Dr. Sophie Karmasin
Bundesministerin für Kinder und Jugend

Für das neue Jahr habe ich mir ein ambitioniertes Ziel gesteckt. Meine Vision: Österreich soll 2025 das familienfreundlichste Land Europas sein. Familienfreundlichkeit ist der Kern für viele zentrale Zukunftsthemen - sowohl gesellschaftspolitisch, „klimatisch“ als auch ökonomisch. Wie soll eine familienfreundliche Gesellschaft für unser Land aussehen? Hierzu gibt es fünf Eckpunkte die meiner Ansicht nach die Basis für ein familienfreundliches Österreich legen.

Familien und Beruf

Eine familienfreundliche Gesellschaft braucht optimale Rahmenbedingungen und keine Bewertung, dazu müssen alle Familienlebenswelten im Alltag möglich und gesellschaftlich akzeptiert sein. Wir brauchen diese echte, gelebte Wahlfreiheit in Sachen Lebensform, Berufsleben und Kinderbetreuung. Daran anknüpfend müssen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der dafür notwendige Ausbau der Kinderbetreuung umfassend realisiert werden. Zentral dabei ist, eine breit angelegte und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung als Möglichkeit und Angebot – jedoch ohne Zwang. Im Mittelpunkt steht hier eine optimale Verzahnung und Akzeptanz zwischen häuslicher und außerhäuslicher Betreuung zum Wohle des Kindes. Eltern müssen darauf vertrauen können, dass ihre Kinder während ihrer beruflichen Abwesenheit liebevoll und verantwortungsbewusst versorgt und unterstützt werden. Mit der 15a-Vereinbarung zum Ausbau der Kinderbetreuung wird einem zentralen Wunsch vieler Eltern nach besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten nun Rechnung getragen. Vor allem der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen für unter-3-Jährige wird durch die neue 15a-Regelung gezielt gefördert, um die Barcelona-Ziele frühestmöglich zu erreichen.

Familienfreundliche Unternehmen

Familienfreundlichkeit ist zudem ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsfaktor und eine Chance für Unternehmen und für Österreich. Denn wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität setzen in Zeiten des demografischen Wandels auch eine familienfreundliche Arbeitswelt voraus. Es sind nicht die Familien, die unternehmensfreundlicher werden müssen, sondern es sind die Unternehmen, die familienfreundlicher werden müssen. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang flexible Arbeitszeitmodelle und mehr Akzeptanz für Familien und deren Herausforderungen in der Arbeitswelt, ebenso wie ein bedarfsgerechtes und flexibles Angebot an Kinderbetreuung.
Bei meinen Arbeitsbesuchen in Skandinavien im letzten Jahr hat mich das gelebte Prinzip der Partnerschaftlichkeit beeindruckt, ich denke hier haben wir in Österreich noch viel Spielraum nach oben. Gemeinsam und nicht nebeneinander oder gar gegeneinander – nur so kann ein familienfreundliches Österreich gestaltet werden. Daher soll Partnerschaftlichkeit auf allen Ebenen gefördert werden, um die Handlungsspielräume zu erweitern.

Kindererziehung

Wichtig ist auch, am Puls der Zeit zu bleiben, denn neue Zeiten verlangen neue Kompetenzen in der Kindererziehung. Eltern sind heutzutage stark gefordert, Erziehungskompetenz ist lange nicht mehr so einfach zu definieren wie früher. Dadurch wird Elternbildung wichtiger denn je, das Bundesministerium für Familien und Jugend setzt daher auf neue Technologien und bietet beispielsweise eine kostenlose Familien-App an, die es Familien erleichtert, ihren Alltag zu meistern, an Behördengänge und Fristen erinnert oder auch die Stundenpläne der Kinder erfasst. Zudem bietet das BMFJ Elternbildungslehrgänge an und fördert über 100 verschiedene Trägerorganisationen, die sich dem Thema Elternbildung widmen und Familien unterstützend zur Seite stehen.
Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam ein familienfreundlicheres Österreich gestalten können. Daher möchte ich Sie, liebe LeserInnen, dazu einladen, Österreichs Familien auf die Überholspur zu bringen!

Dr. Sophie Karmasin
Bundesministerin für Familie und Jugend