Das Tückische einer Hörminderung ist, dass sie schleichend einsetzt. Zunächst bleiben bestimmte Laute und Töne, dann Buchstaben ungehört. Später fehlen halbe Wörter, halbe Sätze, halbe Gespräche. Doch wer nicht mehr alles hört, der versteht auch nicht mehr alles. Missverständnisse kommen auf, die den Alltag komplizieren.

Jeder fünfte Österreicher, so wird geschätzt, ist davon betroffen. Wobei die Hörminderung keine Alterserscheinung ist: Sie setzt durchaus auch in jüngeren Lebensjahren schon ein.

Nicht hören – Nicht verstehen – Nicht mitreden – Nicht dabei sein

Oft geht eine sich unerkannt einschleichende Hörminderung mit einem sozialen Rückzug einher, denn sie beschränkt die zwischenmenschliche Kommunikation. Wer weniger hört und versteht, der redet weniger mit und wird entsprechend weniger gehört. Wer weniger gehört wird, fühlt sich ausgeschlossen oder schließt sich selbst aus, um weiteren, teils unangenehmen Missverständnissen vorzubeugen. Soziale Isolation gilt als Risikofaktor für Demenz.

Hören – Verstehen – Mitreden - Dabei sein

Studien, darunter auch über Jahrzehnte hinweg erhobene, aus Frankreich, Australien, den USA und Großbritannien belegen Zusammenhänge zwischen Hörminderung, unerkannter Schwerhörigkeit, Demenz und geistigem Verfall.

Und auch wenn das Zusammenwirken von Demenz und Hörminderung noch genauer untersucht werden muss, vermuten Forscher, dass das Gehirn sich bei einer Hörminderung sehr anstrengt, um sich aufs Hören zu konzentrieren und das verminderte Hören auszugleichen. Diese große Anstrengung führt dann dazu, zugleich andere Hirnfunktionen zu vernachlässigen. Frank Lin, Professor am Fachbereich Otology der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore (USA) fand heraus, dass das Demenzrisiko mit der Stärke des Hörverlusts überproportional wächst.*

Frühzeitiger Hörtest zeigt Hörminderung auf

Das sich einschleichende Wesen der Hörminderung macht es schwer, ihr schnell auf die Schliche zu kommen. Erste Anzeichen dafür können sein:

  • Hörprobleme beim Telefonieren, Fernsehen oder Radiohören, bei Unterhaltungen in unruhiger Umgebung (Familienfeier, Restaurant, laute Straße)
  • Hören macht sich als Anstrengung bemerkbar, die einen erschöpft
  • Hören wird schwierig, wenn man die sprechende Person nicht direkt anschauen kann

Ein Hörtest gibt Aufschluss über das aktuelle Hörvermögen und ist der erste Schritt zu professioneller Hilfe.

Hörgerät beugt Demenz vor

Ein modernes Hörgerät verhilft den von Hörminderung Betroffenen zu besserem Gehör. Das Gehirn wird so entlastet und ein Risikofaktor für Demenz entschärft. Mit dem verbesserten Hören wächst das Verständnis und damit die Fähigkeit zur Kommunikation, zur Teilnahme an Gesprächen sowie am alltäglichen Leben. Das Hörgerät quasi als Sozialisierungsmittel und so dem sozialen Rückzug beziehungsweise Ausschluss entgegen. Ein zweiter Risikofaktor für Demenz wird damit entkräftet.