Ich bin eine, die auch ohne Kinder schon Pläne machte. Diese Gewohnheit habe ich beibehalten. Mit jedem meiner vier Kinder (2, 7, 10 und 12) vervielfachten sich nicht nur meine Mutterschaft, sondern auch die Termine auf meinem Plan – ohne den ich heute aufgeschmissen wäre. Unser Familienkalender hängt neben dem Küchentisch. An dem sitzen wir mindestens einmal am Tag zusammen, essen, reden, lachen, weinen, streiten und treffen Entscheidungen.

Jeder kann seine Termine in den Familienkalender eintragen und sehen, was die anderen so vorhaben. Vorsorgeuntersuchungen, Elternabende und mehr takten unser Familienleben und müssen kollisionsfrei geplant werden. Ebenso wie Familientreffen, Geburtstage, Ausflüge, Urlaub und nicht zu vergessen: freie Zeit.

Freizeit ist nicht gleich freie Zeit

Bei all den Terminen, die wir auf dem Plan haben, ist es an uns Eltern, dafür zu sorgen, dass jeder genug freie Zeit hat. Und damit meine ich nicht organisierte Freizeit mit Sport, Kunst und Unterhaltung. Ich meine terminfreie Zeit, die jeder nach Lust und Laune vertun kann. Zum Beispiel mit Herumliegen und Löcher-in-die-Luft-Starren. Denn ich plane bewusst Zeit für Langeweile ein. Ohne die kennenzulernen, lasse ich meine Kids nicht groß werden.

Jeder Kinder- und damit Familientag ist heute prall gefüllt mit Leben: Kinderladen, Schule, Neigungskurs und Sportverein fordern Kopf und Körper meiner heranwachsenden Sprösslinge bis an die Grenze des Machbaren. Hinzu kommt das aufreibende Zusammenleben mit uns Eltern und den Geschwistern. Den Pauseknopf zu drücken, das schaffen die Kinder nicht, selbst wenn sie spüren, eine Pause täte gut.

Also müssen wir Erwachsenen den Kindern Zeit verschaffen, um Luft zum Leben zu holen. In unserer Familie heißt das konkret: Drei außerschulische Termine in der Woche pro Kind sind genug.

Urlaub ist Ausnahmezustand für die Familie

Doch nicht nur das ausgeglichene Verhältnis zwischen Kindergarten, Schule, organisierter Freizeit und terminfreier Zeit zählt. Gemeinsamkeit ist uns eine ebenso wichtige Zutat fürs Familienleben. Die erzielen wir an Wochenenden, wenn wir daheim faulenzen oder Ausflüge in die Natur machen – für meine Stadtkinder ein Muss, um buchstäblich den Horizont zu erweitern. Und einmal im Jahr steht ein Familienurlaub auf dem Plan.

Den diesjährigen fanden die Kinder großartig, wir Eltern so lala. Kein Wunder: Wir haben den Urlaub großteils nach den Wünschen der Kinder geplant. Das fing schon mit der Wahl des Urlaubsortes an. Schon wieder Fehmarn? Ja! Denn die Ostseeinsel liegt nur knapp zwei Autostunden entfernt (meine Kinder haben alle meine Reisekrankheit geerbt), so dass man im Notfall – bei uns: ein beim Rollern halbierter Schneidezahn – schnell zum vertrauten Zahnarzt nach Hamburg fahren und den über Nacht in Milch eingelegten Zahnabbruch farbgleich wieder ankleben lassen kann.

Schon wieder Fehmarn? Ja! Denn mit jedem Jahr lernen die Kinder Insel und Inselleute besser kennen und wagen sich auch alleine zu Bäcker und Eisdiele. Die so aufkommende Gewohnheit entspannt den Urlaub und das Familienleben. Schließlich ist Urlaub ein Ausnahmezustand: Wann sind wir schon mal so lange am Stück zusammen?

Ganz klar, so ein Urlaub hat Potenzial: für leises und lautes, friedvolles und strittiges Familienleben. Damit wir Eltern nicht zusammenbrechen und die eine oder andere Minute für uns, allein oder zu zweit, bekommen, habe ich schon Wochen zuvor Unternehmungen gebucht. In diesem Jahr standen an: Kräutertour, Bogenschießen, Kartfahren, Fußball, Aqua-Fitness, Malen, Drahtschmuck basteln, Ostseeschwimmen, Strand-, Mittelalter- und Reitfest.

Manches war für ein einzelnes Kind, anderes für zwei oder drei, mit und ohne Begleitung, manches für uns alle. Worauf ich immer achte: Ich erfülle den Kids im Urlaub Sehnsüchte nach Reiten oder Malkursen, die wir im Großstadtalltag aus finanziellen und / oder logistischen Gründen nicht erfüllen können. Das schafft Familienfrieden.