Immer wenn der Uhrzeiger auf dem Ziffernblatt 6,7 Minuten weitergerückt ist, erblickt im Durchschnitt ein kleiner Mensch in Österreich das Licht der Welt. Kinder, die in einem der wohlhabendsten Länder der Welt geboren werden, können sich glücklich schätzen, nicht das Schicksal der Millionen von Kindern in manchen Regionen der Erde erleiden zu müssen, denen es selbst an sauberem Wasser, Nahrung oder medizinischer Versorgung fehlt. Allerdings können Kinder trotz vieler Fortschritte auch inmitten Europas anderen Risiken ausgesetzt sein – wie etwa Vernachlässigung, Misshandlung oder Gewalt.

Weltweite Bedeutung

Umso wichtiger ist die von den Vereinten Nationen vor 20 Jahren verabschiedete Kinderrechtekonvention, die am fünften September 1992 auch in Österreich in Kraft getreten ist. Die neue Zeitrechnung in Sachen Kinderrechte ist zugleich der erfolgreichste Menschenrechtsvertrag aller Zeiten und weltweit von enormer Bedeutung. Denn abgesehen von physischen Grundbedürfnissen braucht jedes Kind für seine volle Entfaltung allem voran die liebevolle Zuwendung der Eltern, führt doch ein Mangel an Zuwendung und Verlässlichkeit in emotionaler, sozialer und sonstiger Hinsicht in den frühen Lebensphasen zur Erschütterung des kindlichen Grundvertrauens.

Kinderrechte in der Verfassung

Dass die Rechte von Kindern überdies den Olymp unserer Rechtsordnung erreicht haben – so geschehen mit dem Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern vom 20. Jänner 2011 – gilt sowohl für Österreich wie auch international als Meilenstein. Damit wurde ein rechtliches Fundament für die Begegnung der Welt der Kinder mit der Welt der Erwachsenen auf gleicher Augenhöhe geschaffen. Es geht dabei um den Vorrang des Kindeswohlaspekts, der Bedürfnisse und Interessen von Kindern, um den Anspruch auf Sorge für ihr Wohlergehen einschließlich des Rechts auf Kontakt und Beziehung zu beiden Elternteilen sowie auf Berücksichtigung ihrer Meinung; weiter um das Recht auf Gewaltfreiheit und auf Schutz vor Ausbeutung. 

Verfassungsgesetzlich verankert sind schließlich das Recht auf besonderen Schutz und Beistand für Kinder mit Behinderung und für Kinder, die nicht das Privileg haben, in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis – so die Idealvorstellung der Kinderrechtekonvention – aufzuwachsen.

„Jede und jeder von uns trägt Mitverantwortung dafür, dass die Rechte von Kindern zur gesellschaftlichen Alltagsrealität werden.“

Rechte des Kindes in der Alltagswelt sichern

Gesetze allein machen Kinder nicht glücklich. Daher ist die verfassungsgesetzliche Verankerung von Kinderrechten nicht nur Auftrag und verbindliche Handlungsvorgabe für die Gesetzgebung, sondern auch ein Orientierungsmaßstab für Entscheidungs- und Verantwortungsträger wie RichterInnen, PädagogInnen und ÄrztInnen die Rechte von Kindern umfassend in die Lebenswirklichkeit umzusetzen. Ein weiterer wesentlicher Schritt zu einer noch kinderfreundlicheren Gesellschaft ist der von Familien- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner initiierte «Jugend- Check». Dadurch müssen sich künftig die mit der Verfassung von Gesetzesentwürfen befassten Ministerien bewusst auch «in die Schuhe» von Kindern und jungen Erwachsenen versetzen und so die übliche Erwachsenenperspektive mit einer Sichtweise durch die «Kinderrechtebrille» erweitern.

Persönliche Verpflichtung

Doch unabhängig von all den staatlichen Verpflichtungen zur Förderung der Zukunftsaussichten von Kindern dürfen deren Rechte auch im privaten Umfeld nicht nur ein bloßes Lippenbekenntnis sein. Vielmehr trägt jede und jeder von uns eine Mitverantwortung dafür, dass die Rechte von Kindern zur gesellschaftlichen Alltagsrealität werden.