Wann haben Sie festgestellt, dass Sie Diabetes haben?

Die offizielle Diagnose bekam ich mit knapp 30 Jahren. Auch wenn ich die typischen Symptome wie Müdigkeit oder starkes Durstgefühl nicht bewusst wahr genommen habe, war es keine große Überraschung für mich, denn meine Eltern waren auch an Diabetes erkrankt. Bereits als kleines Kind war ich übergewichtig und im Laufe meines Lebens habe ich vier bis fünf mal 50 Kilo ab- und zugenommen, bis mein Körper dieser Belastung nicht mehr standhalten konnte.

Als ich mein Höchstgewicht von 165 Kilogramm erreicht hatte, lag mein Nüchtern-Blutzuckerspiegel bei über 540 mg/dl (Anm. der Red.: Normalwert liegt bei 70-120 mg/dl), ich hatte Wassereinlagerungen und sehr schlimme Leberwerte. Ich musste etwas gravierend ändern und abnehmen war neben der medikamentösen Therapie einer der wichtigsten Schritte. Um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, habe ich mir den Magen verkleinern lassen.

Rasch hat sich mein Gewicht auf 120 Kilogramm reduziert und mir ging es wesentlich besser, da sich auch die Werte weitgehend normalisiert haben. Es war auch die Zeit, als ich begann, öffentlich als "Jazz Gitti" aufzutreten.

Und seitdem gab es keine Probleme mehr?

Doch, ich bekam Probleme mit den Gelenken und hatte mit schwankenden Blutzuckerwerten zu kämpfen. Man darf auch nicht vergessen, dass ich ein sehr bewegtes Leben geführt habe – auf und abseits der Bühne. Ich habe schließlich weiter abgenommen und mein Gewicht hat sich bis zu meinem 50. Lebensjahr zwischen 95 und 110 Kilogramm eingependelt.

Mir ging es lange Zeit sehr gut, bis sich mein Gesundheitszustand und mein allgemeines Wohlbefinden wieder verschlechtert haben. Ich beschloss erstmals, die Diabetes-Ambulanz im KH Stockerau aufzusuchen. Dort wurde ich eingehend beraten, untersucht und entsprechend mit den Medikamenten eingestellt. Lange war ich ohne Beschwerden, musste aber noch mehr auf meine Ernährung achten.

Meine erste Diätschulung bekam ich ebenfalls in der Diabetes-Ambulanz. Außerdem wurde ich mit den Medikamenten neu eingestellt und bekam zusätzlich auch Insulin, welches ich bei Bedarf spritzen kann. Seit diesem Zeitpunkt lasse ich meinen Langzeitzuckerwert, den Hba1c-Wert, alle drei Monate regelmäßig überprüfen.

Die Diätschulung hat mir sehr geholfen und ich kann behaupten, dass ich die Krankheit mittlerweile sehr gut im Griff habe. Zusätzlich mache ich auch regelmäßig meine Gesundheitsuntersuchung und versuche mit Sport, den Stoffwechsel gezielt zu unterstützen.

Gestalten Sie Ihr Leben durch die Krankheit bewusster?

Mein Umgang mit der Erkrankung ist weder bewusst noch unbewusst – ich achte einfach auf meinen Lebensstil und auf meine Ernährung. Ich messe jeden Tag morgens und abends meinen Blutzuckerspiegel. Hin und wieder auch zwischendurch, wenn ich merke, dass der Blutzuckerwert ein wenig aus der Balance geraten ist. Natürlich spielt das Gewicht auch eine Rolle.

Ich stelle mich täglich auf die Waage. Sogar wenn ich unterwegs bin, kontrolliere ich mein Gewicht mit einer Reisewaage, denn von Diabetes gibt es keinen Urlaub. Egal, ob Freizeit, Arbeit, Stress, es gibt keine Ausreden, um nicht darauf zu achten.

Meine Mutter verstarb auch an den Folgen der Diabetes-Erkrankung, aber im Gegensatz zu meinen Eltern habe ich die Möglichkeit, viel besser mit der Krankheit umzugehen, denn Diabetes ist mittlerweile sehr gut erforscht. Die Krankheit steht bei mir zudem nicht im Vordergrund, denn mein Leben ist erfüllt von so vielen anderen schönen Sachen.

In ganz Österreich kennt man die "Jazz Gitti“ – wie gehen Sie mit Ihrer Popularität um?

Es ist natürlich ein sehr schönes Gefühl, von Menschen großteils so positive Rückmeldungen zu bekommen. Besonders durch die ORF-Show „Dancing Stars“, wo ich in der letzten Staffel mitgewirkt habe, war ich interessanterweise sehr beliebt bei den kleinen Kindern, da sie in mir eine Art lebende Comicfigur gesehen haben. Ich habe schon immer polarisiert; im Laufe der Jahre hat sich mein Publikum auch geändert. Aber meine jahrelangen Fans haben mich wirklich gern und wenn man jemanden wirklich gern hat, darf der sich viel erlauben.

Wollten Sie immer schon auf der Bühne stehen ?

Schon als kleines Kind habe ich gerne die Menschen unterhalten und zum Lachen gebracht. Als ich klein war und mich meine Mutter abends ins Bett schicken wollte, habe ich für die vielen Gäste in unserem damaligen Zuhause und Geschäft im zweiten Wiener Gemeindebezirk die „Juliska aus Budapest“ gesungen. In die Unterhaltungsbranche hätte ich schon früher einsteigen können, denn im Alter von 16 Jahren habe ich einen Gesangswettbewerb gewonnen.

Man wollte aus mir die österreichische Version der Schlagersängerin Trude Herr machen. Aber ich komme noch aus einer Generation, wo der Spruch: „Ich bringe dich ins Fernsehen“ gleichbedeutend mit einem unmoralischen Angebot ist, was ich abgelehnt habe. Erst viel später, als ich mit meinem Club in Wien pleite gegangen bin, habe ich den Weg zurück auf die Showbühne gesucht. Zwischen 1991 und 1992 bin ich als Jazz Gitti so richtig durchgestartet, da war ich bereits Mitte 40. Es ist nie zu spät für einen neuen Weg – egal, wie alt man ist.

Auf Ihrem neuen Album „Gib net auf“ findet sich auch ein Lied mit dem Titel „Als ob ich wieder 17 wäre“. Würden Sie rückblickend etwas in Ihrem Leben anders machen?

Nein, denn ich bin erst zu dem Menschen geworden, der ich jetzt bin, durch meine ganzen Erlebnisse und Erfahrungen. Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden und glücklich mit mir selber. Ich habe fast jeden Spaß mitgemacht, aber auch viele Fehler begangen. Dabei verfolge ich das Credo: „Man sollte jeden Fehler machen dürfen – aber nur einmal!“ Aus Fehlern kann man schließlich auch lernen, wenn man dazu bereit ist.