Monika Pinaz, MBA
Fachbereichsleitung Pflege und Betreuung des Fonds Soziales Wien

Betreutes Wohnen: Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen?

Ein altes Sprichwort lautet: Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Ähnlich verhält es sich mit alten Menschen. Doch was passiert, wenn man mit zunehmendem Alter eingeschränkt ist und nicht mehr so kann, wie man vielleicht möchte?

Für die österreichische Gesellschaft ist der demografische Faktor inzwischen eine große Herausforderung. Schon jetzt beträgt nämlich der Anteil der Österreicherinnen und Österreicher, die über 65 Jahre als sind, mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, 2050 wird es fast ein Drittel sein.

Derzeit werden rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in ganz Österreich zu Hause von ihren Angehörigen betreut. Doch was passiert, wenn das nicht funktioniert?

Wie lange kann man im eigenen Zuhause bleiben und auf betreutes Wohnen verzichten?

Monika Pinaz, Fachbereichsleiterin für Pflege und Betreuung beim Fonds Soziales Wien, betont, dass jeder Mensch so lange wie möglich in der privaten, häuslichen Umgebung verbleiben können soll. Eine mobile Versorgung sei – soweit es der Gesundheitszustand zulasse - immer einer stationären Betreuung vorzuziehen.

Viele Betreuungs und Pflegeleistungen, die bei vielen Anbietern modulartig bezogen werden können, helfen dabei das Leben in den eigenen vier Wänden so angenehm wie möglich zu gestalten. „Hierzu gehören Leistungen wie „Essen auf Rädern“, Wäschedienste, Hauskrankenpflege, Heimhilfe sowie Besuchs- und Begleitdienste.

Letztere unterstützen die alten Menschen bei Arzt- oder Friedhofsbesuchen, bei Behördengängen oder auch beim Besuch kultureller oder gesellschaftlicher Events“, erläutert Pinaz. Wichtig bei allen Angeboten sei, neben der bedarfsgerechten Pflege und Betreuung keine Vereinsamung der alten Menschen zuzulassen.

Betreutes Wohnen und die unterschiedlichen Wohnformen

Grundsätzlich unterscheidet man in der Betreuung von älteren Menschen zwischen Wohnen in Betreuten Wohngemeinschaften und dem Betreuten Wohnen für Seniorinnen und Senioren in Wohn- und Pflegehäusern.

„Die Nähe zum alten Wohnquartier, die gewohnte Umgebung ist für alte Menschen sehr wichtig.“

Darüber hinaus existieren weitere Leistungen, die zwischen mobiler und stationärer Betreuung liegen. „Bei diesen sogenannten teilstationären Angeboten, beispielsweise in geriatrischen Tageszentren, werden außerhalb der eigenen Wohnung ergänzend zu den mobilen Diensten Leistungen angeboten. Das dient auch der Entlastung der pflegenden Angehörigen. Die Tageszentren können unterschiedlich häufig, je nach individuellem Bedarf, in Anspruch genommen werden“, erklärt Frau Pinaz.

Betreutes Wohnen wird immer mehr an die Bedürfnisse von Senioren angepasst

Wenn das Leben in der eigenen Wohnung nicht mehr so richtig funktionieren will, dann bieten sich beispielsweise betreute Seniorinnenwohngemeinschaften oder auch  Pflegeplätze als alternative Möglichkeiten an. In Österreich leben inzwischen etwa 65.000 alte und hochbetagte Menschen in rund 700 Senioren- und Pflegeheimen. Die offerierten Betreuungsformen reichen vom selbstständigen Leben im eigenen Appartement über das Betreute Wohnen bis hin zur Pflege rund um die Uhr.

Vor allem in den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Pflege- und betreuten Wohnplätzen deutlich an, während die Nachfrage nach reinen Wohnplätzen abnahm.  Inzwischen ist man in Wien von großen Pflegeeinrichtungen übergegangen zu wohnortnahen, kleineren Einheiten.