Eigentlich ist es ein uraltes Modell: Generationen leben gemeinsam, lernen voneinander und ergänzen einander. Dieser Gedanke wird nunmehr konsequent weitergesponnen: Warum sollte etwas, das über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende der Menschheitsgeschichte sehr erfolgreich war, nicht auch im 21. Jahrhundert Vorteile für alle Beteiligten bieten?
Was im Grunde logisch klingt, muss natürlich in der Praxis gut ausgeführt werden. Dazu gehört eine umfassende Planung unter Einbeziehung aller Faktoren und Bereiche, beginnend beim Bau bis hin zur Betreuung. Schon bei der Konzeption der Infrastruktur muss daran gedacht werden, wie die Generationen am besten zu verbinden sind. Ein passendes Gesamtkonzept stellt dabei jene Strukturen zwischen jung und alt her, die bei vielen vor allem älteren Menschen nicht mehr sehr stark oder zum Teil gar nicht mehr vorhanden sind.

Auf Bedürfnisse genau eingehen

Das Ziel: Ein Miteinander unter einem Dach, so wie früher, als die Generationen miteinander lebten und den gesamten Tagesablauf von früh bis spät miteinander verbrachten. Diese Strukturen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark dezimiert, was Folgen für die gesamtgesellschaftlichen Strukturen hatte – einerseits hinsichtlich der Kinderbetreuung, aber auch für die älteren Menschen: Früher war Vereinsamung für Senioren beileibe nicht so eine große Gefahr wie heute. Diese beiden Aspekte müssen von Anfang an mitbedacht werden.
Für die Senioren in neu konzipierten Wohnmodellen existieren neben Wohngruppen speziell für demenzkranke Personen unter anderem Möglichkeiten des sogenannten betreuten Wohnens. So werden Wohnformen bezeichnet, in denen Menschen Unterstützung finden, die je nach Lebenssituation unterschiedliche Formen der Hilfe benötigen. Die Betreuung soll bei gleichzeitiger Unterstützung zur Bewältigung der individuellen Probleme die größtmögliche Autonomie gewährleisten.

Gemeinsam statt einsam

Für Senioren bedeutet betreutes Wohnen, im Alter gut versorgt zu sein. Dennoch geben sie nicht ihre Selbstständigkeit auf und wohnen weiterhin in einer eigenen Wohnung. Dort finden sie Gesellschaft vor – Menschen mit ähnlichen Interessen und Bedürfnissen. Das hilft, den Alltag besser zu bewältigen und gleichzeitig nicht zu vereinsamen – bei leistbaren Kosten für alle Beteiligten, vom Kleinkind bis zu den Senioren.
Dabei ist besonders wichtig, ein normales Alltagsleben zu ermöglichen. Die Bewohner benötigen Zugang zu diversen Annehmlichkeiten, die ein solches Zentrum haben muss. Wenn alles passt, haben sie direkten Zugang etwa zu Gartenanlagen oder Parks und sind im Kaffeehaus und in Therapieräumen willkommen. Auch das spirituelle Angebot sollte nicht zu kurz kommen. Neben einem bunten Freizeitprogramm mit Gedächtnistraining, Stammtisch, Literaturrunde und Heimkino sind kostenloser Pflegecheck und – bei Bedarf – Vermittlung der Hauskrankenpflege heute ebenso eine Selbstverständlichkeit wie Wohnungsservice und Wäschereinigung, Reha und Kurzzeitpflege.

Miteinander leben verbindet

Seit einiger Zeit trifft man nun zunehmend auf Projekte, die versuchen, die Generationen miteinander zu verbinden. Dabei werden klassische Kinder- und Jugendeinrichtungen mit Seniorenwohnen kombiniert, indem etwa eine geographische Nähe hergestellt wird oder schlichtweg zwei Einrichtungen miteinander kooperieren. Dazu bedarf es auch einer aktiven Unterstützung durch die Politik. Gerade Kindergarteneinrichtungen sind Angelegenheit der jeweiligen Gemeinde, die es ins Boot zu holen gilt – denn von den positiven Effekten eines solchen Zentrums für das soziale Leben der Gemeinde profitieren letzten Endes auch die Gebietskörperschaften. Beim Bau derjenigen neuen Zentren, die in jüngerer Vergangenheit entstanden sind, wurden Landeskindergärten und Seniorenbetreuungseinrichtungen mit gemeinsamen Elementen versehen. So findet die Begegnung etwa im Eingangsbereich oder beim Essen statt – allerdings nicht notwendigerweise darüber hinaus.

Jung und Alt entwickeln Freundschaften

Zwar sind die ersten Projekte dieser Art erst knapp über zehn Jahre alt, längerfristige Erfolge sind aber bereits jetzt sichtbar. Mittlerweile können in einigen Anlagen auch Volksschulkinder etwa zum Mittagessen vorbeikommen – und siehe da, es kommen diejenigen Kinder, die schon hier im Kindergarten waren, und besuchen ihre alten Freunde aus dem Seniorenzentrum.
Das Ziel, eine Art Opa- und Oma-Funktion zu ermöglichen, war also erfolgreich. Dabei ist unübersehbar, wie viel die nunmehr älter gewordenen Kinder und Jugendlichen von den Senioren gelernt haben: etwa, wie man mit älteren Menschen umgeht, aber auch, wie für die veränderten Lebensbedingungen im Alter Sensibilität entwickelt wurde.

Miteinander gelebter Alltag baut Vertrauen auf

Erreicht wurde dieser Effekt durch den gelebten Alltag, geprägt durch das Miteinander von Jung und Alt dank des integrierten Kindergartens: Bei gemeinsamen Bewegungsrunden oder Festen können Senioren und Kinder einander näherkommen. Man will erreichen, dass beide Seiten Verständnis füreinander entwickeln und durch gemeinsames Lernen Vorurteile abbauen.
In weiterer Folge sollen so Akzeptanz und Toleranz zwischen Jung und Alt wachsen. Kinder, die einen entsprechenden Kindergarten besucht haben, tun sich heute mit älteren oder schwächeren Menschen leichter als andere, die das nicht so mitbekommen haben. Das schafft Vertrauen – zwischen Generationen, aber in weiterer Folge auch für die Gesellschaft.

Erfolgreiches Modell

Der Erfolg gibt den bisherigen Projekten Recht: Für die Kinder sind die Senioren willkommene Gesprächspartner. Ältere Menschen geben der Jugend Ratschläge aus ihrer Lebenserfahrung und stellen einen Ruhepol in der Hast des Alltags dar. Es ist ein Modell, von dem beide Seiten profitieren. Hier herrscht ein Miteinander, das nicht nur ein Kontrast zum in die Einsamkeit drängenden Zeitgeist ist. Es schafft auch ein Zuhause – und dient somit allen Beteiligten, denn man lernt nicht nur voneinander, sondern ist auch füreinander da.