Zunehmend mehr Gemeinden und deren Einrichtungen, sind auf entsprechende Fachkenntnisse angewiesen. Denn für diese ist vor allem wichtig, wie sich der demografische Wandel langfristig auf den Energieverbrauch, die Infrastruktur und den Wohnungsbau auswirkt.

Die Wirtschaft versucht immer noch auf zwei Pferde gleichzeitig zu setzen, einerseits auf die Jungen und Modernen - das ist die Wirtschaft doch ihrem Image schuldig – anderseits auf die Menschen in der Mitte des Lebens und darüber, da diese meist finanziell bereits abgesichert und für höhere Investitionen gut sind. Als Beispiele können hier vor allem die Automobilindustrie, Reiseveranstalter sowie die  Kosmetik- und Fitnessbranche genannt werden. Das Traurige daran ist, dass sich noch immer viele Unternehmen schämen, für älteres Klientel da zu sein und diese als Zielgruppe in ihren Fokus erfasst zu haben.  

Mamdsharif Makhmudov

Geschäftsführer der Z&K Messen & Kongresse GmbH

Mit 60 Jahren jung sein

Kurioserweise werden speziell geschaffene Seniorenhandys zum Beispiel von der ihr zugedachten Zielgruppe nur schlecht angenommen. Ganz im Gegenteil, über 90 Prozent der über 60-Jährigen besitzen ein oder mehrere Handys und 50 Prozent davon bereits ein Smartphone. Auch das Internet wird von dieser Zielgruppe zu 50 Prozent bereits täglich genutzt.

Wir sollten uns heute fragen, wer sich dem Begriff „Senioren“ überhaupt zugehörig fühlt. Das überraschende Ergebnis ist folgendes: Erst Menschen ab 75 Jahren beginnen sich hier selbst als Senior zu fühlen. Und das ist auch ganz natürlich. Denken Sie an die reifen Jahrgänge, die kaum genügend freie Zeit besitzen, weil diese ihre Tage mit unterschiedlichen Terminen vollgestopft haben. Und dazu gehören Golf- oder Tennisstunden, regelmäßige Jour-fixes mit Freunden, um aktuelle Themen zu diskutieren usw. Für langes Schlafen am Sonntag bleibt da keine Zeit.

Ab 60 aufwärts geht der Trend in Richtung Selbstvorsorge. Wellness dient bei dieser wachsenden Zielgruppe also gesundheitlichen Zwecken. Es ist an der Zeit, sowohl bei Planung und Bau als auch beim Marketing von Wellnessanlagen die besonderen Bedürfnisse älterer Gäste zu berücksichtigen, wie etwa mit Barrierefreiheit, angepassten Lichtverhältnissen und passender Werbung. 

 

Arbeiten als Aktivität

Wenn man sich die Bevölkerungspyramide ansieht, erkennt man, dass uns eine Fachkräfte- und Expertenknappheit bevorsteht. Die Firmen tun daher gut daran, das zu nutzen, was sie jetzt haben. Zumal Senioren im Unternehmen eine wesentlich höhere Motivation aufweisen als jüngere Mitarbeiter: Eine Erhebung der Statistik Austria zeigt deutlich, dass der häufigste Grund, auch in der Pension weiterzuarbeiten, Freude und Interesse an der Arbeit sind.

„Der moderne Senior ist sportlich, aktiv und dynamisch.“

Einbringen können die ehemaligen Mitarbeiter ihr Wissen beispielsweise bei Produkttests und in der Qualitätssicherung. Auch in der Kontaktpflege und im Lobbying haben Ältere einen Startvorteil: Ihre in langen Berufsjahren aufgebauten Kontakte kommen ihnen bei der internationalen Vermittlung oder bei Messen zugute.

Gerade Firmen, die eine ältere Kundenschicht ansprechen, könnten von ihren eigenen Senioren profitieren. Ehemalige Mitarbeiter könnten beispielsweise in der Beratung tätig sein oder ein neues Produkt ausprobieren. Das vermittle den Ehemaligen nicht nur das Gefühl, dass sie noch gebraucht werden, sondern koste auch weniger als ein externes Unternehmen, dem noch dazu das Insiderwissen fehlt. 

Die Wissenschaft hat sich bisher zu wenig mit dem Altern unserer Gesellschaft beschäftigt. Hier besteht ein Defizit an Forschung und Fachwissen. Im Kern geht es darum, wie wir die Produktivität unserer älter werdenden Gesellschaft gezielt fördern.“