Über Jahrzehnte hinweg wurde angenommen, dass es im Alter keine Sexualität gibt. Allein die Vorstellung, dass zwei Partner im Rentenalter Geschlechtsverkehr haben, war schon unmöglich. In den Hausordnungen einiger Rentnerheime herrschte ein gegenseitiges Besuchsverbot, um körperliche Nähe zu unterbinden. Dies ändert sich langsam in die richtige Richtung.

Sexualität im Alter ist nicht nur normal, sie sei sogar besser, als in jüngeren Jahren – nur eben anders. Die Andersartigkeit ist zum Teil durch körperliche Unzulänglichkeiten, zum Teil durch andere Fokussierungen bedingt.

Neueste Untersuchungen belegen es!

In Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass das Verlangen nach Sexualität und der Befriedigung sexueller Wünsche bis in ein hohes Alter ausgelebt wird. In der Altersgruppe der 51- bis 60-Jährigen von der Gruppe der in einer Partnerschaft lebenden Männer waren noch 89 Prozent sexuell aktiv, die in Partnerschaften lebenden Frauen zu 85,6 Prozent.

Die sexuelle Aktivität nimmt im Lauf der Jahre ab, in der Gruppe der über 80-Jährigen üben noch 30,8 Prozent der in einer Beziehung lebenden Männer ihre Sexualität aus, während noch 25 Prozent der Frauen innerhalb einer Beziehung sexuell aktiv sind.

Zärtlichkeit, Bindung und Nähe werden für viele ältere Menschen wichtiger als der reine Sexualakt. Zum Teil verändern sich die bevorzugten Praktiken und Stellungen. Dies geschieht unter anderem als Folge einer Anpassung an eine geänderte körperliche Verfassung oder weil das Lustempfinden sich verändert.

Körperliche Veränderungen beim Mann

Im allgemeinen verlängert sich beim Mann die Zeit, bis zum Erlangen einer vollständigen Erektion. Ebenfalls wird die Pause nach dem Samenerguss länger, bis es wieder zu einer Erektion kommt. Samenerguss und Orgasmus werden weniger intensiv erlebt.

Dafür verlängert sich aber auch die Zeit, bis es zu einem Samenerguss kommt, was wiederum den Geschlechtsakt verlängert. Der Mann kann besser auf die Partnerin eingehen und der Sexualakt kann damit erfüllter werden. Potenzstörungen treten häufiger auf. Diese können Nebenwirkungen von Medikamenten und Krankheiten wie Diabetes oder Gefäßerkrankungen sein.

Körperliche Veränderungen bei der Frau

Die Wechseljahre und besonders die letzte Regelblutung bedeuten für eine Frau zunächst einmal einen Einbruch. Nach neuesten Untersuchungen haben Frauen, wenn sie sich von diesem Einschnitt erholt haben, größeres Verlangen nach Sexualität als gleichaltrige Männer. Eventuell ist dies bedingt durch die wegfallende Angst vor einer Schwangerschaft.

Durch das Absinken des Östrogenspiegels in den Wechseljahren werden die Scheidenwände bei vielen Frauen deutlich trockener. Dies führt zu einem unangenehmen Gefühl beim Geschlechtsverkehr bis hin zu Schmerzen. Hier können Gleitcreme und –gel helfen.

Die weibliche sexuelle Erlebensfähigkeit bleibt ansonsten bis ins hohe Alter erhalten, wenn diese nicht durch Erkrankungen oder Medikamentennebenwirkungen beeinträchtigt werden.

Fazit

Für die Mehrzahl sind also die Voraussetzungen für ein erfülltes Sexualleben bis ins hohe Alter gegeben – es hängt eben viel von der Einstellung ab. Sofern keine körperlichen Behinderungen haben oder Nebenwirkungen zwingend notwendiger Medikamente dies verhindern, können wir Sex bis ins hohe Alter haben und ihn auch genießen.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn sie unter nachlassendem sexuellem Interesse leiden oder sie eine Funktionsstörung im Genitalbereich hindert. Er kann Ihnen sicher mit Medikamenten oder Hormonen weiterhelfen, wenn diese vonnöten sind. Akzeptieren Sie, dass Ihr Körper sich verändert. Ihr Partner macht das Gleiche durch. Sprechen sie ruhig darüber. Haben Sie Mut, wenn sie nicht in einer Partnerschaft leben, auf andere zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Nicht zuletzt sollte erwähnt werden, dass auch in der Sexualität die körperlichen Funktionen trainiert werden müssen, damit diese erhalten bleibt.