„Ich habe es selbst ja gar nicht gemerkt, mein Arzt hat es mir bei einer Routineuntersuchung gesagt“, erzählt Brigitte Hübner. Es ist gut drei Jahre her, dass der Allgemeinmediziner der heute 77-Jährigen mitgeteilt hat, dass sie eine verminderte Hörfähigkeit hat und das wohl schon von Jugendtagen an. Seitdem trägt sie ihr Hörgerät regelmäßig, wenn auch nicht immer, nicht zuletzt weil sie als Musikerin tätig ist. Hübner spielt Bratsche in einem Orchester. 

Mag. Brigitte Hübner

Bratschistin in der Camerata Medica Wien ( CMW )

Foto: © Armin Kleinlerche

„Die Musik höre ich eigentlich auch ohne Hörgerät ganz  gut, aber wenn es darum geht, was der Dirigent sagt, wird es etwas schwierig“, erklärt sie. Bevor sie das Hörgerät bekommen hat, versuchte sie, auf den Mund der sprechenden Person zu sehen, um von den Lippen abzulesen, wenn sie etwas nicht verstand. „Oft war es auch ganz gut, nicht alles zu hören“, lacht die Musikerin. 

Brigitte Hübner stand früher auch als Sängerin auf der Bühne, aber diese Auftritte wurden mit steigendem Alter weniger und mittlerweile gibt sie nur mehr als Teil des Orchesters Vorführungen. „Konzerte sind ohnehin eine schwierige Sache“, sagt Hübner. Wenn die Instrumente spielen, der Dirigent nebenbei Anweisungen gibt und noch Nebengeräusche dazukommen, dann ist es für Menschen mit eingeschränkter Hörkraft nicht sehr einfach. Da hilft nur eine perfekte Vorbereitung. Der eigene Part muss perfekt sitzen und auch die Teile der anderen Musiker prägt sich die Hörgerätträgerin gut ein, damit sie sich, sollte sie einmal aus dem Takt kommen, am Spiel des Sitznachbarns orientieren kann. Blickkontakt mit ihren Kollegen hilft ebenfalls und dient zur nonverbalen Kommunikation.

 

Neugier und Gewöhnungszeit

„Angst habe ich keine vor dem Hörgerät gehabt, ich war eher neugierig, ob es mir wirklich helfen kann“,  so die 77-Jährige. Eine gewisse Zeit, sich daran zu gewöhnen habe sie aber trotzdem benötigt. Dabei gilt es auch, die richtige Einstellung zu finden, damit Nebengeräusche nicht unangenehm wirken und die Instrumente im Orchester einwandfrei zu hören sind. „Für mich als Musikerin ist es extrem wichtig, mein eigenes Spiel gut zu hören, auch wenn andere um mich herum musizieren.“ Situationen, in denen mehrere Geräuschquellen gleichzeitig auftreten, bereiten Hübner überhaupt die größten Schwierigkeiten. So zum Beispiel auch Fernsehsendungen, bei denen gesprochen wird und gleichzeitig Hintergrundmusik läuft. Dabei greift Brigitte Hübner oft auf ein anderes Hilfsmittel als ihr Hörgerät zurück: „Ich setze mir einfach Kopfhörer auf, das funktioniert auch ganz gut und die anderen Menschen im Raum werden nicht von meiner Lieblingsfernsehsendung belästigt.“