Es gibt 80-Jährige, die sich noch sehr aktiv am Leben beteiligen, andere sind in diesem Alter bereits auf Hilfe angewiesen. Woran liegen diese unterschiedlichen Verläufe des Alterns?

Es gibt eine genetische Veranlagung, die nicht für jeden gleich ist und natürlich auch schicksalhafte Erkrankungen. Aber einen wesentlich größeren Anteil haben Lebensstil und die eigene, positive Einstellung.

Prim. Dr. Katharina Pils
Geschäftsführende Präsidentin, Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontolgie, SMZ – Sophienspital, Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation

Menschen, die nicht rauchen, sich bewegen, geistig fit halten, Freundschaften pflegen und vernünftig ernähren, haben einfach ein wesentlich besseres Alterungspotenzial. Wichtig ist es auch, unbehandelte chronische Entzündungsprozesse zu vermeiden – etwa durch gute Zahngesundheit.

Wie sollte ich mich bewegen, um im Alter gesund und selbstständig zu bleiben?

Wenn man gut alt werden will, bleibt einem bewusste Bewegung nicht erspart. Zwei- bis dreimal in der Woche sollte die Ausdauer trainiert werden: flottes Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking, Gartenarbeit oder Schwimmen. Zweimal in der Woche sollte das mit Krafttraining ergänzt werden. Das bedeutet nicht unbedingt, ins Fitnessstudio zu müssen. Auch zuhause kann man mit kleinen Hanteln und Gewichten effizient trainieren.

Hat das auch einen positiven Effekt für die Sturz- und Verletzungsprävention?

Auf jeden Fall. Gerade zur Sturzprävention empfiehlt sich auch ein zusätzliches Balancetraining. Es gibt sehr gute wissenschaftliche Daten dazu für Tai Chi, aber auch Tanzen wirkt sich positiv aus. Stehen Sie jeden Tag eine Minute auf einem Bein, etwa beim Zähneputzen, dann haben sie schon viel für Ihre Koordination getan.

Gerade im Winter sind Stürze eine Gefahr. Was muss ich als älterer Mensch im Winter besonders beachten?

An erster Stelle steht die vernünftige Kleidung – besonders für ältere Menschen ist es wichtig, warm angezogen zu sein, aber nicht unter vielen Schichten zu schwitzen. Das gelingt am besten mit funktioneller Kleidung. So kann man, auch wenn es kalt ist, draußen spazieren gehen – bei Schnee eventuell mit Stock oder Spikes an den Schuhen.

In der Ernährung sollte man besonders auf Vitamin C, Vitamin D und Eiweiß für die Muskulatur und die Knochengesundheit setzen.

Wie bemüht man sich am besten um geistige Fitness?

Neugierig sein. Immer wieder versuchen, etwas Neues zu lernen – das kann eine Sprache sein oder Reisen in neue Länder. Passiv vor dem Fernseher zu sitzen, ist auf jeden Fall nicht günstig. Wir haben eine Studie mit über 80-jährigen Schachspielern gemacht, die im Vergleich zu Gleichaltrigen nicht nur geistig, sondern auch körperlich fitter sind und weniger stürzen. Wir vermuten, dass das am wesentlich besseren räumlichen Vorstellungsvermögen liegt.

Ist gesundes Altern also auch eine Frage der Einstellung?

Die soziale Integration und viele Beziehungen – auch möglichst zu jüngeren Menschen – spielen eine große Rolle. Hier sollten die Generationen einen großen Schritt aufeinander zu machen. Das wird aber nicht funktionieren, wenn ich immer nur jammere oder mich ausschließlich auf meine Einschränkungen konzentriere. Die Frage ist: Wie bekomme ich eine gute und positive Einstellung zum Leben und behalte auch meinen Humor. In Wirklichkeit muss man das bereits viel früher üben. Ich kann nicht mit 90 Jahren aufwachen und sagen: Heute bin ich positiv.