Univ. Prof Dr. Ursula Wieder-mann-Schmidt
Vorstand des Impfgremiums und Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien

„Spätestens ab dem 50. Lebensjahr beginnt sich das Immunsystem zu verändern. Es macht, genau wie der Mensch, einen Alterungsprozess durch. Während es im jungen und mittleren Alter gut ausgebildet und stark ist, steigen Infektionen im Alter an“, erklärt Univ. Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Institutsleiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien. „Den flotten, gesunden Rentner gibt es nicht. Und man kann auch sagen, dass generell Infektionskrankheiten im höheren Alter aufgrund der zunehmenden Immunschwäche immer schwerwiegender verlaufen“, sagt Wiedermann-Schmidt. Das zeigen auch die Hospitalisierungsraten.

Einen guten Schutz davor bieten regelmäßige Impfungen. „Denn entgegen des häufigen Vorurteils ist die Impfung nicht nur etwas für Kinder, sondern gehört zu den wirksamsten, kostengünstigsten und sehr nebenwirkungsarmen Prophylaxemaßnahmen in jedem Alter“.

Empfohlende Impfungen

Zu den wichtigsten Impfungen für Senioren zählt die regelmäßige Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung, die in Österreich nach einer kompletten Grundimmunisierung bis zum 60. Lebensjahr alle zehn Jahre, danach alle fünf Jahre aufgefrischt werden sollte. „Die Impftiter sind im Alter niedriger und der Impfschutz hält kürzer an, daher sind regelmäßige Auffrischungen sehr sinnvoll. Ebenso sollte auch regelmäßig gegen Keuchhusten geimpft werden.

Besonders im höheren Alter steigen die Hospitalisierungraten (ähnlich wie bei Säuglingen) durch Keuchhustenerkrankungen deutlich an“, meint Wiedermann-Schmidt. Auch von der Zeckenkrankheit seien ältere Menschen betroffen. Da Österreich zum FSME-Risikogebiet (Frühsommer-Meningoenzephalitis, Hirnhautentzündung durch Zeckenbiss) gehört, sieht der Impfplan eine Routineimpfung alle fünf Jahre und einen kürzeren Intervall ab dem 60. Lebensjahr vor.

Gegen Influenza sollten sich Senioren jährlich impfen lassen. Die Influenza ist nicht nur eine schwere Viruserkrankung, die mit hohem Fieber und wochenlanger Schwäche einhergeht, sie bereitet auch den Weg für sogenannte Sekundärinfektionen, u.a. durch Pneumokokken. Besonders gefährdet sind die ohnehin schon geschwächten Atemwege und gerade bei älteren Personen besteht ein hohes Risiko, eine Lungenentzündung zu entwickeln. Diese kann zur Hospitalisierung oder im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Pneumokokken können, nebst anderen Infektionen, eine Lungenentzündung verursachen.„Die Pneumonieraten steigen ab dem 60. Lebensjahr deutlich an, daher gibt es im österreichischen Impfplan die Empfehlung ab dem 50. Lebensjahr auch gegen Pneumokokken zu impfen.“

Für Impfung sensibilisieren

„In der Regel definiert der österreichische Impfplan klar, welche Impfungen regelmäßig erfolgen müssten. Viele Leute wissen gar nicht, dass es den Impfplan gibt.“ Umso wichtiger sei, dass Ärzte und Apotheker darauf sensibilisiert werden, auch bei älteren Menschen routinemäßig den Impfstatus zu erfragen. Wichtig ist, dass regelmäßig aufgefrischt wird, denn wer länger zuwartet oder erst im späteren Alter mit dem Impfen beginnt, hat eine wesentlich schlechtere Immunantwort und geringeren Impfschutz. Das sollte man in der gesamten Impfstrategie bedenken.