Könnte man Osteoporose als Volkskrankheit bezeichnen?

Ja, denn weltweit sind jede dritte Frau und jeder fünfte Mann nach dem 50. Lebensjahr gefährdet. Zu den schwersten Osteoporose-bedingten Frakturen zählen die gelenksnahen Oberschenkel-, z.B. Schenkelhals- und die Wirbelfrakturen. Österreich hat im internationalen Vergleich nach Schweden die höchste Inzidenz an Hüftfrakturen bei Personen nach dem 50. Lebensjahr.

Welche Rolle spielen Vitamin D, Kalzium und die Schilddrüse?

99 Prozent des körpereigenen Kalziums sind im Knochen gespeichert. Nur 1 Prozent ist zum Teil im sarkoplasmatischen Retikulum der Muskelzellen gespeichert und zirkuliert zum anderen Teil im Blutkreislauf. Kalzium ist zusammen mit Phosphor im Hydroxylapatit gebunden, durch welche der Knochen die Festigkeit erhält.

Für die rasche Bereitstellung des Kalziums muss vor allem der im Blut zirkulierende Kalziumspiegel konstant gehalten werden. Geregelt wird dies durch Vitamin D und das Parathormon aus der Nebenschilddrüse.

Da in unseren Breiten Vitamin D nur während der Sommermonate bei ausreichender Exposition und altersabhängig in der Haut hergestellt werden kann, ist eine Supplementierung insbesondere bei älteren Erwachsenen und PatientInnen mit Osteoporose besonders wichtig. Eine ausreichende Kalziumaufnahme durch die Nahrung ist durchaus möglich.

Für Vitamin D ist dies weniger einfach, da die Ernährung in unseren Breiten nur wenig Vitamin D beinhaltet. PatientInnen mit Osteoporose werden 1.000 mg Kalzium und 800 IE Vitamin D täglich empfohlen, bei stark erniedrigtem Vitamin-D-Spiegel  auch höhere Dosierungen.

Welche Maßnahmen kann der Patient ergreifen, um vorzusorgen?

Basis jeglicher Therapie und Vorbeugung ist der Lebensstil. Dazu gehören das Vermeiden von Nikotin, das Vermeiden von zu viel Alkohol, eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium, Proteinen, Vitaminen, eine regelmäßige kurzzeitige Sonnenexposition und ein regelmäßiges Training zur Stärkung der Muskelkraft und körperlichen Leistungsfähigkeit sowie Balanceübungen zur Sturzvermeidung im höheren Alter.

Eine rechtzeitige Risikoabklärung bei Frauen spätestens ab dem 65. Lebensjahr und bei Männern ab dem 70. Lebensjahr wird empfohlen.

Wie sieht der Bedarf von Kalzium aus und wie kann die Ernährung helfen?

Eine regelmäßige Kalziumaufnahme unter 500 mg täglich erhöht beim Erwachsenen das Knochenbruchrisiko. Bei postmenopausalen Frauen und Männern über 60 Jahren werden 1.000 mg Kalzium täglich empfohlen.

Wie sieht Bewegungstherapie für Osteoporose-PatientInnen aus?

Bei Osteoporose-PatientInnen muss die Bewegungstherapie an das Frakturrisiko, die Schmerzsymptomatik und eventuelle funktionelle Einschränkungen adaptiert werden. Wesentliche Ziele sind hier die Erhaltung/Verbesserung der Beweglichkeit und die muskuläre Stabilisierung vor allem der Wirbelsäule zusammen mit der Kräftigung der Rückenstreckmuskulatur.

Was ist eine Sturzprophylaxe?

Aktive Sturzprävention kann durch regelmäßiges Training erreicht werden. Dazu gehören Übungen zur Erhaltung der Gelenksbeweglichkeit, progressives Widerstandstraining, Körperbalanceübungen, Übungen zur muskulären Stabilisierung, Tai Chi, Gehtraining und Tanzen.

Zur Sturzprävention gehören somit ein Muskelaufbautraining für die Beinmuskulatur und Übungen zur Verbesserung der Körperbalance. Bei SeniorInnen mit Osteoporose sollten in regelmäßigen Abständen Sturzassessments bzw. Screenings durchgeführt und entsprechende Interventionen eingeleitet werden.

So beugen Sie Osteoporose vor

Feste, stabile Knochen sind die Voraussetzung für ein sorgenfreies Leben im Alter. Doch unsere Knochen unterliegen einem stetigen Abbauprozess, der in der Regel ab dem 35. Lebensjahr einsetzt. Bis dahin wird, eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D vorausgesetzt, Knochenmasse aufgebaut. Ab dem 35. Lebensjahr aber geht die Knochendichte stetig zurück. Im Extremfall kann es zur gefürchteten Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, kommen. Bei den Über-Fünfzigjährigen sind bis zu 25 Prozent davon betroffen. Doch lässt sich Osteoporose vorbeugen und wenn ja, wie stelle ich das am besten an?

Vorbeugung & Therapie

Die beste Art, Osteoporose vorzubeugen, ist wie so oft die viel besungene gesunde Lebensweise. Wer ausreichend Bewegung macht, hält seine Knochen ausreichend mineralisiert. Auch sollten die üblichen Verdächtigen wie Nikotin, Alkohol, zu viel Kochsalz und zu viel Zucker unbedingt vermieden werden. Ist man jedoch schon von Osteoporose betroffen, kommt es auf eine gezielte Therapie an.

Dabei ist es besonders wichtig, auf eine ausreichende Versorgung mit Kalzium zu achten. Denn Kalzium ist der wichtigste mineralische Baustein des Knochens und sorgt so für die nötige Festigkeit. Als Basis jeder Osteoporose-Therapie gilt die ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D über die Ernährung. Doch für viele Patienten ist es sehr schwer, einzuschätzen, mit welchen Lebensmitteln man wieviel Kalzium tatsächlich aufgenommen hat.

www.kalziumrechner.at

Mit dem Kalziumrechner, der auf dem Smartphone genauso wie auf dem PC genutzt werden kann, lässt sich dieses Problem lösen. Dieses kostenlose und für jeden erhältliche Instrument ermöglicht es Patienten, aber auch den behandelnden Ärzten, eine Übersicht über die Kalziummenge, die mit dem Essen tatsächlich aufgenommen wurde, zu bekommen.

Im Kalziumrechner stehen mehr als 400 typisch österreichische Speisen mit durchschnittlicher Portionsgröße zur Auswahl bereit. Dadurch ist es nicht mehr nötig, die einzelnen Zutaten vor der Zubereitung abzuwiegen und die darin enthaltene Kalziummenge mühsam zu errechnen.

Zu Beginn der Therapie sollte der Kalziumrechner mindestens zwei Wochen lang benutzt werden. Jede konsumierte Speise sollte vom Patienten so genau wie möglich eingetragen werden. Nach diesen zwei Wochen können die Ergebnisse entweder ausgedruckt oder per Email an den Arzt geschickt werden. Diese Daten fungieren dann als Leitlinie, ob der Patient genügend Kalzium zu sich nimmt oder ob eine Kalziumsubstitution nötig ist.