Irgendwie hatte ich mir das ganz anders ausgemalt. Vielleicht war ich auch naiv, aber neben all den bekannten Variablen wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Arbeitszeiten in der jeweiligen Branche und Aufteilung von Hausarbeit, hatte ich zwei Dinge vollkommen übersehen: Die Bedürfnisse meines Kindes und meine eigenen. Vor allem, dass sich diese verändern könnten, ab dem Zeitpunkt, wo so ein kleiner Mensch an meiner Brust nuckelt.

Plötzlich waren so viele Entscheidungen zu treffen für dieses kleine Wunder. Die Anforderungen änderten sich ständig wegen der Entwicklungsschritte. Langfristig etwas Vorzuplanen fand ich unmöglich. Angewöhnen und Finanzierung der Babysitterinnen, das ganze Prozedere mit dem Abpumpen... Wird er überhaupt aus dem Fläschchen trinken? Zahlt sich dieser ganze Aufwand eigentlich für zwei Stunden Fahrtzeit und drei Stunden Arbeit aus?

Und selbst wenn dieser kleiner Mensch da mitspielt: Will ich das eigentlich? Darüber hab ich mir viel zu wenig Gedanken im Vorfeld gemacht – und wie auch – ich hatte ja keine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, Mutter zu sein.

Gleichzeitig wurde aus einer Zweier- plötzlich eine Dreierbeziehung. Das Zeitkontingent wandelte sich in Mama/Papa-Kind-Zeit während der jeweils andere arbeitete, den Haushalt machte oder Freizeit genoss, Pärchenzeit (= Kind schläft… und die Eltern auch… aus Erschöpfung) und Familienzeit, in der dann ganz aufgeregt die ersten Ausflüge geplant wurden.

Dabei fühlte ich mich wie eine Superheldin, weil erstens die Wohnung mal verlassen und zweitens das gesellschaftliche Leben mit Kind neu entdeckt wurde. Auch so ein gern übersehener Punkt der Vereinbarkeit: Mit wem von uns dreien verbringe ich nun die meiste Zeit und wofür nutze ich sie?

In Frankreich ist das ja auch kein Problem

Immer wieder lese ich von den tollen Französinnen, deren Kinder so unkompliziert seien, wo das Betreuungssystem so super ausgebaut sei, und dass sie sogar bis zu vier Kinder hätten. Alles kein Problem, nur wir wären solche Helikoptereltern, idealisierten einen Muttermythos der 50er-Jahre oder veranstalten einen traditionellen Backlash, wenn die Hausfrau nun unser Wunschprogramm sei.

Ganz ehrlich: Ich liebe es zu arbeiten, wobei ich das nicht als Arbeit empfinde. Ich bin kreativ, gern unter vielen Menschen und aus meinem Hirn sprudeln ständig Ideen. Werde ich geistig nicht genug gefordert, geht es mir ganz schlecht. Das tut niemandem gut, auch nicht meinem Kind. Abgesehen davon würde ich es ganz gern ernähren und warm einkleiden können. Arbeiten zu gehen und Familie zu haben war für mich nie ein Widerspruch. Auch meine Eltern hatten das so gehandhabt.

Aber über das Stillen hatte ich mir nie so genau Gedanken gemacht. Wie oft, wie lange und so weiter. Das war eher learning by doing. Und nach einem Monat Mutterschutz tauchte dann mal die Frage auf, wie ich das denn vereinbare mit meiner Pendlerei und ob ich wirklich wieder gleich mit 20 Stunden einsteigen wollte.

Vereinbarkeit im Stufenmodell

Eine gleichberechtigte Partnerschaft war nie die große Frage bei uns: Sie war Ideal und Vorbild, wenn auch in der Realität nicht immer umgesetzt. Die Karenz teilten wir uns halbe-halbe auf. Zur Krippe bringt er das Kind, ich hole es ab. Manchmal auch umgekehrt. Hausarbeit knüpften wir in der Karenz nicht an Kinderversorgung, das war immer ein extra Thema.

Wir probierten es teils mit einer Reinigungskraft, teils mit der Ausweitung unserer persönlichen Erträglichkeitsgrenzen. Familienzeit am Wochenende hat Vorrang vor Staubwischen. Wer sich wofür zuständig fühlt, ist eine andere Frage. Und da kommen wir wieder zur Vereinbarkeit und der Arbeitszeit. Da mein Partner in einer Vollzeitausbildung steckt, die er zwar schon mal zurückstellt, um das fiebrige Kind abzuholen und ähnliches, liegt die größte Flexibilität doch eher bei mir. Und die hieß nach einem halben Jahr: Stundenreduktion.

Nach einem weiteren halben Jahr hieß es dann: Aus, ein Jobwechsel muss her, pendeln ist nicht mehr drin. Nach einem weiteren Jahr hieß es dann wieder: Stunden reduzieren und schließlich Jobwechsel mit 25 Stunden und besserer Bezahlung. Grund: Stressreduktion.

Das alles zu organisieren war an sich bislang immer irgendwie möglich. Not macht erfinderisch, kreativ und flexibel. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie gut sich PartnerInnen nach dem ganzen Organisations- und Alltagsstress am Ende des Tages noch auf sich und die Kinder einlassen können, ob ein Genießen zwischendurch auch mal möglich ist.

Von Wahlfreiheit können wir noch lange nicht sprechen. Wir können uns allerdings überlegen, ob wir uns mit den vorhandenen Möglichkeiten arrangieren wollen und welche Art von Familie wir leben möchten.