Meine Kinder (10, 8, 6 und 1,5 Jahre alt) spielen mit dem, was sie vorfinden: einen Teddy aus dem Spielzeugladen oder eine leere Klopapierrolle. Hauptsache spielen, oder? Kinder lernen spielend. Spielzeuge werden ihnen zum Lehrstück fürs Leben – und sind bessere Lehrmeister als ein Fernseher, dessen Programm nur konsumiert werden kann.

Wir geben dem Kind Spielzeug in die Hand oder spielen ein Gesellschaftsspiel mit ihm gemeinsam. So lernt es im vertrauten Rahmen der Familie Spielregeln kennen – und Konsequenzen, die ein Durchbrechen derselben bringt. Das fördert den familiären Zusammenhalt ebenso wie die Fähigkeiten des Kindes, einen Platz in der Gemeinschaft (später auch außerhalb der Familie) zu finden und zu behaupten.

Spielzeug ist nicht gleich Zeug zum Spielen

Spielzeug ist vorgedacht und -gefertigt. Von Erwachsenen, die Erfahrungen und Wissen ums kindliche Spiel in jedes neue Spielzeug einbringen. 295 Millionen Euro verbuchte der Spielwarenhandel in Österreich 2014, Tendenz laut Auskunft der Wirtschaftskammer Österreich leicht steigend. Zeug zum Spielen ist etwas anderes: Kinder suchen es selbst, unabhängig davon, was wir Großen ihnen vorgeben. Auf der Suche nach Beschäftigung geht das Kind eigene Wege und hinterlässt eigene Spuren. Es sucht und findet Zeug zum Spielen und entwickelt Spielideen dazu – oder es hat eine Spielidee und sucht nach dem dazu passenden Zeug. Das passt schon, wenn es die Erlebniswelt des Kindes nur symbolisiert: Ein Stock wird zum Löffel, ein Eimer der Topf. Beobachtung und Erfahrung erweitern spielerisch die eigene Welt. Spielregeln werden improvisiert.

Mein guter Rat für Eltern: Um den Entdeckungsdrang meines Kleinkindes zu fördern, ohne dass es Schaden nimmt, habe ich inzwischen verschiedene erreichbare Schubladen in Küche, Bad und anderswo, in denen ich ungefährliches Zeug sammle, mit dem es sich gut spielen lässt. Die Größeren wissen längst, wo unser Zeug ist und suchen es erstaunlich zielstrebig zusammen, um eine Spielidee in die Tat umzusetzen. Mein Kleider- und Schuhschrank ist eine wahre Fundgrube dafür.

Spielzeug ist nicht gleich Spielzeug

Mit einer Oma im Spielzeugladen haben meine Kinder die Chance, Spielzeug zu testen, bevor es gekauft wird. Die hat nicht jeder. Doch auch bei Freunden kann man andere Spielzeuge entdecken und sogar borgen, um sie auszuprobieren. Während meine Kinder mit Recht den Spaß in den Vordergrund rücken, den ein Spielzeug bereiten soll, achte ich beim Kauf darauf, dass das Spielzeug kindgerecht, sicher, stabil, langlebig (vererbbar oder wiederverkäuflich), ökologisch und möglichst regional ist. Die wegen der gewünschten Qualität meist höheren Preise – im Vergleich zu minderwertigem Spielzeug aus China & Co. – nehme ich dafür gerne in Kauf.

Mein guter Rat für Eltern: Kinder haben viele Wünsche. Manche sind schnell vergessen, andere beständig. Um herauszufinden, was ein Herzenswunsch ist, führen meine Kinder Wunschlisten. Darauf landen alle Wünsche der Kinder. Immer wieder mal wird ergänzt, gestrichen und umsortiert. Stand ein Wunsch lange ganz oben, wird er von mir bei Gelegenheit gerne erfüllt.

Ist weniger Spielzeug mehr?

Angesichts des Raums, den ein Spielzeug in der Wohnung einnimmt, komme ich bei vier Kindern mittlerweile an Grenzen. Damit der Spielzeugberg im Kinderzimmer nicht zu groß wird, verschenken sie ausrangiertes Spielzeug. Doch im Erleben der Geschwister sehe ich, dass weniger nicht immer mehr ist. Manches Spielzeug braucht ein Kind einfach. Denn nur so lernt es, etwas zu besitzen, meins und nicht meins zu teilen. Sicher kämen meine Kinder mit weniger Spielsachen aus. Doch ich erfülle gerne Wünsche, belohne oder tröste mit Spielzeug (statt mit Süßigkeiten).

Mein guter Rat für Eltern: Spielzeug, das lange unbeachtet blieb, packe ich weg. Taucht es wieder auf, wirkt es wie neu – und wird entsprechend bespielt. Andernfalls kommt es in die „Zu verschenken“-Kiste. Aber: Auf Geburtstage und die üblichen Geschenkeanhäufungen trifft „Weniger ist mehr“ zu: Viele Geschenke überfordern Kinder schnell: Je kleiner sie sind, desto mehr. Sie schenken dem einzelnen Geschenk dann (zu) wenig Aufmerksamkeit. Das schmälert die Freude – des Beschenkten wie des Schenkenden. Drum schenken wir nur drei Geschenke in Absprache mit allen Schenkenden.

Welches Spielzeug braucht ein Kind?

Ich empfehle für drinnen: Kuschelzeug, Puppen, Verkleidung, Mal- und Bastelsachen, Bausteine und Konstruktionsmaterial, Musikmacher, PC-Spiele/ Konsolen und Bücher. Für draußen: Ball, Schaukel, Klettergerüst, Springseil, Trampolin, Sandkasten, Sand- und Gartenspielzeug, Fotoapparat und Fortbewegungsmittel wie Laufrad, Roller und Fahrrad.

Mein guter Rat für Eltern: Ich habe meinen Kindern viele Outdoor-Spielzeuge gekauft. Meinen Großstadtkindern ersetzen sie Wald, Feld und Flur. Die Sammlung hat den Vorteil, dass sie sich herumspricht, Nachbarskinder und Freunde anlockt und so viele Kinder im Spiel verbindet.