„Das Problem im Alter ist häufig die Einsamkeit. Denn wenn man alleine ist, dann zieht man sich zurück und dann lässt auch die Lebenskraft nach.“, sagt Ilse Seethaler. Nach dem Tod ihres Mannes hat sich die dreifache Goldmedaillengewinnerin der Schwimm-EM 2011 in der Ukraine beim Schwimmclub Donau beworben. „Ich war damals ja plötzlich allein. Obwohl ich jetzt nicht mehr trainiere, schwimme ich aber immer noch täglich meine 400 Meter. Ich möchte meine Kondition behalten.“ Für die gebürtige Wienerin ist Sport im Alter ein wichtiger Bestandteil von Glück. Den inneren Schweinhund gilt es aber immer zu überwinden. „Auch ich ermahne mich manchmal und lass mir vom inneren Befehler sagen, dass ich noch drei Längen schwimmen kann.“ Diszipliniert zu sein ist für die Seniorin das A und O. „Ich versuche, auf allen Gebieten vernünftig zu leben. Es fehlt mir an nichts. Ich lebe in einem Senioreneinrichtung am Kurpark in Wien, bin dort sehr glücklich und nutze intensiv das Kultur- und Gesundheitsprogramm.“

Neben körperlicher Fitness, sollte man sich auch die geistigen Fähigkeiten erhalten. „Aus diesem Grund reise ich immer noch sehr gern, auch in extreme Gebiete.“ Die Hobbyarchäologin war bereits in über 85 verschiedenen Ländern und hat an zahlreichen Ausgrabungen teilgenommen, unter anderem in Pakistan oder im Sudan. „Ich sage immer, in Europa reise ich, wenn ich alt werde. Extreme Reisen mache ich aber nur noch in Begleitung. Irgendwo muss ich meinem unbändigen Trieb eine Grenze setzen.“

Ich arbeite daran, glücklich zu sein

Den wichtigsten Tipp, den Ilse Seethaler geben kann ist aber der, dass ein Mensch nicht nur Körper und Geist, sondern auch eine Seele hat. Aus diesem Grund sollte man sich so viele Freunde wie möglich machen und halten. Auch wenn das heißt, mehr zu investieren, als man zurückbekommt. „Dann mach ich mir halt die Mühe, das Geschirr abzuwaschen, wenn ich meine Freunde zum Kaffee einlade. Aber dann sind sie nicht allein und ich bin auch nicht allein.“, so die 89-Jährige, die ihren großen Freundeskreis durch E-Mails und Reisen erhält. „Ich bin da etwas egoistisch, da ich nur Freunde habe, die halb so alt sind wie ich. Ältere haben keinen Computer und ich kann schlecht mit ihnen kommunizieren.“ Die Investition von Energie sieht die Seniorin demnach als den Schlüssel zum Glück. „Man soll investieren, sei es in Training, eine Lebensweise, in Freunde oder geistige Interessen. Genauso wie man ein gutes Buch nicht in der Hälfte stehen lässt, soll man für das arbeiten, was einem wichtig ist, damit man es behalten kann.“