Assisted Living betrifft viele Bereiche des Alltags, um ein unbeschwertes Leben von älteren Menschen in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dabei geht es aber nicht darum, frühzeitig Kompetenzen wegzunehmen, sondern um Kommunikation und Reaktion mit Hilfe innovativer Technologien. 

Dipl-Ing. Dr. Michaela Fritz vom AIT, Austrian Institute of Technology, im Gespräch über neue technologische Entwicklungen im Bereich von Assisted Living, die stets zu Ihren Diensten sind. 

 

Was kann man sich unter Assisted Living vorstellen? 

Der Bereich umfasst Methoden, Dienstleistungen oder Konzepte, die den Lebensalltag unterstützen, um älteren Menschen ein selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen. Assisted Living hat zwar den Anspruch des Universal Designs, das sämtliche Bevölkerungsgruppen umfasst, aber derzeit gibt es eine große Nachfrage in der höheren Altersgruppe. Der Markt umfasst eine vielfältige Palette an Produkten wie Steighilfen oder Treppenlifte, aber der Fokus im technologischen Bereich liegt auf integrierten und intelligenten Systemen, die kommunizieren und reagieren können. Die gesteigerte Lebenserwartung der ÖsterreicherInnen bringt auch neue Anforderungen an die Wohnumgebung mit sich. Dabei geht es nicht darum, Kompetenzen frühzeitig wegzunehmen oder soziale Interaktionen zu ersetzen, sondern begleitende Technologien in den Alltag miteinzubinden. Das wesentliche Ziel ist die Erhöhung der Lebensqualität im Alltag. Es geht um die Vermittlung von Sicherheit und das Leben dadurch auch befreiter gestalten zu können. Bei einem Sturz beispielsweise können spezielle Systeme, wenn der Betroffene nicht wieder aufsteht, Angehörige oder auch Pflegepersonal alarmieren.

 

Dipl.-Ing. Dr. Michaela Fritz

Head of Health & Environment Department, AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Foto: © Krischanz Zeiller/AIT

Gibt es auch Förderungen von der öffentlichen Hand für die Anschaffung von unterstützenden Technologien und Systemen oder sind die Kosten alleine zu tragen? 

In Richtung barrierefreies Wohnen gibt es bereits Förderungen, welche in die Zuständigkeit der jeweiligen Länder fallen, aber es fehlt das große Konzept für die Finanzierung von Ambient Assistent Living (AAL)-Systemen, vor allem wenn es sich um innovative Technologien handelt, die hauptsächlich im privaten Sektor stattfinden.  Hier müssen noch wichtige gesetzliche Rahmenbedingungen um Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre, aber auch in der Erstattungsthematik geschaffen werden.

 

Auf welche Kriterien sollte bei der Anschaffung geachtet werden, gibt es auch dementsprechende Gütesiegel, die über die Qualität aussagen? 

Es gibt zwar sehr viel im Bereich Normen, im Bereich Bauen oder Siegel für die Qualität von Pflegeheimen, aber ein Gütesiegel für Technologien oder Mobile Devices im Bereich Assisted Living gibt es noch nicht. Grundsätzlich sollte man sich bei der Anschaffung über die Bedürfnisse klar sein, bevor ein System begleitend und unterstützend wirken kann.

 

Passiert in Österreich auch genug im Ausbildungsbereich, um mit neuen Technologien umgehen zu können? 

Absolut, insbesondere verschiedene FHs  haben bereits neue Lernkonzepte in ihr Curriculum aufgenommen, die aus unterschiedlichen Bereichen wie Rehabilitation oder Pflege kommen. Ein weiterer spannender Punkt ist weiters, wie bereits ausgebildetes Pflegepersonal sich dem neuesten Stand der Technologie widmen und in die tägliche Arbeit miteinbinden kann. Im Visionsprozess wurde auch von speziell geschulten Coaches gesprochen, die Menschen in bestimmten Bereichen begleiten und unterstützen, dieses Konzept liegt aber noch in ferner Zukunft. Wenn es um vorausdenkendes Planen von barrierefreien Wohnbereichen geht, wäre es sinnvoll, auch die Bauindustrie mehr in diesen Prozess miteinzubinden, was derzeit noch fehlt. 

 

Gibt es in Österreich ein spannendes Projekt mit Assisted Living - Systemen, über das Sie kurz erzählen könnten? 

Es wird derzeit ein Modularprojekt im Burgenland durchgeführt, wobei innovative Möglichkeiten in über 50 Wohnungen getestet und integriert werden, die Gesundheit, Komfort, soziale Interaktion und Sicherheit verbinden. Wir haben bereits sehr positives Feedback beispielsweise zur Essensbestellung über das Tablet bekommen. Das Projekt unterstützt die vordergründigen Bedürfnisse von älteren Menschen mit intelligenten Systemen, und Technologien sind dabei kein Hindernis, sondern ermöglichen barrierefreies und modernes Wohnen im Alter.