Wie Jamie Olivers Food Revolution nach Österreich kam

Wieder einmal hängt der Duft von Revolution in der Luft. Nur kommt er dieses Mal nicht von den umkämpften Plätzen oder Parlamenten – er stammt direkt aus der Küche. Die „Food Revolution“ – ausgelöst von Starkoch Jamie Oliver – will unsere Koch- und Essgewohnheiten verändern: Gesünder, bewusster und ausgewogener lautet das Motto. Genau dafür setzen sich in Wien auch Marko Ertl, Matthias Kroisz sowie Michaela und Jochen Russmann ein.

Ein Interview mit Matthias Kroisz über Idee, Erfahrungen und Hürden.

 

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Food Revolution“?

Food Revolution ist eine von Jamie Oliver ins Leben gerufene globale Bewegung. Deren Ziel ist es, vor allem Kinder und junge Menschen für gesunde und ausgewogene Ernährung zu begeistern und ein öffentliches Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen. Dies geschieht zum Beispiel mit Hilfe des „Food Revolution Days“ – einem weltweiten Aktionstag, an dem mein Team und ich  im vergangenen Jahr auch teilgenommen haben.

 

Was ist euer persönlicherZugang zur Thematik?

Wir sind weder besondere Ernährungsexperten noch großartige Köche. Wir essen einfach gerne und probieren Neues aus. In die Food Revolution sind wir mehr oder weniger hineingeschlittert. Da ich mit meinem Partner Marko Ertl im vergangen Jahr selbst eine Firma gegründet haben, die mit Essen zu tun hat, haben wir uns intensiv mit der Frage nach gesunder und bewusster Ernährung auseinander gesetzt. Bei einer Veranstaltung in Bratislava haben wir zum ersten Mal von diesem Konzept gehört und waren gleich interessiert.

 

Was waren dann die ersten konkreten Schritte?

Zu Beginn waren wir uns nicht ganz sicher, was wir machen sollten – bis wir erstmals über den Begriff „Disco Salat“ gestolpert sind. Die Idee dahinter kommt aus Deutschland: Die Teilnehmer einer Demonstration wurden mit gesunden Mahlzeiten versorgt, die extra für sie auf einer Art Koch-Party samt DJ und Musik zubereitet wurden. Das Konzept dahinter hat uns so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, einen eigenen Disco Salat – nur für Kinder – zu veranstalten.

 

Warum ist es euch so wichtig, gerade Kinder für gesundes Kochen und richtige Ernährung zu begeistern?

Je früher man damit beginnt, desto besser. Einem Erwachsenen, der sonst nur Schnitzel-Semmel isst, wird unser Konzept eher egal sein. Letztendlich können Kinder den Erwachsenen zeigen, wie leicht es ist, etwas Gesundes zu kochen, das zudem nicht teuer sein muss.

Kinder kann man für gesunde Ernährung begeistern und ihnen klar machen, dass gesundes Essen nicht immer automatisch fad sein muss. Im Gegenteil: Gerade Kindern kann man zeigen, dass Kochen – vor allem auch gesundes Kochen – Spaß macht und cool ist. Wichtig war uns auch, dass Schüler aus den verschiedensten sozialen Schichten an unserer Disco Salat-Aktion teilnehmen. Denn leider ist es ja oftmals so, dass Kinder aus sozial schwächeren Schichten dazu tendieren, sich ungesünder zu ernähren.

 

 

Wie waren die ersten Reaktionen auf den Disco Salat?

Nach dem Event haben wir von vielen Seiten – sowohl von den Schulleitungen, den Eltern als auch und allen voran den Schülern – sehr positive Rückmeldungen bekommen. Gerade die Kinder haben die Aktion super aufgenommen. Einige wollten sogar selbst gleich Koch werden.
Uns hat das gezeigt, dass man mit dem richtigen Umgang und einer lockeren Erziehung Kinder sehr einfach für gesunde Ernährung begeistern kann. Wichtig dabei ist, dass man ihnen Freiraum lässt und sie selbst experimentieren können. Es geht darum, den Spaß am Kochen zu wecken.

 

Ist Österreich bereit für die Food Revolution?

In Österreich ist es extrem schwer, die Menschen für gesunde Ernährung zu begeistern. Viele schauen beim Einkaufen nur auf das Geld – Qualität oder Herkunft des Essens ist oft unwichtig.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, Kinder im Alltag für gesunde Ernährung zu begeistern?

Es ist extrem wichtig, dass das Thema in der Schule thematisiert wird. Dabei würde es ja bereits reichen, einmal in der Woche gemeinsam in lockerer Atmosphäre etwas zu kochen. Ich glaube und hoffe, dass viele Kinder sehr positiv auf diese Erfahrung reagieren und die Einstellung mit nach Hause nehmen würden.

 

Wie sehen eure Pläne für dieses Jahr aus?

Wir führen bereits Gespräche mit möglichen Sponsoren. Im Unterschied zum vergangenen Jahr müssen wir nicht ganz bei Null anfangen. Deswegen sind wir auch sehr zuversichtlich. Heuer ist geplant am Food Revolution Day einen Weltrekord zu starten: Dabei sollen rund um den Globus – von Australien bis nach Amerika – von möglichst vielen Teilnehmern Wraps nach dem selben Rezept zubereitet werden. Längerfristig ist es unser Ziel, mit unserem Disco Salat nicht nur am Food Revolution Day teilzunehmen. Im kommenden Monat werden wir erstmals mit der Aktion direkt in eine Schule gehen und schauen, wie das Konzept dort ankommt.