Martha Laschkolnig
Die als Martha Labil bekannte Künstlerin und Clownin wurde heuer mit dem Stella Theaterpreis in der Kategorie „Herausragende Produktion für Kinder“ ausgezeichnet.

Warum ist Kunst für Kinder so wichtig?

Das kommt natürlich darauf an, wie man Kunst definiert. Für mich ist das etwas ganz Natürliches, eine Art Lebenshaltung. Diese Herangehensweise, dass man trotz gesellschaftlicher Regeln, die den Rahmen bilden, Dinge auf sich zukommen und einwirken lässt. Dass Dinge in einem entstehen dürfen ohne sich ständig von anderen leiten zu lassen.

 

Ihr letztes Clowntheaterstück für Kinder ab 3 Jahren „Martha im Koffer“ wurde heuer international ausgezeichnet. Wie können wir uns solch ein Stück vorstellen? Ein Clown wie wir ihn aus dem Zirkus kennen?

Ich erfülle das Klischee eines typischen Clowns nicht. Ich hab keine rote Nase, ich lache nicht „hahaha“, ich mache keine aufgelegten Witze. Es geht vielmehr darum, wie viel kann man aus einem kleinen Moment schaffen und wie lang kann man das in die Länge ziehen. Und ist es immer noch angenehm und wie schön kann das sein, oder wie kann etwas extrem Banales trotzdem herzlich sein. Ich arbeite mit ganz kleinen, feinen Gesten und Verdrehungen, Ideen und Bildern, die Kinder und Eltern unterschiedlich berühren. Irrsinnig schön finde ich es, wenn beide zufrieden sind und gemeinsam etwas Schönes erlebt haben. Wenn ich spiele, hole ich ganz spontan Kinder aus dem Publikum und sage ihnen nicht, was sie machen sollen. 

Die schauen dann erst einmal à la „Oho, was mach ich hier überhaupt?“. Dann lasse ich ihnen den ersten Schritt und lenke sie, ohne sie zu zwingen, in die Richtung, in der sie mir etwas zum Weiterspielen geben. Und wenn sie diese Sicherheit spüren, dass sie diesen Raum haben, dann entsteht etwas Gemeinsames.

 

„Uns haben sie ja noch eingeredet, dass man in die Waschmaschine schauen kann zum Fernsehen.“

 

Was können Eltern Ihrer Meinung nach tun, um die Kreativität ihres Kindes zu fördern?

Ich glaube, es ist am Wichtigsten ihnen Platz zu geben. Wenn sie selbstständig sein sollen, muss man sie auch alleine lassen können mit bestimmten Sachen. Man kann ihnen Ideen oder Ansätze zeigen, zum Beispiel beim Papier falten. Dann kann man Papier und Kind aber auch einfach ein bisschen alleine lassen. Viel erklären muss man da nicht. 

Jeder, vor allem Kinder, können einfach so viel sehen und dem braucht man nur Raum geben. Uns haben sie ja noch eingeredet, dass man in die Waschmaschine schauen kann zum Fernsehen. Also ich hab´s gemacht, ich kenne viele, die das gemacht haben. Und jetzt lässt man ein Kind nicht vor der Waschmaschine sitzen, weil vielleicht hat es ja einen Fehler.