Was macht für Sie Selbstbestimmung aus?

Als verheirateter Mann, der ich seit 61 Jahren bin, gibt es keine effektive Selbstbestimmung. Im Endeffekt bestimmen wir nämlich beide gemeinsam. Meine persönliche Selbstbestimmung ist, dass ich frei sein möchte – gesellschaftlich und politisch. Und das ist ein richtig wunderbares Lebensgefühl.

Hat sich das Gefühl der Selbstbestimmung im Laufe Ihres Lebens verändert?

Früher hat mich das Theater total ausgefüllt. Den Drang zum Theater hatte ich schon seit meiner Kindheit. Dass ich diesen Beruf dann tatsächlich ergreifen konnte, war das Wesentlichste, was ich für mein Leben bestimmt habe. Am Beginn unserer Ehe dachte ich, dass das Theater an erster Stelle stehen sollte, danach die Frau und dann eine gewisse Form von Ehe.

Das hat sich allerdings nach einigen Jahren absolut geändert. Zuerst kam dann die Familie, dann die Frau und dann das Theater. Und so haben wir es bis jetzt 61 Jahre lang geführt.

Was ist da Geheimnis Ihrer so langen Ehe?

Das ist eine seltsame Sache bei uns. Ich spreche Martha zwar mit ihrem Namen an, habe sie aber von Anfang an in ihrer Bestimmung als Frau gesehen. Ich kann nicht sagen „meine“ Frau, weil sie nicht mein Eigentum ist. Dasselbige kann sie nicht von mir sagen. Wir können nur zusammen ein schönes Leben in Gemeinschaft mit denselben Leitgedanken leben.

Auch wenn man zwischendurch Fehler macht, und das habe ich eher getan als sie, muss man diese erkennen. Denn jeder weiß um seine Fehler ganz genau, auch wenn er sie nicht ausspricht. Ich habe das getan, mit einem ehrlichen Gefühl.

Was bedeutet es, das Leben im Alter zu genießen?

Das ist ziemlich einfach: Das Leben so nehmen, wie es kommt und einem entgegenkommt. Und das Leben so zu leben, dass man dies alles im Gefühl richtig tun kann.

Das klingt sehr weise.

Ich bin ja auch weißhaarig! (lacht) Es gehört auch eine philosophische Geschichte dazu, die sich mit Religion befasst. Es gibt eine Bewegung, die man ehrt und an die man sich hält – nicht nur glaubensmäßig, sondern die einem auch tatsächlich in sehr schweren Zeiten beisteht.

Wenn man älter wird, beginnt man langsam nachzudenken, was das Leben eigentlich ist und was einem der Beruf bringen soll.

Und das kann ich absolut sagen, von meinem ersten Lebensjahr bis heute. Jeder hat seine eigene Religion, jeder hat seine Heiligen und seinen Gott. Für mich gibt es nichts anderes. Weil es ist, dass alles ist. Das ist für mich das göttliche Gefühl.

Hat sich Ihre Einstellung zum Schauspielern, zum Theater, zum Produzieren geändert?

Nein, absolut nicht. Aber wenn man ein bestimmtes Alter, so mit 80 Jahren, erreicht, dann wird es ruhiger. Manche glauben, sie könnten mich nicht mehr engagieren, weil ich schon zu alt bin oder ich bekomme genau deswegen eine Rolle.

Für Schauspieler ändern sich ja auch die Rollen mit dem Verlauf des Lebens. Wie war bzw. ist das für Sie?

Ganz natürlich! Es ist einfach so. Wenn man jung ist, hat man mehr Kraft und Temperament, aber noch nicht das Wissen, was kommt. Wenn man älter wird, beginnt man langsam nachzudenken, was das Leben eigentlich ist und was einem der Beruf bringen soll.

Wenn Sie zurück denken, welche Rollen haben Sie am meisten geprägt?

Sicherlich der „Echte Wiener“! Ich muss aber gestehen, es hat mich zwar geprägt, ich war jedoch nicht wissend, was da auf mich zukommen könnte!  Auch der „Bockerer“ war für mich eine wichtige Figur.  

Was wünschen Sie sich persönlich?

Ich wurde mein ganzes Leben lang geführt. Ich habe mich nicht einmal drauf verlassen, aber alles was sollte, kam auf mich zu. Im ersten Jahr am Theater habe ich die Frau kennengelernt, mit der ich ein ganzes Leben lang zusammen war. Und als wir langsam aber sicher eine Familie wurden, wollten wir einen Halt, einen Sitz, finden.

Wir wurden geführt, bis wir in das Viertel kamen, in dem unser Haus steht. Wir sind eine Familie und das ist auch, was wir aus unserem Leben machen müssen, wenn wir schon da sind, um das Leben fortzuführen. Und das hat sich glücklicherweise nicht nur ergeben, sondern ist uns alles zugefallen.