Der Lebensabschnitt der SeniorInnenzeit ist heute doppelt so lang wie vor 30 Jahren. Die ältere Generation von heute ist aktiver und gesünder und hat nichts mehr mit dem veralteten Klischee der „Bankerlsitzer“ zu tun. Die heutigen Senioren unterscheiden sich deutlich in ihrer Lebensweise, ihren Lebenswerten, Wünschen und Bedürfnissen von den früheren Generationen. Es muss eine neue Darstellung der Bevölkerungsschicht der älteren Menschen vorgenommen werden.

Wir werden – Gott sei Dank – alle immer älter, bleiben gesünder, mobiler, leistungsfähiger und produktiver. Wer sich in die Ecke setzt, verliert seine Kraft und wird wirklich alt. Wenn ich – immerhin Mitte 70 – aufzähle, was ich alles mache, meint so mancher, das sei nicht möglich. Doch ich schaffe das. Ich habe viel Energie, und andere in meinem Alter haben diese Energie auch.

Initiative Seniorenbund

Wir im Seniorenbund sehen es als unsere Aufgabe an, durch eine Vielzahl von Angeboten zur geistigen und körperlichen Mobilität beizutragen, durch vielfältige Kurse, Workshops und Seminare zu lebenslangem Lernen hinzuführen und durch Hinweise auf ehrenamtliche Tätigkeiten zu einem sinnerfüllten Leben anzuregen.

Gerade das Ehrenamt bringt zugleich Chancen für den Einzelnen und Unterstützung für die Gesellschaft. Denn vielen Menschen steht der Sinn nicht danach, ihre Zeit nur mit Freizeitaktivitäten zu verbringen. Sie wollen etwas Neues anfangen, sie wollen mitgestalten. Sie wollen etwas Sinnvolles tun für die eigene Familie, für die eigenen Freunde oder auch für das Umfeld, in dem sie leben.

Verschiedene Wege

Ich verstehe dieses „Anfangen“ in zweierlei Sinn: Erstens, etwas Neues anfangen können, aber natürlich auch etwas mit sich selbst anfangen können. Dass nichts so beweglich hält, wie das Gefühl, gebraucht zu werden, ist inzwischen auch wissenschaftlich bewiesen.

Wir freuen uns über eine solche Einstellung und fördern diese. Die vom Seniorenbund regelmäßig veranstalteten Kurse und Seminare dienen nicht zuletzt auch dem Ausbauen von Fertigkeiten, zu denen in der Zeit des Erwerbslebens nicht die Möglichkeit bestand. Computer-, Digitalfoto- und Videofilmkurse sind dabei ebenso beliebt wie Workshops zur körperlichen Betätigung, etwa Nordic Walking, Yoga, Gymnastik oder Schwimmen und Segeln. Künstlerische Talente können bei Zeichnen und Malen oder im Collagenkurs ausgelebt werden. Aber auch Atem- und Gedächtnistraining kommen nicht zu kurz.

Lernen und pflegen

Lebensbegleitendes Lernen ist kein Schlagwort. Wir müssen es tun, damit wir mit den Anforderungen einer sich schnell ändernden Welt fertig werden. Und wir lernen nicht für die Zukunft, wie das die Jungen tun, sondern wir lernen für heute und für sofort. Das ist gut so, denn es gilt, die Zukunft zu bewältigen.

Immer wieder, wenn ich etwa Bezirksklubs besuche, wird mir sehr eindrucksvoll die große Spannweite unserer Arbeit vor Augen geführt. Gemeinsames Lernen, gemeinsames Reisen, gemeinsames Feiern, gemeinsam Kultur erleben, Wallfahren, gemeinsam Turnen, Wandern und anderen helfen mit Rat.

Der selbstbewusste Mensch muss in allen Lebenslagen und jedem Alter im Mittelpunkt stehen. Wir dürfen aber zugleich nicht die Augen davor verschließen, dass es natürlich auch Herausforderungen des demografischen Wandels gibt. Eine der größten Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist das Thema Pflege. Daher ist die Förderung der Pflege im Familienkreis und der Ausbau der mobilen Hilfe ganz besonders wichtig. Und dazu gehören auch Wohngemeinschaften und familiäre Pflegeeinheiten.

Und das Zauberwort heißt wohnortnah. Wir wollen keine Pflegesilos am Stadtrand, wo man dann vereinsamt, sondern wir wollen, dass die Menschen in ihrem Grätzel alt werden können und auch von ihrem Umfeld betreut werden können.

Würde des Alters

Der Seniorenbund leistet einen wichtigen Beitrag zur menschenfreundlichen und sozial gerechten Lebenswelt. Wir sind unentbehrlich und gestalten die Lebensqualität eines großen Bereiches der Menschen. Es ist auch unsere Aufgabe, die richtigen Weichenstellungen zu setzen. Das geht vom Internet bis zum gesunden Leben, von Fremdsprachen bis zum Sport.

Wichtig ist mir aber, dass wir alle gemeinsam davon überzeugt sind, ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu sein. Wir können von niemandem mehr übersehen werden und müssen dieses Selbstbewusstsein auch weitertragen. Ob wir 60, 70, 80 oder auch mehr Jahre alt sind, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Man kann ja jung im Kopf sein.

Und bedenken wir: SeniorInnen von heute haben durch ihre über Jahrzehnte erbrachten Leistungen einen gehörigen Anteil am derzeitigen Wohlstand und sind eine kräftige Stimme in der gesellschaftlichen Landschaft. Nun ist es an der Zeit, die Kompetenz und das Engagement der SeniorInnen zu schätzen.