Dr. Markus Dawid
Vorstand Dermatologie, Kaiser Franz Josef Spital / SMZ Süd

Wie wehrt sich denn unsere Haut gegen äußere Einflüsse?

Es gibt vier Eigenschutzmechanismen der Haut: Mechanismus Nummer eins ist das Melanin, ein Pigment, das wie ein Absorptionsfilter wirkt. Es fängt die elektromagnetische Welle der UV-Strahlung auf, wandelt sie in Wärme um und ist unser stärkstes Filtersystem. Als zweites haben wir Urocaninsäure, einen Bestandteil von Schweiß, der ebenfalls ein bisschen UVB-Strahlung filtert. Dann gibt es den Mechanismus der Lichtschwielen – eine Verdickung unserer Hornhaut als Reaktion auf UV-Strahlung innerhalb von 7 bis 10 Tagen.

Sie bewirken eine verstärkte Absorption der UV-Strahlung und verhindern damit die Schädigung der tieferliegenden Vitalzellen. Unser bester Mechanismus ist aber der Eigenschutzreparaturmechanismus: geschädigte Zellen oder DNA-Teile können in der Nacht zum Teil ausgetauscht und repariert werden.

 

Was unterscheidet Kinderhaut von der Erwachsener?

Kinderhaut ist noch im Wachstum, daher sind von diesen vier Eigenschutzmechanismen die Lichtschwielen und die Urocaninsäure beim Kleinkind noch nicht genügend ausgebildet und die Kinderhaut ist gegenüber UV-Strahlung deutlich empfindlicher. Zudem darf nie vergessen werden, dass jede Zelle ein Gedächtnis hat. In den Mitochondrien, dem Kernkraftwerk der Zellen, wird wie alles gespeichert, was je an UV-Strahlung in den Zellen angekommen ist. Überdosen dieser Strahlung, sprich: Sonnenbrand, schädigen Strukturen, die dann im reiferen Alter sonneninduzierten Hautveränderungen führen können. Dabei ist Hautalterung das geringste Problem – weißer Hautkrebs und Tumorbildung sind nur einige der viel übleren möglichen Folgen.

 

Welchen Schutz braucht Kinderhaut?

Prinzipiell braucht es einen vernünftigen Umgang mit Sonne und Sonnenschutzcremes, natürliche Kleidung bzw. sogenannte UV-Kleidung und Kappen mit einen Nackenschutz. Alle Körperteile, die nicht von Kleidung bedeckt sind, benötigen schon im Säuglingsalter einen Sonnenschutz. Auch wenn auf Verpackungen von Sonnencremes „getestet ab 2 Jahren“ zu lesen ist, sind sie auch für Säuglinge zu verwenden. Nur wurden sie aus humanethischen Gründen nicht an Säuglingen erforscht und erprobt. Wichtig ist, dass diese Cremes abends immer wieder abgewaschen werden.

 

Worauf ist bei der Auswahl von Sonnencremes zu achten?

Ein Kind vor der Pubertät hat eine trockenere Haut, deswegen werden Sonnencremes für Kinder oft reichhaltiger, niemals ölfrei sein. Außerdem wird versucht, so wenig wie möglich Farbstoffe, Konservierungsstoffe und stattdessen hochwertige, sogenannte „Green Ingredients“ zu verwenden. Aerosole sind z.B. so gut luftdicht geschlossen, dass man keine Konservierungsstoffe braucht. Ebenso wichtig ist, dass Sonnencremes fotostabil sind, das heißt, dass sie gut „picken“ und von der ersten bis zur letzten Minute des Auftragens funktionieren. Außerdem sollen sie nicht nur im UV-B-Bereich schützen, sondern für die Dauer des Aufenthaltes in der Sonne auch UV-A-Strahlen filtern können. Der UV-A-Strahl ist nicht sofort spürbar, kann aber Allergien auslösen – 75 Prozent aller lichtinduzierten allergischen Reaktionen werden vom UV-A-Strahl getriggert.


Von COLIPA, dem Dachverband der europäischen Kosmetik-Industrie,  wird mittlerweile ein Verhältnis UV-A/UV-B-Schutz von 1:3 vorgegeben. Der häufig groß deklarierte Sonnenschutzfaktor bezieht sich jedoch meist nur auf den UV-B-Bereich. Ist dieser beispielsweise mit 50 angegeben, wird theoretisch der Eigenschutz 50 Mal verlängert. Zu empfehlen sind maximal 60 Prozent dieser Gesamtzeit in der Sonne, denn die Creme wird möglicherweise nicht regelmäßig bzw. dick genug aufgetragen oder durch Wasser und Schweiß, Abrieb oder Talgproduktion geschwächt.

 

Was tun bei erkrankter junger Haut?

Bei Kleinkindern und Kindern tritt oft Neurodermitis, auch atopische Dermatitis, auf – die Haut reagiert überempfindlich auf Umwelteinflüsse und entwickelt Flechten und Ekzeme. Verwendet müssen hier Sonnenschutzprodukte für noch empfindlichere Haut mit nur den nötigsten Inhaltsstoffen und beruhigenden Ingredenzien aus Thermalwasser beispielsweise, damit der  hauteigene Sonnenfilter aufgebaut werden kann. Überdies wirken selenhaltige Mineralkomplexe antioxidativ, beruhigend und anti-entzündlich.

Bei Heranwachsenden dagegen ist durch pubertäre Hormonwechselschwankungen Akne das häufigste Hautproblem. Herkömmliche Empfehlungen, Akne gerade mit Sonne zu begegnen, treffen nur insofern zu, dass der Heilprozess der Entzündungen in Gang gebracht bzw. beschleunigt werden kann. Außerdem täuscht eine gebräunte Haut über rötliche Verfärbungen der Haut hinweg. De facto vergrößern sich aber durch die Sonneneinwirkung die Lichtschwielen, die Hornhaut des Pubertierenden verdickt sich und der vermehrt produzierte Talg kann noch schlechter austreten, Pickel und Mitesser vermehren sich. Hier sind also ölfreie, vielleicht mattierende Sonnencremes angebracht.