Aussprüche wie „Da bleibt mir die Luft weg!“, „Das schnürt mir die Luft ab!“, „Das schlägt mir auf den Magen!“, „Da werden mir die Knie weich!“,„Das lässt mein Herz höher schlagen!“, „Da flattern die Schmetterlinge im Bauch.“, sind deutliche  Botschaften, wie sich seelische (psychische) Vorgänge auf den Körper (Soma) auswirken. Vornehmlich geschieht dies automatisch (unbewusst) und wenig beeinflussbar.

Aspekte und Aufgaben

Der grundsätzlichen Normalität dieser Vorgänge stehen fließende Übergänge in krankheitswertige, körperliche Reaktionen gegenüber. Genau mit diesen körperlichen Äußerungen seelischer bzw. psychischer Befindlichkeit und resultierenden Auswirkungen auf den Alltag befasst sich die Psychosomatik.

Im Unterschied zum klassisch schulmedizinischen Ursache-Wirkungs-Denken (monokausale Erklärungen) nutzt die psychosomatische Medizin ein mehrdimensionales Konzept mit Berücksichtigung der biologischen, psychologischen und sozialen Bedingungen, die die Entstehung und Aufrechterhaltung von Erkrankungen erklären.

Beziehung als zentraler Aspekt

Psychosomatische Medizin betont den zentralen Stellenwert unterstützender Beziehungen (Beziehungsmedizin). Gerade im Kinder- und Jugendalter ist dies von besonderer Bedeutung und eröffnet besondere Perspektiven.
Wer mit der Wiederherstellung und Erhaltung von Gesundheit von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen zu tun hat, hat mit Eltern und Familienstrukturen in all ihrer Vielgestaltigkeit zu tun. Der gesunde Weg ins Erwachsenenalter führt über vertrauensvoll gestaltete, sichernde und gleichzeitig die Unabhängigkeit fördernde Beziehungen.

Studienergebnisse

Das Spektrum der Erkrankungen im Kindes-und Jugendalter hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert und ist unter dem Terminus „Neue Morbiditäten“ bekannt geworden.

Die Ergebnisse der sogenannten BELLAplus-Studie vom 1. August 2009 bis 31. Dezember 2012, Modul des deutschen Kinder- und Jugendsurvey (KiGGS), geben Auskunft zur Entwicklung des seelischen Wohlbefindens und Verhaltens für Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren. Den Ergebnissen zufolge sind bei 11,1 Prozent der Mädchen und bei 15,4 Prozent der Jungen psychische Auffälligkeiten feststellbar.

Welche familiären Faktoren die kindliche Entwicklung unterstützen:

  • Einfühlungsvermögen in kindliche Bedürfnisse und Emotionslagen
  • aktives Zuhören
  • Wertschätzung durch Zuwendung, Wärme, Liebe, positive Rückmeldungen
  • Aufmerksamkeit gegenüber negativen Interaktionen erkennen, stoppen, verändern
  • Persönlichkeit des Kindes anerkennen
  • Unterstützung bei der Entwicklung realistischer Ziele
  • Sicherheit und Zuverlässigkeit gewährleisten
  • Vermittlung der Erfahrung, dass Misserfolge keine Niederlagen sind
  • Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Handelns geben
  • Stärkung sozialer Verantwortung
  • sinnvolle Einbindung in Alltagsaufgaben und Pflichten
  • Modell für effektive Lösung von Schwierigkeiten und Entscheidungen sein
  • erzieherische Grenzsetzung soll die Fähigkeit zur Selbstregulation stärken, nicht den Selbstwert schmälern

Familiären Faktoren, die die kindliche Entwicklung gefährden:

  • negatives Familienklima und inkompetentes Erziehungsverhalten, welches

geprägt ist durch

  • mangelnde Harmonie
  • mangelnde emotionale Wärme
  • unzureichende gegenseitige Akzeptanz in der Familie
  • inkonsistentes Erziehungsverhalten
  • Kindesmissbrauch und Vernachlässigung
  • und das Zusammenwirken dieser Faktoren!

Neurowissenschaften

Die Entwicklungs-und Lernfähigkeit der Kinder und Jugendlichen ist unabdingbar mit der Entwicklung des Gehirns (Neuroplastizität) vor dem Hintergrund einwirkender Belohnungs- und Lernsysteme verbunden. Die Interaktion mit der Umwelt (Familie, Schule, Verein, Peergroup) formt dieses Denken, Fühlen und Handeln.

Positive Erfahrungen optimieren die Hirnfunktionen.

Ärztliche Hilfe sollte  im Fall von Beschwerden/Symptomen, die eine altersentsprechende Bewältigung des Lebensalltages unmöglich machen/verhindern (zB durch Schmerzen- wie Bauch, Kopf-, Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit, Appetitmangel-/verlust , Gewichtsverlust oder Fressatacken andererseits, Rückzug und Interessensverlust, Aggression/Impulsdurchbrüche u.a. )  in Anspruch genommen werden, und „nicht lange“ auf spontane Selbstheilung gewartet werden.