Mag. Sasha Walleczek
Diplomierte Ernährungstherapeutin

In der Ernährung und beim Abnehmen gibt es bei Männern und Frauen riesige Unterschiede. Dabei liegt der Unterschied nicht so sehr in den unterschiedlichen Bedürfnissen des männlichen oder weiblichen Körpers, sondern in der Herangehensweise: Denn, auch wenn immer mehr Männer gerne kochen, ist die  „gesunde Ernährung“ doch die Domäne der Frau. Frauen achten auf die Linie und wissen (oder glauben zu wissen), wie man gesund kocht. Sie haben oft schon mehrere Diäten ausprobiert (was einer der Gründe ist, warum sie zu viel Gewicht mit sich herumschleppen – denn wer zunehmen will, muss nur zuerst falsch abnehmen). 

Wenn Männer kochen, dann sind sie meist, wie ich das nenne, „Köche aus Leidenschaft“. Für sie ist kochen Entspannung und sie setzen sich intensiv damit auseinander wo die Zutaten herkommen, sind stolz darauf besondere Raritäten oder Produkte direkt vom Erzeuger auf den Tisch zu bringen – wenn Gäste kommen. Viel weniger oft wird diese Leidenschaft dann auch auf die Alltagsmahlzeiten und die Bedürfnisse des eigenen Körpers umgelegt. 

 

Aktiver Leben

Wenn Männer abnehmen wollen, dann machen sie mehr Sport. Denn Männer „wissen“, dass es nur an der mangelnden Bewegung liegt, wenn sie zu dick sind. Dabei ist es sehr schwierig, das „Kalorienzählspiel“ zu gewinnen. Um eine Pizza „wegzutrainieren“ müssten Sie knappe 12km ziemlich flott laufen – denn die müssten Sie in unter einer Stunde schaffen, oder Sie joggen knapp zwei Stunden gemütlicher. Das Bier dazu haben Sie sich aber damit nicht verdient, genauso wie Sie sich den gespritzten Apfelsaft nach dem Training verkneifen müssten. Für eine Tüte Chips sitzen Sie knapp 1,5 Stunden bei mittlerer Belastung am Hometrainer, aber Sie könnten stattdessen auch Ihrer Frau drei Stunden im Haushalt helfen. Ich persönlich finde diesen Ansatz frustrierend und wenig zielführend. Sport soll Spaß machen und nicht Strafe für begangene „Essenssünden“ sein. 

Sport wird, wie Studien bestätigen, zum Abnehmen außerdem überbewertet. Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die Gesundheit, das steht außer Zweifel. Sport spielt auch eine Rolle um nicht zuzunehmen  - aber fürs Abnehmen ist er nicht so wesentlich, wie viele
behaupten.

 

Gesunde Ernährung

Dazu kommt aber noch ein anderes Problem: gerade, wenn Sie Ihren Körper stärkerer Belastung aussetzen, dann verbraucht er mehr Mikronährstoffe, also Vitamine, Mineralien, Antioxidantien etc. Die durchschnittliche Ernährung der österreichischen Männer liefert aber gerade diese nicht im Übermaß. Männer essen bei uns zu viel Wurst, meist Brot aus ausgemahlenen Mehlen und zu wenig Gemüse und Obst. Um aber Fett zu verbrennen, braucht man auch Vitamin und Mineralien und wer mehr Sport macht, hat gerade dann einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien. 

Leider wird gesunde Ernährung in Österreich fast ausschließlich mit einem einzigen Thema in Verbindung gebracht: Abnehmen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass, wer schlank ist, sich nicht um die richtige Ernährung kümmern muss, denn der macht ja schon alle richtig. Aber Ernährung ist mehr als nur die Figur. Schlank zu sein ist ein Ausdruck eines gesunden Körpers, aber nicht der einzige. Wussten Sie, dass die höchste Risikogruppe für Herzinfarkte diejenigen sind, die eher schlank sind, aber einen kleinen Schwimmreifen mit sich herumschleppen? Und dass Männer da eher betroffen sind, weil sie das Fett eher unter den Bauchmuskeln speichern, wo es gefährlicher ist? Und wussten Sie, dass zwei von fünf Männern an einem Herzinfarkt oder Hirnschlag sterben?

 

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

 

Frauen haben früher Diät gemacht, aber den Sport eher ignoriert. Auf diesem Gebiet haben sie in den letzten 20 Jahren unheimlich aufgeholt – jetzt wird es an der Zeit, dass die Männer das bei der Ernährung tun. Denn beides gehört zu einem gesunden, langen Leben. Und Sie wissen ja: Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.