Mag. Dieter Strehl
Experte für Brettspiele für die ganze Familie

Wer sich mit der Geschichte des Spiels beschäftigt wird erkennen, dass die großen Klassiker wie Mühle, Dame oder Schach bereits seit vielen Hundert Jahren zum gesellschaftlichen Leben dazugehören und nicht wegzudenken sind.

Als älteste in Europa entstandene Art des Gesellschaftsspiels gilt das Kartenspiel, das mit dem Beginn der Papierherstellung in Europa vor 650 Jahren bekannt geworden ist und sich danach rasant verbreitet hat. Waren klassische Gesellschaftsspiele vorher meist primitive Spielanordnungen mit Holz- oder Knochenstücken, setzte schlussendlich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts der große Spieleboom ein.

„Damals war man in Sachen Drucktechnik soweit, dass man relativ kostengünstig Spielpläne farbig drucken konnte. England entwickelte sich so zum Mekka für Spielzeuge und Gesellschaftsspiele, gefolgt vom deutschsprachigen Raum mit einer besonders hohen Dichte an Spieleautoren und Herstellern.“, erläutert Mag. Strehl.

 

„Der Pokerabend lebt nicht nur vom Spiel selbst, Gespräche unter Freunden und Emotionen während des Spiels sind da mindestens genauso wichtig und gehören zum Erlebnis einfach dazu.“ - Mag. Dieter Strehl

 

Dr. Niki Laber
Präsident des Österreichischen Verbands für Unterhaltungssoftware.

Auch digital wird gespielt

Der Werdegang des Computerspiels ist dem des klassischen Gesellschaftsspiels sehr ähnlich. An Ideen hat es nie gefehlt, zu Beginn des digitalen Spiels war die technische Umsetzung das Hauptproblem. Dazu meint Dr. Niki Laber, der Präsident des Österreichischen Verbandes für Unterhaltungssoftware (ÖVUS): „Anfangs hat es gerade für so einfache Ballspiele wie Pong gereicht, das mit zwei Strichen und einem Punkt ausgekommen ist. Mit den Jahren hat man entdeckt, dass die Technik viel mehr zu leisten imstande ist. Mittlerweile können wir mehr Farben darstellen, als unser Auge wahrnehmen kann, die Grafi k ist komplex wie nie, jetzt können wir uns wieder vermehrt der Steuerung und den im Computerspiel vermittelten Geschichten widmen. Prinzipiell ist zu beobachten, dass sich die Spieleherstellerwiedervermehrt auf den Content rückbesinnen.“ 

 

Digital vs Analog?

Kommt das Computerspiel dem Gesellschaftsspiel in die Quere? „Meiner Ansicht nach stellen Computerspiele keine ernstzunehmende Konkurrenz zum klassischen Gesellschaftsspiel dar. Das spielerische Erleben entsteht durch gemeinsames Agieren in der Gruppe. Der Pokerabend lebt nicht nur vom Spiel selbst, Gespräche unter Freunden und Emotionen während des Spiels sind da mindestens genauso wichtig und gehören zum Erlebnis einfach dazu.“, erklärt Mag. Strehl. Ähnlich sieht das auch Dr. Laber vom ÖVUS.

Seiner Ansicht nach sind die Zielgruppen des Gesellschaftsspiels wie auch des Computerspiels zwar sehr ähnlich, bei der physischen Anwesenheit mehrerer Personen in einem Raum wird aber nach wie vor gern zum Gesellschaftsspiel gegriffen, so Dr. Laber. Bei bestimmten Genres wie Sport- oder Geschicklichkeitsspielen ermöglichen Neuerungen wie die Gestensteuerung aber eine erfolgreiche Verknüpfung von Gesellschafts- und Computerspielen. „Monopoly hingegen lebt ganz besonders vom haptischen Erlebnis des Selberwürfelns und vom Spaß in der Gruppe. Das fehlt beim Spielen am Computer.“, fügt der Experte hinzu.

 

„Die Grafi k ist komplex wie nie, jetzt können wir uns wieder vermehrt der Steuerung und den im Computerspiel vermitteln Geschichten widmen.“ - Dr. Niki Laber

 

Wo gehen die Trends hin?

Auf die Trends in Sachen Spiele angesprochen, geben sich beide Experten sehr bedeckt. Egal ob analoge oder digitale Spielewelten, ein Vorhersagen des Massengeschmacks scheint beinahe unmöglich. Dazu Dr. Laber: „Da die Entwicklung eines High-End-Spiels oft drei Jahre oder länger dauert, ist es sehr schwierig, Prognosen abzugeben, was in vier oder fünf Jahren gefragt sein wird.“ Laut Mag. Strehl von Piatnik war und ist die größte Schwierigkeit beim Spielen von Brettspielen das Regelstudium, daher tendiert man primär zu Spielen, deren Regeln man kennt. Aus diesem Grund haben die großen Klassiker unter den Gesellschaftsspielen nach wie vor die größte Fangemeinde und das wird auch so bleiben.