle Befunde vor, wird in einem ausführlichen Beratungsgespräch, gemeinsam mit dem Kinderwunschpaar, ein individuelles Therapiekonzept erstellt.   

Wie sieht so eine Behandlung aus?

Erste Maßnahme ist der Ausschluss negativer „Life Style“ Faktoren. Das Rauchen sollte eingestellt werden, übermäßiger Alkoholgenuss sollte vermieden werden. Eine Reduktion von Stressfaktoren erscheint sinnvoll. Bei adipösen Frauen konnte belegt werden, dass eine Gewichtsabnahme von oft nur wenigen Kilogramm zu einem signifikanten Anstieg der Schwangerschaftsrate führt.

Ein ausbleibender Eisprung und/oder insuffiziente Gelbkörperphase, wird gern medikamentös behandelt. Bei Frauen mit vernarbten Eileitern, aber auch mit Endometriose kann eine Operation zielführend sein. Vielfach ist jedoch in derartigen Fällen die In-vitro-Fertilisierung, bei der die durch Punktion gewonnenen Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet und anschließend in die Gebärmutterhöhle eingesetzt werden, erfolgversprechend.

Liegt ein sogenannter „male  factor“ vor, kann eine Insemination, also das Einbringen eines kleinen Volumens einer aufbereiteten Samenprobe in die Gebärmutter versucht werden. In Fällen von schwerer männlicher Sterilität hat sich in den letzten Jahren ebenfalls die IVF als Behandlungsmethode der Wahl etabliert. Hierbei werden unter dem Mikroskop vitale Samenfäden direkt in das Zytoplasma der Eizellen injiziert („ICSI“, Intrazytoplasmatische Spermieninjektion), um Befruchtungen zu erzielen.

Mit Inkrafttreten des Fortpflanzungsmedizin-Änderungsgesetzes 2015 kann auch in Österreich lesbischen Paaren mit Kinderwunsch eine Spendersamenprobe angeboten werden. Ebenso ist unter speziellen Vorbedingungen, als Pendant zur Samenspende, die Eizellspende und, als Pendant zur Pränataldiagnostik, die sogenannte Präimplantationsdiagnostik möglich. Dabei werden Embryonen vor deren Transfer in die Gebärmutterhöhle genetisch untersucht.