Ass. Prof. PD OÄ Dr. Sabine Hofer
Department für Pädiatrie 1, Medizinische Universität Innsbruck

Wie häufig tritt Diabetes Typ 1 im Kindes- und Jugendalter auf?

Die Inzidenz betrifft momentan 18 von 100.000 Kindern in Österreich. Das  Diagnosealter der Kinder wird immer geringer: wir haben eine zunehmende Anzahl von Kindern, welche mit weniger als fünf Jahren erkranken. In Österreich gibt es jährlich  ca. 300 Neuerkrankungen des juvenilen Diabetes.

 

Für welche Kinder besteht ein erhöhtes Krankheitsrisiko?

Die genauen Mechanismen, welche für das Auftreten dieser Autoimmun-erkrankung verantwortlich sind, können bisher  nicht eindeutig identifiziert werden; es scheint  allerdings eine genetische Veranlagung vorzuliegen. Wichtig ist es allerdings zu wissen, dass man nicht erkennen kann, welche Kinder erkranken und welche nicht.

 

Wie sieht der Umgang mit einem an Diabetes  erkrankten Kind im Alltag aus?

Besonders wichtig ist es, die Kinder nicht als krank zu behandeln, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in ihrem Schul- oder Freizeitverhalten genauso wie alle anderen Kinder verhalten zu können (Teilnahme an Wandertagen sowie auch an allen anderen schulischen und außerschulischen Aktivitäten). Gerade die regelmäßige sportliche Aktivität  unterstützt jede Diabetestherapie sowie die stabile Blutzuckereinstellung.
Die Überwachung des Blutzuckes darf natürlich nicht vernachlässigt werden. In Österreich gibt es die gesetzliche Möglichkeit, dass auch Betreuungspersonen (Lehrer, Kindergärtner, Tagesmütter) diese Therapie überwachen dürfen und auch gegebenenfalls Insulinspritzen verabreichen können.  Als wichtiger Punkt ist hier die Einschulung  dieser Personen durch Fachpersonal wie Diabetesberater zu nennen.

 

Was können Eltern tun, um das Leben ihrer Kinder mit Typ 1 Diabetes zu erleichtern?

Ein wesentlicher Punkt für die Eltern ist es, ihre Kinder in der Aufgabe der Blutzuckerüberwachung  und des Insulinspritzens zu unterstützen und dies zu kontrollieren. Kinder lernen vor allem dadurch, dass ihnen Dinge vorgelebt werden - durch die regelmäßig durchgeführten Überwachungen des Blutzuckerspiegels soll den Kindern die Bedeutung dieser Maßnahmen signalisiert werden. Eltern können ihren Kindern auch dadurch das Leben erleichtern, indem sie mit den Betreuungseinrichtungen (z.B. Kindergarten, Schule) besonders gut kommunizieren und offen mit der Diabeteserkrankung ihres Kindes umgehen. Die Integration der Diabetestherapie in den Alltag ist wesentlich, um eine gute Entwicklungsmöglichkeit der betroffenen Kinder zu gewährleisten.

 

Welche medikamentösen  Therapien kommen beim kindlichen Diabetes  zum Einsatz?

Bei Kindern gibt  es  die Möglichkeit Insulin mittels Pen ( mehrmals täglich ) oder mittels Insulinpumpe  in das subkutane Fettgewebe zu spritzen. Vor allem bei  Kindern unter fünf Jahren  wird bevorzugt die Insulinpumpentherapie verwendet, denn  hier muss die kleine, dünne Nadel nur alle zwei Tage gewechselt werden. Der Vorteil dieser Therapie liegt auch darin, dass sie einfach von Dritten (z.B. Tagesmüttern) durchgeführt werden kann, das Kind muss nicht von Ihnen gestochen werden, da die Pumpe mittels Fernbedingungen Insulin abgibt. Für sportliche Aktivitäten (Schwimmen, Fußballspielen) kann die Pumpe auch abgekoppelt werden und führt insgesamt zu einer verbesserten Lebensqualität.