Die Familie ist im Wandel. Gerade jungen Familien erscheint es, dass die heutigen Anforderungen an Familien und Beruf mit denen früherer Generationen nicht vergleichbar sind. Diese Anforderungen gilt es in regelmäßigen Abständen in ihren konkreten, gesellschaftlichen Kontext zu setzen und somit zu aktualisieren. Seit Jahrzehnten beobachten wir die fortschreitende Individualisierung in den europäischen Gesellschaften.

Mit der zunehmenden ökonomischen Eigenständigkeit so gut wie aller erwachsenen Personen treten Familien in ihrer traditionellen Funktion als Erwerbs-, Bedarfs- und Versicherungsgemeinschaften in den Hintergrund. Auch deswegen stellt für junge Erwachsene die Familiengründung inzwischen nur noch eine von mehreren persönlichen Zielsetzungen im Lebensverlauf dar.

Phasenverschiebungen

Diese „Lebens“-Ziele gilt es in relativ kurzer Zeit weitgehend zu realisieren oder deren Realisierung zumindest vorzubereiten. Längere, oft mit Erwerbstätigkeit überlappende Ausbildungsphasen und erhöhte Mobilitätsanforderungen verstärken die Individualisierung dieser Lebensphase. Partnerschaften sind vorerst oft nur von kurzer Dauer, Partner im jungen Erwachsenenalter wohnen auch lange nicht zusammen.

Viele junge Erwachsene verbleiben sogar länger in ihrem Elternhaus. Familiengründungen werden dadurch für die jungen Männer und Frauen zwar insgesamt nicht unwahrscheinlicher, jedoch verschieben sie sich zunehmend nach hinten. So liegt das durchschnittliche Alter der Mutter bei Erstgeburt inzwischen bei über 29, 1985 lag es noch bei 24 Jahren.

Diese Verschiebung ist nach wie vor ein Hauptgrund dafür, dass, obwohl der Kinderwunsch insgesamt nach wie vor bei der Zwei-Kind-Norm verbleibt, die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau nur gut 1,5 erreicht. Auf den ersten Blick hat es demnach den Anschein, dass jedes vierte gewünschte Kind niemals geboren wird.

Je konkreter aber der Kinderwunsch der jungen Paare formuliert und je besser er mit den gleichzeitigen Zielsetzungen der potenziellen Eltern abgestimmt ist, desto wahrscheinlicher ist auch dessen Realisierung.

Zuständigkeitsverschiebungen

Nach Geburt des ersten Kindes sind die meisten Eltern überwältigt. Von dem bezaubernden Geschöpf selbst, aber zumeist auch von der Tatsache, dass sich ihr Leben nun vollends auf den Kopf stellt. Viele Gewohnheiten und auch unmittelbare Ziele treten in den Hintergrund, das Kind wird in Windeseile zum Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Aktivitäten und Pläne der Eltern.

Wer hat wann welche Verantwortung für das Kind, wer sichert wann zu welchem Anteil den Lebensstandard der Familie? Die neuen Gestaltungsmöglichkeiten des Kinderbetreuungsgelds lassen für jede Form der partnerschaftlichen Teilung dieser Aufgaben einen passenden Rahmen finden.

Interessenverschiebungen

Auch später ist die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und den zahlreichen anderen Bereichen, die zuvor oft vernachlässigt wurden, aber den Eltern mit zunehmendem Alter der Kinder wieder wichtiger werden, ein stetes Thema für die Eltern. Mitunter werden auch künftige Arbeitgeber nach den Möglichkeiten der Vereinbarkeit gewählt, oft wird die Arbeitszeit nach den Bedürfnissen der Familie gerichtet.

Viele weitere Herausforderungen erwarten die Eltern. 2013 wurde im Rahmen einer internationalen Studie (Generations and Gender Survey der Vereinten Nationen) erhoben, dass die ÖsterreicherInnen zuallererst Toleranz und Respekt, Verantwortungsgefühl und gute Umgangsformen bei den Kindern ihrer Umgebung sehen wollen.

Doch dies lernen die Kinder nicht von selbst. Es ist in erster Linie das tolerante, respekt- und verantwortungsvolle Verhalten der Eltern zueinander wie auch zur näheren Umgebung, das den Kindern diese Verhaltensformen näherbringt.

Auch das Verhalten der Kinder im Rahmen der alltägliche Gefahrenbereiche, vor allem dem Verkehr, wird vorrangig durch das beispielgebende Verhalten ihrer Eltern und ihrer näheren sozialen Umgebung geprägt. Wir Eltern sollten uns dessen immer bewusst sein.