Die ersten Anzeichen für Demenz

„Wo habe ich nur meinen Schlüssel gelassen?“ – „Wo wollte ich hingehen?“ – „Wie hieß der Mann eben, den Sie mir vorgestellt haben?“ Schon viele haben sich diese Fragen hin und wieder gestellt. In witzig gemeinter Lockerheit wird dann vom Gesprächspartner eingewendet: „Na, hast Du Alzheimer?“ 

In einer zunehmend komplexen Welt ist Vergesslichkeit ein Phänomen, das schon mal auftreten kann. „Solange sich dies im gewohnten Rahmen hält, kann man Entwarnung geben“, erläutert Universitäts-Professor Dr. Peter Dal-Bianco, Leiter der Spezialambulanz für Gedächtnisstörung an der Universitätsklinik, MUW, am Wiener Allgemeinen Krankenhaus.

„Unter Demenz versteht man Beeinträchtigungen in sozialen und berufl ichen Bereichen in Folge eingeschränkter kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten die länger als sechs Monate bestehen. Das wichtigste Erstsymptom ist die Gedächtnisstörung“, fährt der Professor fort.

Das Alter ist der größte Risikofaktor für Demenz

„Dabei“, so Dr. Dal-Bianco „ist das Alter der stärkste Risikofaktor für die Demenz. Bei den 60- bis 70-Jährigen leiden weniger als drei Prozent an Demenz, während über 90-Jährige zu etwa einem Drittel daran erkrankt sind. Heute zählen wir 100.000 Demenz-Patienten in Österreich, darunter etwa 70.000 Alzheimerpatienten. Bis zum Jahr 2050 werden etwa 250.000 Demenzpatienten in Österreich leben - eine Zunahme, die auf den demografischen Faktor und die zunehmende Lebenserwartung zurückzuführen ist.“

Was unterscheidet Demenz von Alzheimer?

„Alzheimer ist eine Form der Demenz. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den sogenannten primären Formen, die am häufigsten auftreten und auf 90 Prozent aller Demenzfälle bei über 65-Jährigen ausmachen. Dabei liegen neurodegenerative oder vaskuläre Veränderungen vor. Wir unterscheiden, ob die Nervenzellen des Gehirns „degenerieren“, also ohne äußerlich erkennbare Ursache untergehen – wie bei der Alzheimer-Krankheit – oder ob sie etwa wegen Durchblutungsstörungen schwere Schäden erlitten haben. Dies wird als vaskuläre Demenz bezeichnet.

Verschiedene Formen der Demenz

Mit zunehmendem Alter treten übrigens häufig Mischformen auf“, erläutert Dal-Bianco im Mediaplanet-Gespräch. Gegen die degenerative Form der Demenz kann man sich kaum schützen, wohl aber den klinischen Verlauf beeinflussen. „Bleiben Sie neugierig, egal bei welchem Thema. Ob das die Beschäftigung mit einem Hobby, Interesse für Sport, Kunst, Musik  - am besten mit anderen Menschen in Gesellschaft - dadurch bleibt Ihr Gehirn aktiv. Bei den körperlichen Aktivitäten gehören Tanzen, Wandern und Schwimmen zu den Tätigkeiten, die der Gesundheit förderlich und risikomindernd sind, was den klinischen Beginn und den Verlauf der Alzheimer betrifft.“

Zudem gehöre eine gesunde Ernährung mit reichlich Gemüse, insbesondere Blattgemüse, zumindest zweimal wöchentlich Fisch sowie ein abendliches Glas Wein (250ml) zu den Risiko minimierenden Faktoren, erläutert der Universitätsprofessor. Natürlich gehe es auch darum bestimmte Risikofaktoren zu beachten. Dazu gehörten u.a. Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Blutfette und Herzerkrankungen.

Wie funktioniert der Kurztest für Demenz?

Entdeckt man Symptome von starker Vergesslichkeit an sich, so ist der wichtigste Ansprechpartner zunächst der Hausarzt. Professor Dal-Bianco: „In einem Kurztest prüft er Orientierung, Gedächtnis, Merkfähigkeit, Rechnen, Sprache. Junge und gesunde Menschen absolvieren diesen Test in wenigen Minuten. Falls aber weniger als 27 von 30 Punkten erreicht werden gilt es in weiterer Folge die Ursache abzuklären, ob beispielsweise eine neurodegenerative Erkrankung wie Alzheimer, eine gefäßbedingte Hirnschädigung, eine Hirnblutung oder eine andere, möglicherweise interne Ursache, vorliegen.“