Ernährung, Atmung, Bewegung, Entspannung, Schlaf – das sind grundlegende Faktoren, die den Zustand des menschlichen Organismus beeinflussen. Im Laufe eines Lebens verschieben sich die inneren Rhythmen und Bedürfnisse immer wieder und führen so zu den spezifischen Anforderungen der verschiedenen Lebensphasen.

Schlaf

Schlechter Schlaf ist nicht zwangsläufig eine ganz normale Alterserscheinung. Es ändern sich einfach die Schlafmuster, der Schlaf wird insgesamt leichter, der Anteil des Tiefschlafs verringert sich. Da aber der Tiefschlaf der wichtigste Bestandteil für die Erholung von Körper und Geist ist, sorgt die nächtliche Einbuße für eine verstärkte Müdigkeit am Tage.
Mit steigendem Alter verändert sich zudem der zirkadiane Rhythmus, also die vom Tag- und Nachtwechsel beeinflusste Steuerung des Stoffwechsels. Die innere Uhr wird beim alternden Menschen abgeschwächt und Schlafzeiten werden zunehmend von der Nacht in den Tag verlegt. Außerdem vollzieht sich im Alter meist ein Wandel von der Eule, also vom nachtaktiven Menschen, zur Lerche, dem Frühaufsteher. Zusätzlich wird der Nachtschlaf häufig durch eine zunehmende Empfindlichkeit gegen Lärm und häufigeren Harndrang infolge von Prostatavergrößerung oder Inkontinenz gestört.

Blasenschwäche

Es ist normal, dass die Kontrolle über die Blase im Alter nachlässt. Veränderungen in der Struktur des Blasenmuskels, Störungen der neurogenen Steuerung sowie alterskorrelierte Veränderungen der Anatomie des unteren Harntraktes sind mögliche Ursachen hierfür. Auch können medikamentöse Nebenwirkungen Auslöser sein. Je nach Ursache wird unterschieden zwischen einer Belastungsinkontinenz, bei der die Schließmuskeln der Blase zu schwach sind und die Blase sich deshalb bei größerem Druck spontan entleert, und einer Dranginkontinenz, die häufig infolge einer Harnwegsentzündung, einer vergrößerten Prostata, eines Nervenleidens oder wegen medikamentöser Nebenwirkungen eine überaktive Blase hervorruft, die vorzeitig das Signal zur Entleerung gibt. Häufig treten auch Mischformen beider Inkontinenztypen auf.

Aller Scham zum Trotz ist ein frühzeitiger Gang zum Arzt ratsam. Einer altersbedingten Inkontinenz vorzubeugen ist möglich, indem Übergewicht vermieden, das Trinkverhalten angepasst und die Muskulatur des Beckenbodens rechtzeitig und regelmäßig trainiert wird. Oft stehen im Alter jedoch medikamentöse Behandlungsmethoden im Vordergrund.

Gelenkschmerzen

Für die Behandlung schmerzender Gelenke ist es wichtig, Art und Herkunft der Schmerzen richtig zu klassifizieren. Akute, plötzlich einsetzende Gelenkschmerzen können durch Verletzungen oder kurzzeitige Überbelastungen beim Sport oder im Alltag ausgelöst werden. Chronische Schmerzen im Gelenk treten bei Erkrankungen wie Gicht, Rheuma, Gelenkentzündungen durch Überlastung bzw. Abnutzung (Arthritis) oder orthopädischen Fehlstellungen auf.
Da der Gelenkknorpel keine Blutgefäße besitzt, muss er über die Gelenksflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt werden. Regelmäßige Bewegung der Gelenke sorgt dafür, dass die nährstoffreiche Gelenksflüssigkeit den Knorpel stetig umspült und damtdessen Rückbildung verhindert. Eine ausgewogene Nährstoffzufuhr ist also auch im Alter zu gewährleisten: mit Kalzium für die Knochen, Magnesium für die Muskeln sowie Antioxidantien. Zu ihnen gehören z. B. Vitamin C und E, die Spurenelemente Selen, Kupfer und Mangan sowie sekundäre Pflanzenstoffe, z. B. Polyphenole und Carotinoide. Auch Omega-3-Fettsäuren sind essenziell für den Schmierstoff der Gelenke.

Nährstoffversorgung

Mit steigendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit vieler Organe ab. Das schlägt sich auch auf die Ernährung nieder: Beispielsweise verringern sich Appetit und Verzehrsmenge wegen einer verlangsamten Magendehnung, länger anhaltender Wirkung von Sättigungshormonen oder auch abnehmender Geschmacks- und Geruchsempfindungen, der Nährstoffbedarf bleibt dagegen aber weitgehend unverändert. Für Kalzium und die Vitamine D, B6, B12 und C sowie für Proteine ist er möglicherweise sogar erhöht, um z.B. altersbedingtem Muskelabbau entgegenzuwirken. Das heißt, das Essen muss ingesamt sogar eine höhere Nährstoffdichte aufweisen.

Altersbedingt nimmt die Produktion von Magensäure, Verdauungsenzymen und dem von der Magenschleimhaut gebildeten Intrinsic-Faktor ab, was die Aufnahme von B-Vitaminen, vor allem Vitamin B12 , aber Vitamin B6 und Kalzium behindern kann. Der regelmäßige Verzehr von Fleisch, Fisch, Eiern oder Milch als Lieferanten der B-Vitamine reicht dann nicht aus. Zusätzlich nimmt die Hautsynthese von Vitamin D deutlich ab und die Aufnahme von Folat aus der Nahrung wird weniger, was Schädigungen an Hirn und Nerven verursachen und das Risiko für Alzheimer erhöhen kann.

Ebenso beeinflusst die Medikamenteneinnahme, in welchem Umfang Nährstoffe verwertet werden können. Häufig verordnete Herzglykoside gegen Herzschwäche können Übelkeit oder Appetitlosigkeit verursachen. Seditativa gegen Schlafstörungen führen oft zu Antriebslosigkeit, Appetitmangel oder Verstopfungen und Abführmittel schädigen die Darmzotten, sodass weniger Nährstoffe aufgenommen werden. Auch können Antirheumatika im Magen-Darm-Trakt zu chronischen Entzündungen führen und dadurch den Appetit stark schmälern oder harntreibende Mittel Mineralien aus dem Körper spülen. Beobachten Sie die Reaktionen Ihres Körpers auf Medikamente und sorgen Sie frühzeitig für einen Ausgleich eventueller Disbalancen.

Nicht zuletzt verursachen altersbedingte Mundtrockenheit bzw. verringerte Speichelbildung, Zahnschmerzen oder schlecht sitzende Zahnprothesen oft Kau- und Schluckbeschwerden, die die Nahrungsaufnahme erschweren. Nüsse, Vollkornprodukte, Fisch, Fleisch und natürlich viel frisches Obst und Gemüse sollten aber auch bei Senioren auf der Speisekarte stehen und brauchen adäquaten Ersatz, falls die Aufnahme, Zerkleinerung und Verdauung im Mund bzw. Magen nicht mehr reibungsfrei ablaufen. Da bei älteren Personen der Organismus weniger effektiv arbeitet, ist es sehr wichtig, trotz vielleicht ausreichender und abwechslungsreicher Kost den tatsächlichen Nährstoffvorrat im Blut regelmäßig zu überprüfen. Möglichen Mangelerscheinungen kann auch unterstützend mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln gegengesteuert werden.