Unsere Ohren sind ständig auf Bereitschaft. Man kann sagen: sie sind pausenlos aktiv. Ein Leben lang, täglich von 0 – 24 Uhr. Unsere Ohren fangen Schallwellen auf und wandeln sie in Informationen um. Das Gehirn interpretiert diese Informationen dann als Musik und Sprache. Ein gutes Gehör ist deshalb auch Voraussetzung für eine altersgemäße sprachliche und geistige Entwicklung. Die Früherkennung eines möglichen Hörverlustes ist deshalb ganz besonders wichtig.

Ein plötzlicher Hörverlust kann jeden Menschen treffen. Die Ursachen dafür sind unterschiedlichster Natur.

Betrachtet man die Ursachen eines möglichen Hörverlustes, so lohnt es sich die Aufmerksamkeit auf den Schall zu richten. Was ist Schall? Der Schall ist im Wesentlichen das Resultat langsam oder schnell vibrierender Druckwellen. Über Gehörknöchelchen erreichen die Schwingungen des Schalls letztlich unser Innenohr. Dort befindet sich die sogenannte „Hörschnecke“ („Cochlea“). Diese spielt im Hörprozess eine zentrale Rolle: die Cochlea wandelt mechanische Energie der Schallwellen in komplexe Signale um.

Diese werden wiederum über den Hörnerv ins Gehirn weiter geleitet usw. Eine Reihe weiterer Ereignisse werden ausgelöst. Um sich nicht zu sehr in wissenschaftliche Details zu verlieren, nur eines: tritt in der Kette dieser Ereignisse ein Defekt auf, so entsteht eine Form von Hörverlust. Von leichter bis schwerwiegender Beeinträchtigung - bis hin zum Hörverlust.

„Altersbedingter Hörverlust betrifft uns alle irgendwann“

„Hören ist eine Hirnleistung“, betont Thomas Keintzel, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen am „Klinikum Wels-Grieskirchen“ in Oberösterreich. „Das Ohr gilt als Vermittler von Informationen, erst das Gehirn macht etwas daraus“. Bei Hörproblemen oder Schwerhörigkeit kommt es deshalb vor allem zu einem Informationsdefizit. Dies lässt sich beispielsweise mit einem Hörgerät behandeln. „Wenn die Verarbeitung im Gehirn nicht funktioniert, hilft aber auch kein Hörgerät mehr“, gibt Keintzel zu bedenken.

Ein plötzlicher Hörverlust kann jeden Menschen treffen. Die Ursachen dafür sind unterschiedlichster Natur. „Altersbedingter Hörverlust betrifft uns alle irgendwann“, so Thomas Keintzel. Generell unterscheidet man drei Arten von Hörverlust: im Außen-, Mittel- oder im Innenohr. In einigen Fällen ist nur ein Ohr betroffen, manchmal auch beide Organe. Entweder handelt es sich um eine vorübergehende Störung oder um ein chronisches Leiden.

Bei Jugendlichen ist Lärm beispielsweise die häufigste Ursache für Schwerhörigkeit  - Stichwort: zu laute Musik via MP3-Player oder Handy. Bei 50 % aller über 60jährigen besteht eine „Mischform“: aus zentraler Verarbeitungsminderung und peripheren Defizit. Ältere Menschen brauchen generell ein deutlicheres Sprachsignal. Eine altersbedingte Hörminderung fällt speziell in einer geräuschvollen Umgebung auf: in einem lauten Lokal oder bei einer Party, wenn mehrere Leute durcheinander sprechen.


„Cochlea-Implantat“ ersetzt sogar ein Sinnesorgan

Ab wann empfiehlt sich ein Hörimplantat? „Das muss man differenzierter betrachten“, erläutert HNO-Experte Keintzel. „Für physiologische Altersprozesse braucht es ein Hörgerät und kognitives Training. Menschen, die über viele Jahre einen Hörverlust haben, die so schlecht hören, dass auch kein Hörgeräte mehr hilft, brauchen eine Innenohrprothese - sprich ein Hörimplantat.“ Eine Reihe von Studien belegen: nicht behandelte Hörminderung, über einen längeren Zeitraum, führt zu sozialen Problemen: dazu zählen Depression und erhöhtes Misstrauen ebenso, wie geistiger Abbau und im weitesten Sinne sogar Demenz.

Mit einem „Cochlea-Implantat“, einer Elektrode, die ins Innenohr eingebracht wird, können die zerstörten Haarzellen ersetzt werden. „Dieses Implantat ist das einzige, künstlich eingepflanzte Material, dass sogar ein Sinnesorgan ersetzen kann“, zeigt sich der Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen am „Klinikum Wels-Grieskirchen“ von der Entfaltungskraft beeindruckt. Gerade für ältere Menschen (80+) ist es deshalb wichtig, rechtzeitig ein Implantat zu setzen, um wieder besser sozial integriert zu werden.

Und: um wieder neu hören zu lernen. Denn: Hören mit einem Implantat entspricht nicht dem natürlichen Hören. Anfangs hört man ein Rauschen. Patienten, die mit einem Cochlea-Implantat versorgt werden, müssen das neue Hören üben. Beim Hörtraining helfen auch Logopäden und Pädagogen mit. Anders als in Deutschland, gibt es in Österreich jedoch noch kein stationäres Reha-Zentrum. „Wir arbeiten hier an einem speziellen Reha-Programm“, sagt Keintzel.

„Zugewinn an Lebensqualität“

Wie sicher ist eine Implantat-Operation? „Der Eingriff hinter dem Ohr ist keine große Angelegenheit, wie bei Bauch oder Brust“, betont Primar Keintzel. „Das OP-Risiko ist gering und in Summe vertretbar.“ Hie und da tritt danach ein wenig Schwindel auf, der aber rasch abklingt. „Die Wundheilung ist nach rund 10 Tagen abgeschlossen. Dann schaltet man das Gerät ein und der Anpassungsprozess läuft an.“ Motto: Je intensiver das Training, desto besser das Ergebnis.

Auf die Frage, was der größte Vorteil eines Hörimplantates ist, lautet die klare Antwort: „Der Zugewinn an Lebensqualität“.