„Es ist stets das alte Prinzip“, empört sich Primarius Dr. Klaus Vavrik, Vorstand der Liga für Kinder und Jugendgesundheit. „Geld fließt zumeist erst dann, wenn aus körperlich oder seelisch kranken Kindern chronisch kranke Erwachsene geworden sind. Dabei wäre es besser im Vorfeld im Bereich von Prävention Mittel einzusetzen.“ In Österreich herrsche eine Mangelversorgung was Kindergesundheit angehe.

 

Risikofaktoren nehmen zu 

Dabei nehmen die Risikofaktoren für Kinder ständig zu. Lebensstil- erkrankungen wie Bewegungsmangel, Fehlernährung und Haltungsschäden, chronische Entwicklungsstörungen und psychosoziale Regulationsstörungen wie frühe Bindungs und Beziehungsstörungen, denen unter Umständen seelische und körperliche Vernachlässigungen folgen, sind zu beobachten. Die Seele der österreichischen Kinder leidet immer öfter, so nehmen Depressionen, Angststörungen erheblich zu und schon jedes zehnte Kind gilt als hyperaktiv . 

 

Medizinische Mangelversorgung

Dr. Vavrik fährt fort: „In einem reichen Land wie Österreich haben wir eine medizinische Mangelversorgung für unsere Kinder. Eltern treffen auf kaum erschwingliche Selbstbehalte für Ärzte und Therapien und auf überlaufene Ambulatorien Auf einen Ergotherapie- oder Psychotherapieplatz beträgt die durchschnittliche Wartezeit vielerorts derzeit etwa anderthalb Jahre.“

 

Minimale Aufbewahrungssituation

„Die Eltern haben nach wie vor eine Schlüsselfunktion für die gesunde Entwicklung ihrer Kinder,“ meint der Vorstand der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. „Aber wissen Sie wie viele Kinder heute wirklich noch einen Purzelbaum schlagen können. Wir beobachten einen eklatanten Bewegungsmangel bei den Jüngsten. 

Ohne ausreichende Bewegung und ohne gesunde Ernährung verspielen wir nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gesundheit unserer Kinder“, warnt er. Dabei zeigt Dr. Vavrik durchaus Verständnis für die meist überforderten Eltern. Aufgrund vielfachen beruflichen Drucks, sei mit Kindern häufig nur noch ein Notprogramm möglich. Auch in Kindergärten sehe die Situation nicht viel besser aus: zwei Krippen-Betreuer kämen hier durchschnittlich auf 16 bis 18 Kinder, in Deutschland gibt es dafür Maßzahlen von 1:3Die Rahmenbedingungen würden gerade für eine minimale Aufbewahrungssituation ausreichen.

 

Konzentration auf Kindeswohl

„Die Schule kann diese Defizite alleine nicht ausbaden“, erläutert Dr. Vavrik,“ es wird Zeit, dass Eltern und Schule zusammen eine Erziehungspartnerschaft entwickeln.“ Und dann ist Vavrik bei seinem Lieblingsthema: „Die Chancen einer Gesellschaft sowohl auf eine humanitäre wie auf eine wirtschaftliche positive Entwicklung liegt in der guten Gestaltung der Zukunft unserer Kinder. Insofern macht es Sinn, nicht nur aus ethischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht, die gesellschaftliche Entwicklung primär am Kindeswohl auszurichten. 

Allein die Folgekosten aus gesundheitlichen Schäden der Kinder und Jugendlichen von heute , belaufen sich gesundheitsökonomischen Berechnungen zur Folge im Jahre 2030 auf 1,6 Milliarden Euro, zwanzig Jahre später werden sie sich verdoppelt haben.“