2012 waren 53.226 österreichische Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren ohne Schulabschluss oder Ausbildung. Gleichwohl die Rate der Abbrüche im Vergleich zum Vorjahr sank, sprechen die Zahlen für sich und für ein problematisches Thema. Alfred Weber, Leiter der Stabsabteilung des Bundessozialamts, versucht eine Beschreibung der Lage.

Obwohl die aktuellen Zahlen eine Verbesserung der Drop-Out-Quote bilanzieren, waren 2012 immer noch 7,6 Prozent aller Jugendlichen ohne Schulabschluss oder Ausbildung. Was könnten hierfür die Gründe sein?

Um tatsächlich eine Ausbildung vorzeitig zu beenden, müssen verschiedene Ursachen zum Tragen kommen. Die Lebensumstände eines Jugendlichen spielen genauso eine Rolle wie das soziale Umfeld. Oft kann nicht genügend unterstützt werden, da den Eltern die Zeit, das Geld oder die Kompetenz fehlt. Die lerntechnische Benachteiligung kann hier also schon bei den Eltern ausgemacht werden.

Darüber hinaus fordert unser komplexes Schulsystem schon sehr früh Entscheidungen, die nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern überfordern. Obwohl man nur das Beste für sein Kind will, ziehen falsch gewählte Schultypen oft negative Konsequenzen nach sich.

Welche Jugendlichen sind besonders gefährdet, die Schule frühzeitig zu verlassen?

Jeder Heranwachsende braucht Unterstützung von seinem Umfeld. Ist diese nicht gegeben, kann es zu Problemen und Ausfällen kommen. In Ballungszentren ist der Migrationshintergrund ein wesentlicher Faktor. Auch Beeinträchtigungen seelischer und körperlicher Art spielen eine Rolle sowie noch nicht diagnostizierte psychische Krankheiten oder Suchtprobleme. Prinzipiell könnte aber jeder Jugendliche aufgrund ungünstiger Lebenskombinationen die Ausbildung vorzeitig beenden.

Welche Auswirkungen können Ausbildungsabbrüche auf Jugendliche und deren Zukunft haben?

Die Dunkelziffer der Drop-Out-Fälle ist hoch. Oft scheinen die Jugendlichen zu verschwinden und landen auf der Straße oder bei den Eltern. Die sogenannte Wohlstandsverwahrlosung und finanzielle Unterstützung verhindert, dass sich die Jugendlichen dem Leben stellen. Arbeitslosigkeit, weitere psychische Probleme und ein Abgleiten in soziale Subsysteme sind mögliche Folgen. Diese NEETS (Not in Education, Employment and Training) gilt es in die Gesellschaft zurückzuholen.

Wie kann man dem entgegensteuern?

Schulintern sorgen Frühwarnsysteme und der Förderunterricht dafür, dass Probleme rechtzeitig erkannt und behoben werden. Mithilfe von Außenstellen, wie dem Jugendcoaching, sucht man in weiterer Folge gemeinsam nach Ursachen, die nicht nur in der Schule zu finden sind. Wichtig sind hierbei immer die familiäre Unterstützung und das Herausarbeiten von Perspektiven. Interessen und Stärken werden den Defiziten vorgezogen.

Was könnte man präventiv unternehmen, damit es gar nicht erst zu Abbrüchen kommt?

Prävention sollte schon im Kindergarten stattfinden. Eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Ausbildung und Beruf hilft, die geschlechterspezifischen Berufsgruppen zu öffnen. Dadurch können Frauen technische und Männer soziale Berufe ohne Scham ergreifen.

Was könnte man Jugendlichen für den Einstieg ins Berufsleben raten?

Jeder Heranwachsende sollte sich verschiedene Berufe ansehen und seine Interessen einordnen. Die berufspraktischen Tage sind die ideale Gelegenheit, um persönliche Erfahrungen zu sammeln und eigene Stärken zu erkennen. Denn Arbeit ist nicht nur Gelderwerb, sondern gestaltet das persönliche Leben.