300 Lehr- und über 2.000 Studienberufe können unsere Kinder hierzulande ergreifen. Doch die Vielzahl und die Vielfalt der Möglichkeiten bei der Berufswahl tun sich ihnen oft erst auf, wenn sie ins Teenie-Alter kommen. Vorher stehen Tierärztin, Raumfahrer, Primaballerina, Rettungsfahrer und Fußballer auf der Wunschliste ganz oben. Die Kinderzimmer zeugen von den Berufswünschen der Kleinen: Arztkoffer, Fußball, Plüschtiere und Rettungsfahrzeuge aller Art gehören zu den meistbespielten Lieblingen der Kleinen.

Ich werd' Rettungsfahrer!

Das sagt Johann*. Auf die Frage nach dem Warum antwortet der Dreijährige: „Ein Rettungsfahrer hilft Verletzten. Er fährt einen Rettungswagen mit Blaulicht und Tatütata. Ganz schnell darf er fahren. Auch bei Rot – aber nur zum Einsatz.“ Dann erzählt Johann, dass er zuhause eine Feuerwehrwache habe und viele Rettungsfahrzeuge. Damit spiele er am allerliebsten.

Ich werde Apothekerin!

Diese Antwort gibt Luna*. Die Achtjährige liebe Kräuter und alles, was sie daraus machen könne: „Tee, Pesto, Lippenbalsam.“ Luna möchte Menschen heilen, aber nicht als Ärztin. Es würde sie zu traurig machen, wenn sie einem Kranken mal nicht helfen könnte. Und dann käme sie traurig nach Hause zu ihrer Familie: „Das wäre doch schade“, sagt sie.

Ich werde Informatiker!

Diesen Berufswunsch nennt Richard* (11). Er wolle unbedingt etwas mit Computern machen und wisse, dass er damit gutes Geld verdienen könne.

Ich werde Lehrerin und Schriftstellerin!

Liv* ist mit 13 Jahren der Phase „Wachstum“ – so nennen Laufbahnforscher in der Berufswunschentwicklung die ersten 14 Lebensjahre – fast schon entwachsen. Sie probiere erste Schritte als Trainerin im Judo aus und besuche Kurse zum kreativen Schreiben. „Ich liebe es, Geschichten zu erzählen“, sagt Liv.

 

„Wie reagieren Sie auf die Berufswünsche Ihrer Kinder?“ – Das haben wir die Eltern von Johann, Luna, Richard und Liv gefragt:

Laufbahnforscher schreiben der Familie in der Wachstumsphase des Berufswunsches (0 bis 14 Jahre) großen Einfluss zu. Elterliches Berufsleben und mitgelebter Lifestyle prägen den Berufswunsch der Kinder demnach ebenso wie ihre Interessen und Fähigkeiten.

„Johann ist zur Zeit Feuerwehrmann“, sagt seine Mutter Lena*. „Davor war er Rennfahrer. Und wer weiß, wer er morgen ist …“ Nachdenklicher fügt sie hinzu: „Wir haben einen Feuerwehrmann in der Familie. Wenn er vom Job erzählt … Da sind auch Erlebnisse dabei, die ich Johann nicht wünsche. Aber wir können froh über jeden sein, der sich für einen Rettungsberuf entscheidet, oder?“

Die Eltern von Luna berichten, dass es ihnen schon fast unheimlich sei, dass Luna ihren Berufswunsch Apothekerin schon seit Jahren hege. Aber Luna beharre darauf und überrede sie zu immer neuen Kräuter-Erlebnissen, erklärt Lunas Vater Carl*. „Wir sind froh über ihre Kräuterliebe, die ist sicher ererbt“, ergänzt Jenny*, Lunas Mutter.

Richards Vater Peer* ist selbst Informatiker: „Informatiker zu sein, heißt, sich immer wieder auf Neues einzulassen – Techniken und Technik, die wir heute angesichts der rasanten Entwicklung nur erahnen können“. Richards Mutter Julia* formuliert die Sorge und Hoffnung der Eltern: „Eine Karriere vor dem PC kann auch einsam sein. Aber vielleicht sitzt ein Informatiker künftig ja gar nicht mehr allein vor einem Bildschirm …“

Livs Eltern unterstützen den Berufswunsch Lehrerin ihrer Tochter: „Wir verschaffen ihr Lesestoff und Gelegenheiten zum Schreiben. Liv hat mir kürzlich zum ersten Mal bei einem Artikel zur Seite gestanden“, sagt Nelly*, Journalistin. Livs Vater Oliver* war selbst lange Leistungssportler. Er begleite Liv zu ihren Trainings und Wettkämpfen, weil Sport ein wichtiger und wirksamer Ausgleich fürs Lernen sei: „Ich darf aber nie zuschauen, das möchte Liv nicht!“

* Namen wurden geändert, die richtigen Namen liegen der Redaktion vor.