Was sind die wichtigsten Parameter der Wundbehandlung?

Ich folge den „Zehn Muss der Wundbehandlung“ als Leitfaden. Das heißt, ich gehe nicht von einem Bausteinchen aus, sondern eben von zehn Bausteinkaskaden. An erster Stelle steht immer die ärztliche Diagnostik, die Anamnestik, davon abgeleitet gibt es dann die lokaltherapeutischen, systemischen Therapiepläne. Das strukturierte Vorgehen ist das wichtigste.

Verfolgt man die Baupläne konsequent, kann man saubere Strategien ableiten. Es gibt aus heutiger Sicht nicht mehr die eine, einzige Therapievariante, sondern ich muss wissen woher das jeweilige Problem kommt und dann die Grundursachen therapieren – so gut es geht. Das ist das A und O.

Welche Arten von Wunden gibt es denn?

Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten welche zu einer chronischen Wunde führen können, etwa. Diabetes mellitus, chronisch venöse Insuffizienz, usw. Diese chronifizierten Wunden werden zunehmend in spezialisierten Wundbehandlungseinrichtungen behandelt. Unser Spezialfall ist die verkomplizierte Wunde, die meistens Monate und in sehr vielen Fällen Jahre bis Jahrzehnte offen ist.

Diese Wunden sollten in spezialisierten Zentren, wo Arzt und Pflege gemeinsam die Verantwortung tragen, behandelt werden, weil es dafür viel Erfahrung und spezielles Wissen braucht.

Wie steht es um die Forschung in diesem Bereich? Welche Meilensteine sind hier zu nennen?

Für uns als Praktiker sind wissenschaftliche Fortschritte grundsätzlich spannend, aber nicht immer bezahl- oder anwendbar. Wichtiger ist die Frage, was in der täglichen Behandlungspraxis angekommen ist und was von Krankenkassen anerkannt wird. Da begrüße ich es, dass die Kooperation auf Augenhöhe zwischen Arzt und Pflege heute deutlich besser ist als in den 1980er und 1990er-Jahren.

Außerdem werden chronische Wunden mittlerweile als Spezialproblem begriffen, dass man öffentlich diskutieren kann. Die Kassen haben ein Bewusstsein entwickelt, weil auch die Alterung der Gesellschaft ein Thema ist und die Wundmenge pro Jahr zunimmt.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Es gibt Diskrepanzen zwischen dem, was möglich ist und dem, was bezahlt wird. Es ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, welche Kassa gewillt ist und was bezahlt wird. Oft muss im ambulanten Bereich lange gekämpft werden, damit Leistungen für notwendige Wundtherapien übernommen werden. In der Schweiz erhalten Spezialisten für eine ambulante Wundversorgung 60-80 Euro. Daher ist dort die ambulante Wundversorgung deutlich besser ausgebaut.

Jetzt sind vor allem Politik und Krankenkassen aufgefordert, Modelle zu erstellen wo nachhaltige ambulante Wundbehandlung angemessen honoriert wird. Das Ziel ist rascherer Wundverschluss, verringerte Zusatzkosten, längere Wundverschlussphasen. Das senkt Gesamtkosten und steigert die Zufriedenheit bei Therapeuten und Patienten. Die Qualität des Wundtherapeuten ist ganz entscheidend für erfolgreiche Therapien. Die „Wundmittel sind dazu Hilfsmittel“.