„Kannst Du bitte etwas deutlicher sprechen?“ - eine Frage die immer seltener gestellt wird

Diese Aufforderung älterer Menschen ist meist das erste Anzeichen einer altersbedingten Hörminderung. Häufig hören die Betroffenen zu fragen, ob jemand etwas lauter sprechen kann und ziehen sich immer stärker aus dem sozialen Leben zurück, da sie sich ausgegrenzt fühlen. Die Hörminderung kommt schleichend und deshalb ist das Problem durch lautes und deutliches Sprechen nur vorübergehend gelöst. Letztlich ist es vielleicht sogar das betont laute und deutliche Sprechen, welches das Hörvermögen älterer Mitmenschen noch weiter schwächt. Um dies zu verstehen, ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, wie eine Hörminderung sich entwickelt.


"Ich höre schlecht" - es zählen Lautstärke und Frequenz

Das Ohr ist ein komplexes Organ, in dem einkommende Geräusche verschiedene Stationen durchlaufen, bevor sie als Information im Gehirn ankommen. Von diesen Stationen werden die Geräusche analysiert und auf mannigfaltige Arten bearbeitet. Laute Töne werden problemlos erkannt und erreichen das Gehirn als klare, unmissverständliche Informationen. Leisere Töne erreichen es eher unklar und verstümmelt.

Die Lautstärke ist aber nur ein Kriterium, ein anderes sind Frequenzen. Verschiedene Geräusche und sogar verschiedene Buchstaben werden auf verschiedenen Frequenzen gesendet. Da bei einer altersbedingten Hörminderung zuerst die höheren Frequenzen schlechter wahrgenommen werden, führt dies zu einer nur teilweise veränderten Hörqualität. Einige Worte werden besser verstanden, andere schlechter. Der Betroffene selbst merkt daher gar nicht, dass sein Hörvermögen nachlässt, stattdessen vermutet er eine undeutliche Aussprache seines Gesprächspartners.

Frühe Hilfe bei Hörverlust hilft doppelt

Dieses Problem wird durch eine deutliche Aussprache zwar kurzfristig gelöst, das Hörvermögen lässt dabei aber weiter nach. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass Ohr wie auch Hörvermögen im Gehirn trainiert werden müssen, um leistungsfähig zu bleiben. Indem man älteren Mitmenschen entgegen kommt, erreicht man oft das Gegenteil.

Das Ohr, wie auch die entsprechenden Bereiche im Gehirn, lassen in ihrem Leistungsvermögen weiter nach, da sie nicht gefordert werden. Vergleichbar wäre dies mit einem Menschen mit Sehminderung, der immer größere Buchstaben verwendet, wenn er die kleineren nicht mehr lesen kann. In diesem Fall ist eine Brille die wesentlich bessere Hilfe.

Das gleiche Prinzip gilt bei nachlassendem Hörvermögen und dem Hörgerät. Diese elektronischen Helfer leisten wesentlich mehr, als einfach nur die Lautstärke zu regeln. Sie setzen genau da an, wo es nötig ist. Hörgeräte werden individuell für den Betroffenen angefertigt und eingestellt. Werden nur höhere Frequenzen nicht mehr wahrgenommen, wird dies vom Gerät kompensiert und somit geht es ausschließlich um das vorhandene Defizit. Durch das Hörgerät gleicht das Hörvermögen damit dem eines Menschen ohne Hörminderung. Ohr und Hörvermögen arbeiten nun wieder normal, womit weiteres Nachlassen stark verlangsamt wird.