Welche Ursachen kann Hörverlust insbesondere im Alter haben?

Wir unterscheiden zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit – und zwar in jedem Lebensalter. Bei Schallleitungsstörungen ist der Schalltransport vom äußeren Gehörgang zum Trommelfell und über die Gehörknöchelchen gestört. Im Unterschied dazu betreffen Schallempfindungsstörungen das Innenohr, also die Schnecke, wobei das Problem an der Sinneszelle oder beim Hörnerv liegt. Es kann sich aber auch um eine zentrale Hörstörung handeln, die im höheren Alter etwa durch Demenz, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson hervorgerufen wird. Jede Person hat aber früher oder später eine Schallempfindungsstörung, weil unser Sinnesgewebe im Ohr schlussendlich leider einer biologischen Degeneration unterliegt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Schallempfindungsstörungen?

Zunächst muss man herausfinden, wo die Störung überhaupt liegt. Ist die Störung in der Schnecke, am Nerv oder zentral im Hirnareal? Wir als HNO-Ärzte konzentrieren uns in erster Linie auf die Schnecke sowie ein bisschen auf den Nerv und können Hörgeräte anbieten, die das Schallsignal verstärken. Wenn aber eine degenerative Komponente des Gehirns hinzukommt, dann können PatientInnen mit einer Verstärkung nichts anfangen. Mit Hörgeräten oder implantierbaren Hörgeräten können wir die Hörschwelle verbessern, aber es gibt keine Medikamente, die die zentrale Hörleistung und den degenerativen Prozess rückgängig machen können.

Worin liegt der Unterschied zwischen klassischen und implantierbaren Hörgeräten?

Hörgeräte sind physikalische Verstärker des Schallsignals. Der biologische Prozess des Hörens bleibt beim Hörgerät allerdings unverändert. Anders ist das beim implantierbaren Hörgerät, das entweder am letzten oder vorletzten Gehörknöchelchen direkt angekoppelt wird. Dadurch haben wir keinen Übertragungsverlust oder Rückkopplungseffekt und PatientInnen eine verlustfreie Übertragung über den gesamten Frequenzbereich von 200 bis 8.000 Herz. Das ist ein riesen Unterschied! Mit einem implantierbaren Hörgerät kann man das gesamte Klangspektrum einfangen. Das ist mit einem klassischen Hörgerät physikalisch unmöglich, da spätestens ab 2.000 Herz eine Dämpfung auftritt.

Wäre es dann nicht immer besser, zu implantieren?

Nein, überhaupt nicht! Das implantierbare Hörgerät bleibt immer eine Spezialindikation. Viele PatientInnen kommen ja mit konventionellen Hörgeräten gut zurecht. Das implantierbare Hörgerät ist an eine Operation gebunden, die nur von SpezialistInnen durchgeführt werden kann. Es ist kein Massenprodukt, sondern für PatientInnen gedacht, die kein konventionelles Hörgerät tragen können oder davon nicht profitieren. Das betrifft etwa PatientInnen mit speziellen Pathologien im Mittelohr, Latexallergien, nicht gut funktionierenden Gehörknöchelchen oder Fehlbildungen. Diesen PatientInnen können wir damit eine Therapie anbieten und das ist eine sehr gute Sache!

Können auch Menschen im hohen Alter noch von einem implantierbaren Hörgerät profitieren?

Mir ist wichtig, dass wir in Österreich keine Altersdiskrimination durch Alterslimits für implantierbare Hörgeräte haben. Man muss sich aber sehr wohl im Einzelfall überlegen, ob der Eingriff sinnvoll ist. Heutzutage haben wir aber eine hohe Rate an älteren Menschen, die körperlich und geistig fit sind – dann kann eine Operation durchgeführt werden. Der Eingriff selbst dauert zwei Stunden und ist für den Körper aufgrund des kleinen Hautschnitts hinterm Ohr und des kleinen OP-Gebiets nicht sehr anstrengend, obwohl die OP selbst sehr kompliziert ist. Der Krankenhausaufenthalt beträgt drei bis vier Tage und das Gerät wird vier Wochen nach der OP eingeschaltet.

Erhöht sich dadurch auch die Lebensqualität?

Ja natürlich! Wobei Lebensqualität jetzt fast ein bisschen nach Wellness-Medizin klingt. Das ist viel elementarer als Lebensqualität. Das Leben wird für PatientInnen im wahrsten Sinne des Wortes lebenswerter!