Welche Situationen verunsichern Frauen in der Schwangerschaft am meisten?

Das kommt auf die Frau an. Aber bei den meisten ist es wohl die Angst, nicht alles richtig zu machen. In der Schwangerschaft kommen viele Urängste hoch, darauf sollte man sich einstellen. Manche Frauen haben auch ein Problem mit der Art, wie sich ihr Körper verändert. Was so schade ist, denn schwangere Frauen sehen so schön aus. 

Wie sähe ein gesunder Umgang damit aus?

Ich fände es richtig, Frauen grundsätzlich über das Kinderkriegen aufzuklären. Dazu gehört auch die Frage nach dem Warum. Es gibt da ja häufig ein Transferdenken von: "Ich fühle mich nicht gut mit mir selbst." zu: "Ein Kind wird alles besser machen." Ein Kind wirkt aber immer als Verstärker. Wenn ich vorher nicht geschafft habe, mich mit mir auseinanderzusetzen, wird es nachher noch schwerer.

Das klingt vielleicht pessimistisch, aber mir ist es immer lieber, dass die Menschen vorher nachdenken und Probleme dann nicht nachher auf dem Rücken eines hoffnungsvollen, neuen Lebens ausgetragen werden. Ein Kind rettet auch keine Beziehung, da gibt es ja auch Kandidaten, die das glauben.

Ein Kind ist eine uneinschätzbare Kraft, die einen ab dem ersten Tag vorantreibt und wachsen lässt. Man muss sich aber Gedanken machen, ob man bereit ist, alles zu geben. Ich finde, das haben Kinder verdient. Und dann sind Kinder das Tollste auf der Welt.

Wie passen Sexualität mit Schwangerschaft und Baby zusammen?

Mit der Schwangerschaft passt Sex sehr gut zusammen! Viele erleben ja gerade diese Zeit als sehr stimulierend, was mit den Hormonen zusammenhängt und mit dem neuen Körpergefühl. Man muss nicht wie mit einem rohen Ei umgehen, aber die ganz wilden Sachen sollte man sich vielleicht besser für danach aufheben.

Mit Baby ist es schon schwieriger. Schlafmangel, der ständige Körperkontakt – da tritt das Bedürfnis nach Sex sehr in den Hintergrund. Und das finde ich völlig ok, denn jetzt gilt es erst einmal, sich um das Kind zu kümmern. So nach einem halben Jahr sind die meisten wieder in ihrem Rhythmus, aber es ist gut, sich bewusst zu machen, dass das Zeitmanagement und der Erschöpfungsgrad jetzt ein anderes Niveau haben. Das Wichtigste ist, miteinander zu sprechen und vor allem keinen Druck zu machen. Auch sich selbst nicht.

Wie geht es Frauen damit? 

Ganz unterschiedlich. Für manche ist ein Baby einfach noch jemand, den man lieben kann und das Leben läuft ähnlich weiter wie bisher. Andere sind völlig überfordert und schmeißen alles um, woran sie bisher festgehalten haben. Es ist elementar, sich selbst und seine Bedürfnisse ernst zu nehmen!

Wie geht es Männern damit?

Es gibt Männer, die trotzen richtig, weil sie vom Thron gestoßen werden, das ist sehr lustig zu beobachten. Aber viele sind ebenso unsicher und schockverliebt wie die Mütter. Es ist eine Gratwanderung, dem Kind den bestmöglichen Start zu geben und sich dabei als Paar nicht aus den Augen zu verlieren. Darum ist es sehr wichtig, den Vätern viel zu überlassen, auch wenn sie es anders machen, als die Mutter das gern hätte. Mütter neigen häufig zu Besserwisserei aus Überfürsorglichkeit, das kann auch an der Beziehung nagen.

Wie verändert ein Kind die Beziehung der Eltern? 

Man erkennt mit Kind, wie gut die Substanz ist. Und dann geht es darum, daran zu arbeiten, zu arbeiten, zu arbeiten. Beziehungen laufen ja nicht einfach wie Pferdchen geradeaus, sondern man muss sie lenken und nähren. Das ist ein spannender Prozess, ohne Frage. Und nicht nur, weil man sich ab jetzt immer fest verabreden und organisieren muss, wenn man etwas unternehmen möchte.

Was ist deine Erfahrung nach bzw. mit zwei Kindern? Was hat sich vor, in und nach den Schwangerschaften in deinem Intimleben verändert?

Ich habe alles in Frage gestellt, weil sich mir eine völlig neue Gefühlswelt aufgetan hat. Mit so viel Liebe in mir hätte ich nicht gerechnet. Es war und ist harte, schöne Arbeit, sein Leben nicht komplett in zwei anderen Auen zu lassen, sondern auch noch Eigenständigkeit und den Blick die eigenen Bedürfnisse zu wahren. Das finde ich am schwierigsten: mir  Zeit für mich selbst zu nehmen.

Wodurch unterscheiden sich Frauen von Mamas und Männer von Papas?

Die Relationen, in denen das Leben aufgeteilt ist, verändern sich stark. Eltern fühlen anders, meine ich. Was einem vorher wichtig erschien, spielt plötzlich nur noch eine untergeordnete Rolle. Und umgekehrt. Mamas und Papas sind definitiv müder, aber ich finde, dass das Leben so viel reicher ist mit Kindern.

Du hast schon mit vielen Leuten sehr offen über Sex und andere intime Sachen gesprochen. Gibt es trotzdem Hemmschwellen, die du nicht erwartet hättest? Wie bist du damit umgegangen?

Es fällt mir immer noch schwer, über sexuelle Techniken zu sprechen, als wäre es nichts. Ich denke dann häufig, dass das so intim ist, das es mich eigentlich nichts angeht. Witzigerweise ist das Gefühl stärker geworden, je länger ich den Job mache. Und natürlich gibt es vieles, was ich aus persönlicher Erfahrungslage nicht nachvollziehen kann. Dann komme ich mir vor wie eine Langweilerin, weil ich keinen bizarren Fetisch mein eigen nenne. Andererseits bin ich darüber auch ganz froh!

Vielen Dank, Paula! Was möchtest du uns noch mit auf den Weg geben?

Sprecht miteinander und hört dem anderen zu. Das ist der elementarste Schlüssel zur Glückseligkeit.