Es gibt verschiedene Gründe für den Hörverlust. Lärmbelastung und das Alter sind die häufigsten Ursachen. Dabei stellt der Verlust des Hörvermögens eine natürliche Folge des Alterns dar. (Der Verlust des Hörvermögens ist sogar eine natürliche Folge des Alterns.) Bereits ab dem 40. Lebensjahr nimmt das Hörvermögen kontinuierlich ab. Ab dem 60. Lebensjahr sind bereits die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen von beginnender Schwerhörigkeit betroffen.

„Bei der klassischen Altersschwerhörigkeit betrifft das vor allem die hohen Frequenzen, das heißt die höheren Töne können schlechter gehört werden“, erklärt Univ. Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der HNO-Klinik am AKH in Wien. „Die Ursache dafür sind die kleinen Härchenzellen im Innenohr, welche mit der Zeit langsam absterben, sei es durch mangelnde Durchblutung, Lärmbelastung, Zellstressbelastung oder auch genetische Veranlagung.“

Univ. Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner
Facharzt für HNO-Krankheiten, Vorstand der Univ. HNO-Klinik Wien

Die beginnende Schwerhörigkeit kann oftmals gravierende Folgen für die Betroffenen haben. „Die Schwerhörigkeit bewirkt zunächst eine Sprachverständnisverschlechterung. Weil man die hohen Töne nicht mehr gut hört, kann man die Konsonanten schwerer auseinanderhalten. Es wird anstrengend, einer Unterhaltung zu folgen, besonders wenn noch Hintergrundgeräusche vorhanden sind.“ In der Folge könne es sehr wohl passieren, dass Betroffene sich isolieren und sich von Gesprächen oder Austausch zurückziehen. Die soziale Kommunikation werde geringer, man begebe sich in eine Abwärtsspirale, erklärt Prof. Dr. Gstöttner.

Abhilfe bei Schwerhörigkeit

Die moderne Medizin bietet verschiedene Möglichkeiten, dieser Entwicklung rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Grundsätzlich muss der Patient audiometrisch untersucht werden, wenn Anlass zum Verdacht auf Schwerhörigkeit besteht. „Die Standardbehandlung ist das Hörgerät. Wenn die Untersuchung eine Hörschwäche bestätigt und weniger als 60 – 70 Prozent der Worte im Test verstanden werden, bekommt der Patient ein Gerät mit nach Hause und erfährt erst einmal, wie er damit zurechtkommt.“

Moderne Hörimplantate

Es gibt jedoch Patienten, die sich an das Hörgerät nicht gewöhnen können und sich in der Folge unwohl fühlen. „Wenn Sie sich die Ohren zuhalten und dann etwas sagen, klingt die Stimme schon etwas komisch im Kopf. Das ist das Problem der Hörgeräte, sie verschließen den Gehörgang“, so Gstöttner. Für diese Patienten kommt eher ein Hörimplantat in Frage. Dieses liegt im Knochen hinter dem Ohr und simuliert das Innenohr lauter, der Gehörgang bleibt dabei frei und das natürliche Hören somit bestehen. Für die Operation halte man sich nur wenige Tage in der Klinik auf, die Operation selbst daure nur ein bis zwei Stunden, erklärt Gstöttner.
Bei einer sehr gravierenden Schwer-hörigkeit sieht der Fall noch einmal anders aus, denn dort würde ein normales Hörgerät nicht mehr ausreichen. In solchen Fällen wird ein sogenanntes Cochlea-Implantat, ein vollständiges Hörersatzimplantat, verwendet.  Auch bei Menschen, die ertaubt sind, deren Hörnerv aber noch funktioniert, wird auf diese Methode zurückgegriffen.