Die Welt hat sich in den letzten 30 Jahren stärker verändert als in den 300 Jahren davor. Unser Leben wird von einem Kapitalismus diktiert, der keinen Stein auf dem anderen lässt. Sein Gesetz heißt Beschleunigung. Was heute noch modern war, ist morgen schon veraltet.

Dennoch spricht manches dafür, dass sich die Menschen im Wesentlichen gleich bleiben und keineswegs so schnell verändern, wie sie es müssten. Immer noch machen Babys in die Windeln und weinen Mädchen (und wohl auch Buben) nach dem Ende ihrer ersten Liebe. Jemand muss da sein, der ihnen zuhört, der sie tröstet.

Schutz und Geborgenheit

In gewisser Hinsicht gibt es für die Familie keinen Ersatz: Wenn sie hält, was sie verspricht, nämlich ein Zufluchtsraum zu sein, dann finden Kinder in ihr Vertrauen, das nirgends sonst zu finden ist. Etwas vorleben, Schutz und Geborgenheit bieten, Gefahren abwenden und Sicherheit schaffen, das sind die Eckpfeiler gelingender Elternschaft. Wenn sich die große Welt „draußen“ schon ständig verändert, muss die kleine Welt „drinnen“ stabil und verlässlich sein.

Jede Familie ist ein Planet

Immer noch wünscht sich eine überwältigende Mehrheit der Jugendlichen eine Familie klassischen Zuschnitts: Vater, Mutter, Kind(er). Die Sehnsucht nach einer Partnerschaft, die ein Leben lang währt, ist weiterhin ungebrochen.

Jede Familie ist ein kleiner Planet für sich: mit eigenen Regeln, eigenen Ritualen, oft auch mit einer eigenen Sprache. Dieser Mikrokosmos ruht vor allem auf zwei Stützen, der Mutter und dem Vater, und hat Bestand, wenn beide einigermaßen gleich viel an Belastung tragen.

Ein Regenbogen wartet nicht

In der oft geführten Diskussion über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf findet man kein Patentrezept. Auch längere Öffnungszeiten von Krippen und Kindergärten sowie Ganztagsschulen sind nicht die allein selig machende Lösung. Was Familien vor allem brauchen, ist Zeit. Ein chinesisches Sprichwort lautet: „Die Arbeit läuft dir nicht davon, wenn du deinem Kind einen Regenbogen zeigen willst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis du mit der Arbeit fertig bist.“

Work-Life-Balance

Die entscheidende Frage, auf die Politik und Wirtschaft eine Antwort finden müssen, lautet: Wie kann, wie muss sich die Arbeitswelt verändern, damit die Familienzeit erhöht werden kann und Frauen gerechte Bedingungen vorfinden? Innovative Unternehmen loten unter dem Begriff „Work-Life-Balance“ bereits mehr Spielräume für Väter und Mütter aus. Und erste Versuche zeigen, dass es geht, Eltern zu sein, die Arbeit zu teilen, das Leben an der Existenz von Kindern auszurichten, ohne vom Arbeitgeber dafür bestraft zu werden.

Keine Vollkasko-Familie

Vater und Mutter zu sein, bedeutet, verzichten zu können. Die Vollkasko-Familie gibt es nicht, weil niemand den Eltern die Sorge um ihr Kind abnehmen kann, wenn es allein im Dunkeln oder mit dem Auto unterwegs ist oder nicht mehr in die Schule gehen will. Eltern müssen viele Entscheidungen treffen: Fleisch oder vegetarisch kochen? Schulmedizin oder Homöopathie? Gymnasium oder NMS?

Das Leben ändert sich

Das Glück, Kinder zu haben, kann man schlecht erklären. Nur so viel ist gewiss: Das Leben ändert sich von einem auf den anderen Tag grundlegend. Wer damit rechnet, den kann nichts überraschen. Er wird von nun an seine Freizeit und den Urlaub anders planen. Er wird sich vor Augen halten, dass das Kind wohl bald schon nicht mehr mitfahren will und er sich dann wirklich unbeschwerte Tage gönnen kann mit vielen Büchern, einsamen Spaziergängen, romantischen Dinnern (und jeder Menge Telefonate nach Hause).

Glückliche Kinder

Der bekannte Familientherapeut Jesper Juul hat einmal geschrieben: „Es gibt keine glücklichen Kinder ohne glückliche Eltern.“ Dieser Satz gilt auch umgekehrt: Es gibt keine glücklichen Eltern ohne glückliche Kinder. Eine Familie ist eine Schicksalsgemeinschaft, deren Mitglieder unauflöslich miteinander verknüpft sind.

Was macht das Geheimnis einer glücklichen Partnerschaft aus? Und wie kann der Sehnsuchtsort Familie die Erwartungen, die er immer noch weckt, erfüllen? Wenn sein Fundament aus verlässlichen Bausteinen besteht: Vertrauen, gegenseitiger Wertschätzung und der Übereinkunft, dass das Leben mit Kindern ein Geschenk und keine Last bedeutet.