Ein Kommentar von Karl Blecha

Präsident des Pensionistenverbands Österreichs und des Österreichischen Seniorenrats

Die Menschen in Europa werden älter, diese Tatsache lässt sich nicht von der Hand weisen. Wir leben länger und der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt. Diese demographische Entwicklung ist eine große Chance, aber selbstverständlich auch eine gesellschaftliche Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen werden.

Ein längeres Leben bedeutet auch, dass wir länger eine hohe Lebensqualität sichern müssen. Körperliche und geistige Fitness, Lebensfreude und ein stets aktiver Beitrag zum Wohl der gesamten Gesellschaft dürfen nicht nur jüngeren Generationen vorbehalten bleiben.

Aktiv altern heißt Teilhaben am sozialen Leben

Zu lange kniete unsere Gesellschaft vor einem irrationalen Jugendkult, zu lange war Alter ein Synonym für Krankheit und Schwäche. Sehen wir uns nur um: Der Jugendkult ist überflüssig geworden, denn ältere Menschen sind heute kompetenter und lebensfroher denn je. In kaum einem Bereich mehr sind sie zu übersehen, gestalten ihr Leben neu und fordern Teilhabe am sozialen Leben.

Das nicht als Zaungäste, sondern als Protagonisten, als aktiver Teil der Gesellschaft - es vollzieht sich ein fundamentaler gesellschaftlicher Wandel.

"Senioren von heute sind aktiv, vielfältig interessiert und lassen sich in keine Schublade stecken... Gemeinsam mit der Jugend gestalten sie die Zukunft."

Gewonnene Jahre gemeinsam nutzen

Gerade beim Gestalten der neuen Lebensjahrzehnte jenseits der fünfzig, sechzig oder siebzig ist die Aktivität in der Gemeinschaft besonders wichtig. So nehmen in Österreich auch Seniorenorganisationen eine wichtige Rolle ein.

Ihre Bedeutung für die SeniorInnen ergibt sich durch ein breit gefächertes Aufgabenspektrum: Interessenvertretung, Frei- zeit, Sport, Urlaub und vieles mehr – verwurzelt und für jeden erreich- bar in der Stadt und am Land.

Aktiv Altern im Jahr 2012

Die Europäische Union hat nun das „Jahr für Aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ ausgerufen. Ein wunderbarer Grund, ein erster Anstoß, Vorurteile gegen ältere Generationen zu bekämpfen und eine neue Kultur des Alterns zu entwickeln.

In den Medien werden Ältere noch immer Tauben fütternd auf der Parkbank dargestellt, auch die Wirtschaft ist bei «Seniorenteller» und «Seniorenhandy» stecken geblieben. Doch langsam ändert sich diese Sichtweise. Ein neues Selbstbewusstsein des Alters erwacht und mit ihm die ganze Gesellschaft. Es gibt nicht mehr die eine Art von 70-jährigem Mann. Nicht alle 60-jährigen Frauen haben die gleichen Hobbys.

Schon lange bilden lernunwillige und desinteressierte Senioren die Minderheit, sie werden verdrängt von verschiedensten Typen, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Sie definieren ihr Leben selbst, bilden sich weiter und wollen nie aufhören, Neues zu entdecken.

"Egal, ob 60. 70 oder 80 - wir alle wollen ein geistig und körperlich aktiver Teil der Gesellschaft bleiben. Durch Voraussicht und Zusammenhalt zwischen den Generationen wird das gelingen - Jugend und Senioren werden gemeinsam die Zukunft gestalten."

Aktiv altern: Arbeit, Gesundheit, soziale Einbindung

Diese neue Art, alt zu werden, ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Bereicherung für die gesamte Gesellschaft. Ältere Menschen werden in Zukunft noch mehr gebraucht, ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Kompetenz werden im Beruf als auch im sozialen Gefüge immer unverzichtbarer. Das Jahr für Aktives Altern zeigt daher auch auf, wo Politik und Gesellschaft ansetzen müssen.

In der Arbeitswelt braucht es verbesserte Arbeitsbedingungen und altersgerechte Jobs anstatt Diskriminierung von Arbeitnehmern jenseits der fünzig. Um soziale Teilhabe zu ermöglichen, muss Einbindung der älteren Generation in allen Bereichen. Nur durch ein Miteinander werden alle Generationen gestärkt und vereint.

Im Bereich der Gesundheit ist kontinuierliche Verbesserung der Lebensqualität im Alter unabdingbar. Hochwertige Pflege sowie uneingeschränkte medizinische Versorgung muss für alle zugänglich und solidarisch finanziert sein. 2012 ist nur das erste Jahr, das zu einer neuen Kultur des Alterns aufruft, an der sich alle Generationen beteiligen. Wir werden aktiver. Wir werden älter: Freuen wir uns gemeinsam!